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Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr nähert sich dem Ende, und es ist die große Zeit der Rückblicke. Was liegt also näher, als einen Blick aufs Lametta zu werfen? Wehmut schwingt mit in diesem Tweet von @wiejetztaber. Denn früher hatten wir mehr Lametta, alles glitzerte ein bißchen mehr als heute, alles war schöner und prachtvoller. Unterschwellig bedeutet dies nichts anderes als: früher war alles besser. Aber ist dem wirklich so?

Zunächst einmal müssen wir der Frage auf den Grund gehen, was Lametta eigentlich ist. Früher, als alles besser war, hätten wir in unsere 24-bändige Brockhaus-Enzyklopädie geschaut, die sicher eine Definition des gesuchten Begriffs für uns gehabt hätte. Heute reicht uns ein Blick in das nutzergenerierte Onlinelexikon Wikipedia, das sogar gleich drei Erklärungen für uns bereit hält, womit, würde man die Qualität einer Zeit einzig an der Anzahl der verfügbaren Lamettadefinitionen messen, quasi bewiesen wäre, dass früher nicht alles besser war:

  1. L. (von lat. lama = Metallblatt) ist ein aus schmalen, dünnen, glitzernden Metallstreifen bestehender Weihnachtsschmuck für Weihnachtsbäume. [...] Stanniollametta kann einen Anteil Blei als “Kern” enthalten, um das Gewicht des Lamettas zu erhöhen bzw. es “schöner” hängen zu sehen.
  2. L. wird umgangssprachlich auch abwertend für Orden, Uniformschnüre, Schulterstücke usw. benutzt.
  3. Bei Software spricht man auch von L. bei eigentlich für den Verwendungszweck überflüssigem Programmtext, der dem Nutzer des Programmes keinen wirklichen Vorteil bietet. [...] Gelegentlich ist dieser Programmteil noch nicht einmal für den Nutzer sichtbar und dient einzig dem künstlichen Aufblähen des Programmtextes, wenn der Programmierer nach Programmtextzeilen bezahlt wird.

Und was soll nun an einer Zeit besser gewesen sein, in der es mehr Lametta gab? Plumbum ist hochgiftig, Orden sind so überflüssig wie ein Loch im Kopf, gar nicht zu reden von eigentlich überflüssigen Programmtextzeilen.

Wenn ich in die Wikipedia blicke, bin ich froh, dass es heute weniger Lametta gibt und dafür mehr Aufklärung. Früher war doch nicht alles besser. Ein Mehr an glitzernden Metallstreifen bedeutet nicht gleichzeitig auch ein Mehr an Lebensqualität. Das Verschwinden von schön hängenden Bleifäden ist kein Grund für Melancholie.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

bosch

@Nicole: mz-web.de – wo hast Du das denn ausgegraben? Wer auf das erste Wort im obigen Artikel klickt, der kann sich das Original-Lametta sogar ansehen und -hören.

Gepostet von bosch am 18. Dezember 2008 um 23:31.
Nicole Y. Männl (aka enypsilon)

@bosch mz-web.de ist #raeusper natürlich NICHT meine Standard-Online-Lektüre; ich hatte die Phrase bei Tante Google eingegeben und bin inmitten der Suchergebnisse der ersten Seite fündig geworden.
Ach was!?
Den You-Tube-Link hatte ich gar nicht bemerkt.
Sen-sa-tio-nell!

Gepostet von Nicole Y. Männl (aka enypsilon) am 19. Dezember 2008 um 00:04.
Twitkrit — Lorioteske Bilder

[...] nach 40 Monaten beseitigt gehört. Kollege @bosch hat ihn immerhin mal indirekt ins Spiel gebracht (12/2008: Früher war (nicht) alles besser); Gastautor @saschalobo erwähnte ihn zurecht als Komiker, der in [...]

Gepostet von Twitkrit — Lorioteske Bilder am 29. Juli 2011 um 16:57.