Twitkrit

Der Hudson-Tweet von Janis Krums

jkrums

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Janis Krums‘ TwitPic von dem im Hudson notgelandeten Airbus ist bereits einen halben Tag nach seiner Aufnahme über 100.000 mal betrachtet worden.

Was gestern Abend, gleich nach dem von Pilot Chesley Sullenberger erfolgreich absolvierten Notlandemanöver, deutlich wurde: Twitter hat – im Gegensatz zu den herkömmlichen Medien – viel schneller und unmittelbarer die Eindrücke von dieser letztendlich für alle Passagiere gut ausgegangenen Tragödie geliefert. Die alten Medien (aM) haben jedoch Twitter längst auch auf dem Radar: nur 43 Minuten nach Veröffentlichung von Janis‘ Foto macht der Sender MSNBC ein Live-Telefon-Interview mit dem Twitterer, der aus Florida stammt und der das Bild von der NY Waterways-Fähre aus aufgenommen hatte, die zur Rettung an den notgelandeten Airbus heranfuhr.

Wenig überraschend, dass so ein außergewöhnlicher Tweet ganz schnell im Twitterland die Runde macht und die ReTweetRankings, in der Microblogging-Fachwelt schlicht als RTR abgekürzt, anführt. Twitkrit schließt sich im Übrigen der Meinung von @ihdl an und erklärt Janis‘ Krums zum Twitterer des Tages:

ihdl

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Klar haben Janis Krums die twitterale und mediale Aufmerksamkeit gleich einen vierstelligen Follower-Zuwachs gebracht, und als er drei Tage zuvor noch auf seinem Blog den Artikel „Twitter: 140 Characters or Less“ schrieb, hatte er bestimmt nicht gedacht, dass Twitter auch diese Funktion haben kann, die er nun entdecken konnte und die wir getrost in die Kategorie Notlande-Bürgerjournalismus eintüten können. Janis, mit einer Sache musst Du allerdings leben: das bessere Foto hat eindeutig Bürgerfotograf Gregory Lam gemacht und auf Flickr veröffentlicht. ;-)

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Zuviel Kommunikation

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Überall piept, blinkt, klingelt es: Nicht nur @tristessedeluxe wurde dies irgendwann zu viel. Umso selbstverständlicher es wird, jederzeit mit jedem in Kontakt treten zu können, umso mehr schätzt auch er die Momente, in denen man seine Ruhe hat. Während vermeintlich wichtige Zeitgenossen noch vor wenigen Jahren mit koffergroßen C-Netz-Telefonen versuchten, bei ihren Mitmenschen Eindruck zu schinden, ist es heute eher ein Luxus, einmal nicht erreichbar zu sein. Der Autor bringt dies in seinem Beitrag prägnant auf den Punkt: Obwohl sein neues Handy nicht nur ein viel schöneres Design hat, über eine 5-Millionen-Pixel-Kamera, Videofunktion, zahlreiche Spiele, sinnvolle Termin- und Kontaktverwaltungswerkzeuge mitbringt –  das beste Handy ist womöglich das, das gar nicht erst klingelt.

Der beste Blogbeitrag ist – in diesem Sinne – möglicherweise auch der, den man nicht lesen muss. Darum ist hier Schluss.

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In Frieden ruhen

stirb
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Betrachten wir zunächst diesen kurzen Satz einmal in seinen Einzelheiten: „wir … alle“ als handelndes Subjekt meint wohl die ganze Menschheit. Die Verbphrase „werden sterben“ deutet einerseits das Austehen (Futur) eines Ereignisses an und weist andererseits auf das Ereignis selbst, den Tod, das Ende. Allerdings ist „werden“ nicht nur als ein die Zukunft ankündigendes Hilfsverb zu verstehen. Vielmehr zeigt es einen Prozess an.
Allein aus diesen wenigen Entdeckungen ergibt sich

die Notwendigkeit, das Phänomen des Todes als Sein zum Ende aus der Grundverfassung des Daseins zu interpretieren. […] Das Ende steht dem Dasein bevor. Der Tod ist kein noch nicht Vorhandenes, nicht auf der auf ein Minimum reduzierte Ausstand, sondern eher ein Bevorstand.

Allerdings ist der Bevorstand des Todes kein normaler. Ihn unterscheidet ein Punkt existentiell von anderen bevorstehenden Dingen, die wenn sie denn mal gekommen auch da sind. Der

Tod ist die Möglichkeit des Nicht-mehr-dasein-könnens.

Doch diese

Möglichkeit beschafft sich aber das Dasein nicht nachträglich und gelegentlich im Verlaufe seines Seins. Sondern, wenn Dasein existiert, ist es auch schon in diese Möglichkeit geworfen. […] Die Geworfenheit in den Tod enthüllt sich ihm ursprünglicher und eindringlicher in der Befindlichkeit der Angst. […] Mit einer Furcht vor dem Ableben darf die Angst vor dem Tode nicht zusammengeworfen werden. Sie ist keine beliebige und zufällige „schwache“ Stimmung des Einzelnen, sondern, als Grundbefindlichkeit des Daseins, die Erschlossenheit davon, daß das Dasein als geworfenes Sein zu seinem Ende existiert. Damit verdeutlicht sich der existentiale Begriff des Sterbens als geworfenes Sein zum eigensten, unbezüglichen und unüberholbaren Seinkönnen.

Äh, was?
Die Angst vor dem Tod verdeutlicht uns das Seinkönnen und der Tod selbst ist nur eine Möglichkeit? Wir werden möglicherweise alle sterben? Das steht doch da oben gar nicht! Da steht doch eine ganz klare Aussage, ein so ist es. Punkt. Kein Weg dran vorbei. Isso. Nichts, was Angst anzeigen könnte. Keine Ablenkung. Es ist nicht das kierkegaardsche Leiden einer Ausage wie:

Das Leben ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die hundertprozentig lethal verläuft.

Den Satz hätte man ja auch twittern können. Bleibt knapp unter 90 Zeichen. Aber er ist nicht so eindeutig, so einfach, so klar. Und diese Klarheit, das Fehlen jeglicher Bezugnahme auf Krankheit oder vielleicht gar Pathos enthebt „wir werden alle sterben“ jeglicher Emotion. Da bleibt’s ganz nüchtern und sachlich. Kein panikheischendes Ausrufungszeichen. Pure Gewissheit. Ich finde das beruhigend.

(Zitate aus: Martin Heidegger: Sein und Zeit, §50. Zitiert nach der 18. Auflage im Max Niemeyer Verlag. Tübingen 2001)

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Twitterlesung: endlich auch in Hamburg

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Unbestritten ist, dass Hamburg eine Stadt mit unzähligen Attraktionen ist. Was Hamburg jedoch nicht braucht: eine weitere Filiale einer Kaffeebarkette. Was Hamburg allerdings ganz dringend braucht: eine Twitterlesung.

Nachdem das Twitkrit-Team die Hauptstadt bereits zwei Mal mit einem solchen Ereignis beglückt hat, und die Rufe aus der Elbmetropole immer lauter wurden, freuen wir uns, nun endlich auch in der Hansestadt ein Potpourri aus schönen, scheußlichen und bemerkenswerten Tweets präsentieren zu dürfen. Kurzweilig twitteresk wird es:

  • Wann? Am Donnerstag, 22. Januar 2009 ab 21 Uhr.
  • Wie kann ich mir einen guten Platz sichern? Komm bereits um 20 Uhr, dann ist Einlass. Es gibt gut gekühltes Bier aus Flaschen und man kann den einen oder anderen Follower so bereits vor der Lesung live und in Farbe begrüßen.
  • Wo? In der Hamburger Botschaft, Sternstraße 67, 20357 Hamburg.
  • Was kostet der Spaß? Nur 3,- Euro in bar, gern passend, Kreditkarten werden nicht akzeptiert.

Kommt zahlreich und bringt Eure Freunde Follower mit. Wir freuen uns auf Euch – umgekehrt hoffentlich auch.

Und: wer kommen möchte, hinterlässt bitte auf twitterlesung.de einen Kommentar. Die Plätze sind rar.

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Der Abgrund des Anderen in meiner Timeline

Es sind ja nicht immer nur die Tweets. Das was an Twitter reizt, ist oft genug das, was man die Differenz des Anderen nennt. Denn oft genug ist der Andere der ganz Andere. Der, der jenseits der Vorstellungskraft anders ist, der überraschend hereinbricht oder einfach eine hereinbrechende Überraschung nach der anderen in die Timeline hackt.

Es sind die Exemplare Mensch, die durch ihr Anderssein ein gewisses ethnologisches Interesse wecken. In der Realität kann man ihnen aber leider nicht auf dem Heimweg folgen und sie durch ihre Fenster beobachten. Wer eine solche ethnologische Neugierde entwickelt, ist aber bei Twitter gut aufgehoben. Denn dort versammelt sich nicht nur der ganz normale Wahnsinn, wie du und ich, nein, auch der außergewöhnliche, der ganz andere Wahnsinn, stellt sich hier selber aus.

Ich folge mehrerer solcher Exemplare. Es ist dabei gar nicht so leicht zu bestimmen, was sie anders macht. Es sind oft ihre Meinungen, die so ganz anders sind oder sich ganz anders begründen. Aber auch die Reaktionen auf Ereignisse, oder ihr Verhalten in gewissen Situationen. Dabei reicht meist der einzelne Tweet nicht aus, diese Andersheit darzustellen, oder gar ihr gerecht zu werden. Das stellt sich erst mit der Summe der Tweets ein, über lange Beobachtungsstrecken in der Wildbahn, sozusagen.

Doch ganz selten lässt ein einzelner Tweet diesen Abgrund des Anderen erahnen:

plom
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3 Zeichen für Tweetbrödel

Wenn die Welt gerade nichts zu tun hat, dann schafft sie sich ein neues Mem. Natürlich ist nicht die ganze Welt gemeint, nein, in diesem speziellen Fall nur die kleine deutsche Twitterwelt. Und die probte am vergangenen Freitag wieder einmal den Twitter-Flashmob – initiiert durch @dhaunsch.
Die deutsche Twitterfamilie mag zwar klein sein, aber sie ist nicht unbedeutend. Und so geschah es, daß es dieses, in die digitale Welt hinausgeschossene, Mem „movietwitter“ innerhalb weniger Stunden auf Platz 1 der Twitter Trends schaffte. Seht ihr, wir sind wichtiger als die #CES, tragischer als #gaza und relevanter als #obama.

3z- trendtopics

Nun. Ein Sinn und Zweck der Twittertrends ist es, der GANZEN Twitterwelt und auch der übrigen Welt zu zeigen, was gerade die trendigen, vielleicht auch relevanten Themen der Webwelt sind. Daher klickt das internationale Follower- und Trendwatchingpublikum gerne mal auf ein Trend Topic, welches einem nicht unbedingt sofort etwas sagt, aber faszinierender Weise trotzdem auf Platz 1 steht. Etwa was verpasst?

Tun wir also so, als seien wir ein nixverpassender Trenderfinderamerikaner und klicken mal auf #movietwitter.

ups. that’s a language i don’t understand. Ok. Let’s try this wonderful „translate to english“ function.

3z - already 2
Ahhhh. Now, this makes sense to me.
3z - already

Abgesehen von diesen wenigen Tweets, die bereits ins Englische übersetzt waren – wurde sinnhaft toolgerecht übersetzt:

3z - twitterkisten

3z - silence

Der Failwale hat sich den ganzen Abend nicht blicken lassen, sondern für viele gab es nur eine einzige grauenhafte Erkenntnis: „Ein Tweet kommt selten allein“

3z - tweet nicht allein

Den Häufigkeitsvogel hat wohl folgender Film abgeschossen (rein subjektiv gefühlte Einschätzung):

3z - last summer

Doch trotz oder vielleicht auch gerade wegen der verbesserungswürdigen super Onlineübersetzung wurde endlich unser aller kreatives Potential entdeckt:

3z - canada

3z - boston

Genau. Wir können nämlich sehr wohl kreativ sein. Und wir können für einen Tag Trends setzen. Und wir können Twitter vollmüllen. Und überhaupt:

3z - germany twittermärchen

Und wer sich fragt, was das eigentlich alles soll? Wir sind auch unable dies zu beantworten….

3z - unable

Bei uns im Sauerland gibt es den Spruch:
„Du hast doch nicht alle an der Memel“.
Ich wollte es nur mal gesagt haben. Das muss jetzt nichts zur Sache beitragen.

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Mehr zum Abend auch bei @dhaunsch, @zellmi und @medienblogger

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