Als ich anfing, die damals noch endlichen Weiten des Webs zu durchstreifen (man nannte das damals „surfen“), waren Websites noch tapeziert. Die Grundlage jeder Website war das „Wallpaper“, jener bunt gescheckter Farb- und Mustermix an Geschmacklosigkeit, der aus den Häusern bereits nach dem Bidermeier vertrieben wurde. Er feierte seine Auferstehung im Web.

Es ist eben so. Wenn man einen neuen Raum ästhetisch ausfüllen muss, dann experimentiert man naturgemäß mit Formen, Farben und Konzepten, die in der bisherigen Welt eine gewisse Prägung hatten. Und während uns die Betriebssystemhersteller einen „Schreibtisch“ vor’s Gesicht stellten, waren es im Web eben die Tapeten.

Wie wir alle Aufgeatmet haben, als mit den Frames dann auch die Wallpapers verschwanden. Das Netz schien auf einem guten Weg zu sein, ästhetisch. Ende der Neunziger überschlugen sich dann die Websites gar mit dieser milleniumesken Überäthetisierung, vor allem wegen Flash. Skeptisch fragte man sich, ob dies nicht jetzt etwas zu viel des guten sei.

Aber dann kam Myspace. Alles was man bis dahin an Hässlichkeit kannte, wurde in den dunkelsten Schatten gestellt. Pink quitschige Dusselschrift auf Braungrünen Tapeten, gepaart mit chromglänzenden Airbrushphanasien waren keine Einzelfälle. Dazu die jeweiligen Stileinlagen der „Freunde“ im Gästebuch. Je lauter, je doller. Man kann eigentlich nur dankbar sein, dass das mitgelieferte Blog nie wirklich benutzt wurde.

Myspace‘ Zeiten sind nun aber digitaläquivalentähnlich lange vorbei, wie das Bidermeier in der Echtzeit. Und doch lebt es, wie sein Vorbild, fort. Und so ist es wohl auch kein Zufall, dass die Geschmackslosigkeitswellen diesmal in die andere Richtung brechen. Und @wondergirl bricht mit ihnen:

wondergirl
[Link]


Kommentieren

Also ich finde:

Das sagen die Anderen: