Twitkrit

Das war Twitkrit 2008

Nein, das wird keine Twitkrit.
Und kein Twitkrit-Jahresrückblick.

Das ist eine Abwesenheitsnotiz.

Wir machen Schluss.

Aber:

zukunft
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Wir kommen wieder! 2009!
Dann hoffentlich erholt mit neuen Twitkrits, neuen Twitterlesungen und noch weiblicher!
Nachdem wir es im Herbst versäumten, unsere neue Edelfeder vorzustellen (NOCHMALS ENTSCHULDIGUNG, lieber Markus!), diesesmal sogar sozusagen ein Jahr im Voraus: Ab Januar werden wir von unserer neuen Volontärin Marthadear unterstützt. Da freuen wir uns wie Bolle drauf!

Bis 2009 (wir planen, ab 07.01. wieder zu twitkritten), verehrte Leser!

Und für die kommenden Tage nicht vergessen:

Noël
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A little bit more information than we needed

Einer meiner Lieblingsdialoge aus Pulp Fiction entstammt der Szene, in der Vincent Vega (John Travolta) die schon mächtig zugedröhnte Mia Wallace (Uma Thurman) nachhause bringt und erstmal einem natürlichen Bedürfnis nachgehen möchte. Die Szene ist übrigens in dem höchst kuriosen «Toilet Museum» als zweiter Clip in den «Bathroom Sounds» nachzuhören. Der Dialog geht so: Vincent Vega sagt zu ihr:

I’m gonna take a piss.

Worauf Mia Wallace entgegnet:

That’s a little bit more information than I needed.

Daran musste ich denken, als ich @natetee‘s «A little bit more information-Tweet» las:

natetee

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Auch hier liefert uns der Autor in der Beantwortung der Twitter-Frage «What are you doing?», wobei er nicht nur die gerade absolvierte Tätigkeit beschreibt, sondern uns quasi an seiner kompletten Tagesplanung teilhaben lässt, a little bit more information than we needed.

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Früher war (nicht) alles besser

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Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr nähert sich dem Ende, und es ist die große Zeit der Rückblicke. Was liegt also näher, als einen Blick aufs Lametta zu werfen? Wehmut schwingt mit in diesem Tweet von @wiejetztaber. Denn früher hatten wir mehr Lametta, alles glitzerte ein bißchen mehr als heute, alles war schöner und prachtvoller. Unterschwellig bedeutet dies nichts anderes als: früher war alles besser. Aber ist dem wirklich so?

Zunächst einmal müssen wir der Frage auf den Grund gehen, was Lametta eigentlich ist. Früher, als alles besser war, hätten wir in unsere 24-bändige Brockhaus-Enzyklopädie geschaut, die sicher eine Definition des gesuchten Begriffs für uns gehabt hätte. Heute reicht uns ein Blick in das nutzergenerierte Onlinelexikon Wikipedia, das sogar gleich drei Erklärungen für uns bereit hält, womit, würde man die Qualität einer Zeit einzig an der Anzahl der verfügbaren Lamettadefinitionen messen, quasi bewiesen wäre, dass früher nicht alles besser war:

  1. L. (von lat. lama = Metallblatt) ist ein aus schmalen, dünnen, glitzernden Metallstreifen bestehender Weihnachtsschmuck für Weihnachtsbäume. [...] Stanniollametta kann einen Anteil Blei als “Kern” enthalten, um das Gewicht des Lamettas zu erhöhen bzw. es “schöner” hängen zu sehen.
  2. L. wird umgangssprachlich auch abwertend für Orden, Uniformschnüre, Schulterstücke usw. benutzt.
  3. Bei Software spricht man auch von L. bei eigentlich für den Verwendungszweck überflüssigem Programmtext, der dem Nutzer des Programmes keinen wirklichen Vorteil bietet. [...] Gelegentlich ist dieser Programmteil noch nicht einmal für den Nutzer sichtbar und dient einzig dem künstlichen Aufblähen des Programmtextes, wenn der Programmierer nach Programmtextzeilen bezahlt wird.

Und was soll nun an einer Zeit besser gewesen sein, in der es mehr Lametta gab? Plumbum ist hochgiftig, Orden sind so überflüssig wie ein Loch im Kopf, gar nicht zu reden von eigentlich überflüssigen Programmtextzeilen.

Wenn ich in die Wikipedia blicke, bin ich froh, dass es heute weniger Lametta gibt und dafür mehr Aufklärung. Früher war doch nicht alles besser. Ein Mehr an glitzernden Metallstreifen bedeutet nicht gleichzeitig auch ein Mehr an Lebensqualität. Das Verschwinden von schön hängenden Bleifäden ist kein Grund für Melancholie.

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das klare Artikel

Baudrillard bemerkte einst spitz, dass das Ethnologie bereits durch seinen bloßen Existenz imperialistisch sei. Schließlich habe die indigene Eingeborene nicht das selbe Instrumentarium parat, uns zu begegnen, wie wir ihr. Wir beobachten, vermessen, kategorisieren und vor allem Benennen wir sie.
Viele Völker, die in der völligen Abgeschiedenheit, sagen wir des Regenwalds in Amazonasbecken, lebten, nennen sich in ihrer Sprache schlicht “Mensch”. Ohne jedoch jemals Kontakt zu anderen Menschengruppen gehabt zu haben. Während die Ethnologen für die Eingeborenen also oft irgendwie “Außerirdische” waren, ordneten diese der jeweilige Wort für “Mensch” als Gattungsname dieses Volkes in ihre Sprachsystem ein. Die so Kategorisierten konnten sich nicht nur nicht dagegen wehren, nein, sie bekamen dieses Verlust des Deutungshoheit über sich selbst nicht einmal mit!

Als ich letztens mein Timeline vom Twitter nach die beste Tweet durchforstete, fiel mir die folgende von der großartigen @mediaocean sofort in den Auge:
mediaocean
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Einer der immer wiederkehrenden Diskussionen im Web, ist das Frage des Artikels von “Weblog” bzw. “Blog”. Eingeborene Puristen sind immer wieder auf den Plan gerufen, die sprachliche Intifada gegen “der Blog”-Sager (auch Journalisten genannt) auszurufen. Ob es nun als die Erfolg der Fundamentalisten zu werten ist, dass der “das” im Duden zu finden ist, oder als die der ethnologischen Ignoranten, dass auch die “der” verschämt hinzu geschrieben wurde, ist letztendlich nicht zu klären.

Denn eines darf man in dieser Diskussion nicht vergessen: in Englischen gibt es nur die “the”! Welches Artikel es dann in den deutschen Sprachgebrauch schafft, wird auf immer eine Kulturkampf bleiben.

Da ich nun aber mehr oder weniger auf die anderen, die Webnutzerseite sozialisiert wurde, verläuft auch für mich das Demarkationslinie alles andere als neutral. Und obwohl mir das Artikelierung sowas von egal ist, kann ich als echtes Webbürger nun mal nicht anders als selbst zu den Waffen rufen.

Also, Brüder und Schwestern des Webs! Kämpft um jedes Artikel von den Webnutzer-Neusprechs, denn wir haben natürlich Recht. Die Recht der Eingeborenen gegen die Ethnologen!

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Zwitschern ist Musik

Mit dem Aufkommen von blip.fm kamen einige Twitter-User auf die semibeliebte Idee, künftig fast ausschließlich Links zu ihren Lieblingssongs zu twittern. Twitter-Puristen sahen die reine Leere des Tweets verfälscht und begannen ihre virtuelle Intifada gegen Blips im Tweet.
Wer zuviel Blips twitterte, wurde ebenso geächtet wie die, die nur ihre Blogposts auf Twitter bewerben.
Mal wieder wurde hier im kleinen Mikrokosmos der so genannten sozialen Netzwerke deutlich, dass den Dingen eine Chance zu geben, eine Tugend ist und bleibt, die nur wenigen verliehen ist.
Allerdings ist das Twittern eines Links, der rein gar keinen Hinweis auf das dahinter versteckte Liedgut barg, nun wirklich nicht sonderlich verständnisfördernd oder gar spannend zu lesen.

Doch das geht anders. Mittlerweile geben viele Blip-fm-Nutzer, so sie sie sich trauen, ihre Musikfundstücke weiterhin noch auf Twitter zu verbreiten, mehr oder minder deutliche Hinweise zu den getwitterten Song-Links. Beispiel? Nun, ein Text vor dem Songlink wie “Schade: Smooth Operator” wäre ziemlich eindeutig. Der würde wohl helfen, viele vom Klicken abzuhalten. Aber irgendwie fehlt ihm der spielerische Moment, den das Blipstweeting auch haben kann. Denn popkulturelles Wissen macht ja vor allem dann Spaß, wenn es sich anwenden lässt. Wenn also ein Song via Blip verlinkt wird und dazu wirklich nur ein Hinweis getwittert wird, ich aber durch diesen Hinweis errate, welcher Song hinter der nichtssagenden URL steckt, dann fühl ich mich wie Rob, Dick und Barry aus dem Plattenladen von High Fidelity zusammen. Da kommt nix anderes ran. Das ist dann ein echter Hammer!

hammer
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