Twitkrit

140 Zeichen ins Grundgesetz!

gröner
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Nicht „in karo-strukturiertem Design“ sondern „kariert“, sagt Anke Gröner, unser aller – nie erreichtes – Vorbild in Sachen Sprachästhetik. Und sie sagt es böse. Dieser Tweet ist so entblößend. Er ist so demütigend. Sie legt den Finger in die Wunde einer Texterzunft, die völlig versaut ist durch das geisteswissenschaftliche Studium, in dem schwafeln allein dadurch antrainiert wird, um die erforderliche Seitenanzahl zusammenzukloppen.

Gröners Tweet führt uns vor Augen, dass Sprache nicht in ihrer Verquastheit, nicht in ihrem ausschweifenden Ornamenten zur Blüte gelangt, sondern in ihrer Schlichtheit, der Treffsicherheit, in der Punktlandung ihrer Ökonomie. Kariert, Du Nase!

Und hier, wie könnte es anders sein, sind wir wieder bei Twitter. Twitter, diese Antithese eines wissenschaftlichen Textes. Ich fordere, dass Texter twittern. (Und Gedichte von Brecht lesen.) Dass sie lernen, mit der Beschränkung umzugehen, sie produktiv zu machen.

Und die CDU, die auf deutsch in das Grundgesetz schreiben will, dass ihre Sprache Deutsch ist, sollte sich viel mehr Gedanken darüber machen, wie man Dinge dort hinein bringt, die nicht überflüssig sind. Zum Beispiel, dass sich der Gesetzgeber verpflichtet, keine Gesetze zu verabschieden, die länger als 140 Zeichen sind.

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Sind wir nicht alle etwas beschränkt?

„Suhrkamps furioser Start ins digitale Zeitalter!“ titelte wohl jüngst die SZ – und meinte damit den Start der neuen filmedition suhrkamp. Nun. Was die SZ nicht beleuchtet, übernimmt an dieser Stelle Twitkrit und kümmert sich in diesem Kontext erstmal um den furiosen Start von @suhrkamp ins Twitterzeitalter, wo sich Prokrastinatöre, Nerds, Künstler, Kapitalisten und Simpson-Generationen in einem sarkastisch-ironisch-fröhlich-liebevollen Miteinander vermischen. Eben aus dieser Generation kommt dann auch die Frage:
ChristelWoeller
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Aber sicher! Da meldet sich doch gleich die neue Twitterredakteurin @suhrkamp und stellt sich verlagsangemessen vor:

suhrkamp1
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Guten Tag, Frau Reinsch. Mein Name ist @pickihh, ich bin eine Twitkritterin und twitkritte für dieses Twitteratur-Blog. Und ich sage vollkommen ironiebefreit, ich finde es gut, zu erfahren, welche Personen sich hinter einem Unternehmens-Account wirklich befinden. Gute Aktion! – und für den Simpsons Witz kann ja keiner was (Link-Update via @gebenedeite). Man mag lediglich dem verschwundenen Kollegen Geigert vorwerfen, die liebe Frau Reinsch nicht ordnungsgemäß an die Twitterkommunikation herangeführt zu haben.

suhrkamp2
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Nein, liebe Frau Reinsch, Ihr Verlagsprogramm passt leider nicht in einen einzigen Tweet. Vielleicht für jedes Buch einen Tweet? mit Link? Das wäre ganz großartig. Und lassen Sie sich bitte weder von Reaktionen unliterarischer Nerds und Sarkasten noch von dieser Twitkrit vom Twittern abhalten, denn im Grunde sind hier alle etwas „beschränkt“. Manchmal auch über 140 Zeichen hinaus. Aber wir finden das überhaupt nicht schlimm.

suhrcamp3
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Wir werden Sie mit Freude verfolgen, rein digital natürlich.

mfg, PickiHH

Update 08.12.:
Für alle, die wie ich selbst, unsicher waren, ob es sich um einen Fake handelt:
suhrkamp
Obgleich der Fake gut gemacht war, und meiner Meinung nach Suhrkamp sicher nicht geschadet hat, übersteigt es doch vielleicht den rechtlichen Rahmen, den echten Namen einer Verlagsmitarbeiterin zu verwenden? Oder ist diese Meldung wieder ein Fake? Ach, das Internet lügt halt das sich die Bits biegen.

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