tristessedeluxe

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Was haben wir uns alle schon den Mund fusselig geredet, um Freunden und Bekannten Twitter zu erklären. Ok, manche versuchen es erst gar nicht, aber wer es schon mal probiert hat, weiß was ich meine: Die mühsamen Versuche zu erläutern, worin der Nutzen und der Reiz des Twitterns liegen, enden meistens – ob der ungläubigen, am Verstand des Vortragenden zweifelnden Blicke des Zuhörers – in einem Schlusssatz, der mehr oder weniger so aussieht: «Musst’e halt selbst ausprobieren, sonst verstehst’e das nicht!».

@tristessedeluxe geht den direkten Weg: Töchterchen darf einfach mal lostwittern. Herausgekommen ist der wunderbare erste Tweet seiner Tochter, vom Vater mit ordnender Hand als solcher mit den Worten

(erster tweet meiner tochter)

ausgezeichnet. Und was schreibt die Tochter? Sehen wir uns doch ihren Text einmal an (Achtung: im Screenshot ist er nicht zur Gänze abgebildet, über das sichtbare Zeilenende hinaus verstecken sich noch geheime Zeichen):

ÄÖÄÖÖÖÖÖÖÖÖÄ“ÄÄÄ´´´´´´ß.-ööööäwwwww=00. -,,,mä++++++++++++3++++++++++ü<ü<ü<<<<<& lt;<<<<<<<<<ääääü jb>>üä

Eins fällt gleich ins Auge: Es ist eine starkes Faible für Sonderzeichen zu erkennen. Und für Großbuchstaben. Statt mit einem ABC-Schützen haben wir es mit einer ÄÖÄ-Schützin zu tun. Und wenn schon Majuskeln, denkt sich Töchterchen Tristessedeluxe, dann sollen es auch bitteschön dicke fette Umlaute sein. Schöne große Äs und Ös. Später noch ein paar kleine äs und üs hinterher, damit man erstmal sieht, wie groß die Großen sind. Und viele Plusse, ganz wichtig. Frühes Anzeichen für eine positive Lebenseinstellung? Wir wissen es nicht und sollten uns hier aus Respekt vor den ersten Vertweetlautbarungen einer jungen Twitterin mit vorschnellen Interpretationen zurückhalten. Vielleicht wurde hier auch einfach nur erstmal die Tastatur haptisch erfasst und dem Zufall freien Tastaturlauf gelassen. Egal, denn für Twitter gilt: Alles ist möglich, nur mehr als 140 Zeichen geht nicht!

Dieser bezaubernde Vater-Tochter-Tweet weist jedenfalls auf ein Phänomen hin, dass uns in Zukunft sicher noch stärker beschäftigen wird: Wie wird die Twittertradition von den Eltern an die Kinder weitergegeben? Und schreiben die Kleinen im Frühstadium erstmal wie ihre Eltern, solange sie diese noch bewundern und imitieren möchten? Oder grenzen sie sich ganz bewusst ab und wollen gar nicht erst so schreiben wie die Alten? Wie wird etwa @saschalobo seinen Nachwuchs einmal an Pappas liebsten Microbloggingdienst – wenn es diesen dann noch gibt – heranführen? Falls er die Fortpflanzung nicht gänzlich prokrastiniert (der Titel seines ersten co-geschriebenen Buches «Wir nennen es Arbeit» erhält im Kontext der Familienplanung plötzlich eine ganz andere Konnotation). Wir wissen es nicht. So lange erfreuen wir uns erstmal an obigem Tweet (Danke, @tristessedeluxe und Töchterchen Tristessedeluxe!) und warten auf weitere ÄÖÄ-Schützen.


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Also ich finde:

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