Twitkrit

#Ficken oder #Scheiße?

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Dieser Tweet von @weltherrscher lässt mindestens zwei Deutungen zu. Die entscheidende Frage ist, wie in diesem Falle das Wort „Fuck“ zu übersetzen ist.

Meint „Fuck“ in diesem Falle das Verb „to fuck“ (= ugs. für kopulieren)? Dafür spräche die sich steigernde Intensität, welche auf ihrem Höhepunkt mit dem erlösenden Ausruf „Yeah!“ endet.

Oder meint „Fuck“ einfach die Interjektion (= derb für unangenehme Sache)? Dagegen wiederum sprächen die in diesen Tweet mehrfach eingestreuten Ausrufe „Yes!“ und „Yeah!“, welche allerdings auch nur ein Ausdruck von Schizophrenie oder Masochismus sein könnten.

Wir wissen es nicht und werden vermutlich nie erfahren, was gemeint ist. Aufschluss hätte hier eine Verschlagwortung in Form eines #hashtags geben könnten. Da sich der Autor jedoch offensichtlich beim Verfassen dieses Tweets in größter Extase – in welcher Form auch immer – befand, blieb hierfür kein Platz: 137 Zeichen lang ist dieser Tweet. Keine Erklärung, sei sie auch noch so kurz, hätte in die verbliebenen drei noch verfügbaren Zeichen gepasst, zumal noch je eines für das trennende Leerzeichen sowie für das das Hashtag ankündigende Rautenzeichen hätten verwendet werden müssen.

Bleibt uns als Erklärungsansatz zuletzt nur noch ein Klick auf den Link im Profil des Autors. Dieser verweist auf ein Weblog namens „Die Welt ist Scheisse – eine Frage oder die Antwort?“ Die Antwort auf unsere eingangs gestellten Fragen finden wir zwar auch nicht auf dieser Internetseite, eine gewisse Affinität zum Fäkalen lässt sich jedoch mit Blick auf den Titel ausmachen.

Verlierer ist in diesem Falle – wie leider so oft – der Leser dieses Tweets, der ratlos zurückgelassen wird. Gewinner ist – wie so selten – Twitkrit.de, denn die Schlagworte #Ficken oder #Scheiße werden uns dank verirrter Suchmaschinenbenutzer zahlreiche neue Besucher in die Arme treiben, die ich auf diesem Wege herzlich willkommen heiße im Fachblog für Twitteratur.

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Haltlos

UPDATE: Bevor ich mich hier dem aktuellen Twitkrit widme, sei noch auf darauf hingewiesen, dass dieser etwas ältere Twitkrit mittlerweile auf Winterzeit umgestellt wurde:
martha
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Doch halt! Kommen wir lieber zu etwas ganz anderem: Zum Halten. Ganz plötzlich, Vollbremsung!

martha2
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Man denkt sich: klar, da spielt der @marthadear halt das Wort „Halten“ einen Streich. Aber halt. Erst durch das „durch“ wird „Halten“ zur labyrinthischen Durchhalteparole. Wortspiele wie diese machen vor keiner Verwirrung halt und bestechen durch ihre absolute Durchheit. Ja, auch wir halten das für zermürbend. Es ist uns aber heute zu kalt, das zu durchdenken. Bis bald.

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Notfalltwittern

down
OMG!!! OMG!!! Twitter is down! So richtig! Mindestens eine Stunde (und natürlich zu einer Zeit, wo die Twitterini in USA pennen)! Und jetzt?

Ich kann während der gewerkschaftlich festgeschriebenen Twitkritverfasszeit keine Twiktrit verfassen, weil ich nicht auf Tweets zugreifen kann. Deshalb heute nur in aller Kürze der Hinweis auf Abhilfe in schweren Zeiten:

Zum Glück bietet einer draußen im Land des Nieselregens Twitterasyl. Auch heute. Danke.

Und damit es nicht ganz so negativ aufstösst, dass ich hier nur gute Freunde promote, die Frage an die Leser: Kennt Ihr weitere Asylgeber (und NICHT Konkurrenzprodukte (über die könnten wir auch mal was machen, Kollegen. (Oder? (War jetzt nur mal so in den Raum gestellt. (Können wir auch intern bei der nächsten Teamsitzung besprechen.)))))? Hinweise bitte in die Kommentare!

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Nachrichtenaussichten: irrelevante Abschnitte und Niedergang

Die neueste Idee der Deutschen Welle: der Nachrichtenbaukasten.
Man nehme die 4 Grundelemente:
dw_tv1
dw_tv2
dw_tv3
dw_tv4
und dann auf zum fröhlichen Nachrichtenbau.

Also ich versuchs mal:
„Aufgrund der Mahnung deutscher Internetuser, daß die Nachrichtenqualität von @dw_tv eine deutliche Eintrübung erfährt, hat der Rundfunkrat als Aufsichtsgremium von @dw_tv erstmal ein Gutachten eines internationalen Beraterstabs angefordert, um endlich einen Durchbruch bei der Nutzung innovativer Web2.0 Techniken zu schaffen“

Ebenfalls sehr lustig ist das Jeopardy2.0 Spiel.
Erst kommt die Aussage, dann muss man die richtige Frage stellen.
Achtung, es geht los:
dw_tv5
Ich glaube, ich habs:
„Auf welchen Pferden reitet man in den heiligen Krieg?“
oder war das aus einem frühen John Wayne Film? Mmh.

Ach egal. Ich finde diesen spielerischen Nachrichtenansatz in Twitter super. Auch die 6-fachen Wiederholungen jedes Tweets sind klasse, um sich das alles zu merken. Und ich denke, daß @dw_tv damit dem Auftrag ein umfassendes Bild der Bundesrepublik im Ausland zu vermitteln total gerecht wird.

Aber wie schon mein Internetpsychologe immer sagt:
„Wer keinen Link hat, der hat auch kein Zuhause“.
Also wer weiß schon, wer @dw_tv wirklich ist, ausser einem Twitterfeed.
In jeden Fall: irrelevant.

Ich verbleibe daher mit:
dw_tv6

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Gute Nacht, Ihr Schnuffis!

Texte serieller und repetitiver Art sind eine beliebte Spielart des Literatur- und Kulturschaffens. Seien es Fortsetzungsromane, TV-Serien, Running Gags in der Comedy oder eben in dieser hippen Zeit des Webzwonull: Serien-Tweets. Eine dieser wunderbaren Zwitscher-Serien ist seit einigen Monaten im Twitterstrom von @isabo zu bewundern. Des nachts verabschiedet sie sich von ihren Followern mit einem meist liebevollen, manchmal auch spöttischen «Gute Nacht, Ihr …» (zum Beispiel) «…Schnuffis»:

isabo_1

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Die Kontinuität der Serie liegt im strukturgebenden «Gute Nacht, Ihr …», das bis auf wenige Ausnahmen auch den Anfang der Gute-Nacht-Tweets bildet. In ganz, ganz seltenen Fällen weicht isabo_ von der strengen Form ab und stellt dem Nachtgruß noch eine Botschaft voran, wie etwa in diesem Tweet:

isabo_2

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Betrachten wir uns die gewählten Kosenamen mit denen isabo_ ihre Followerschaft in die Nacht entlässt, lassen sich – jenseits der scheinbar wahllos ersonnenen Bezeichnungen – gewisse Beobachtungen anstellen. Sehen wir uns dazu zunächst einmal an, welches die Night-Tweets der vergangenen Nächte waren. Da gab es etwa zu lesen:

  • Gute Nacht, Ihr Brötchen!
  • Gute Nacht, Ihr Spechte!
  • Gute Nacht, Ihr Spielkinder!
  • Gute Nacht, Ihr Lachsäcke!
  • Gute Nacht, Ihr Mäuse! (Morgen wird alles gut. Oder spätestens am Dienstag.)
  • Gute Nacht, Ihr Strategen!
  • Gute Nacht, Ihr Nervensägen!
  • Gute Nacht, Ihr Floristen!
  • Gute Nacht, Ihr Schnuffis. Morgen wird alles anders.
  • Gute Nacht, Ihr Nasen.
  • Gute Nacht, Ihr Mäuse!
  • Gute Nacht, Ihr Landratten!
  • Gute Nacht, Ihr Turteltauben!

Wer die Nachtvariationen isabo_’scher Prägung weiter zurückverfolgen möchte, dem sei die Twittersuche ans Herz gelegt. Es lohnt sich, weil es dort noch so Sonderbares und Erstaunliches wie «Gute Nacht, Ihr Knutscher und Pupser!» zu entdecken gibt.

Auffällig ist das häufige Vorkommen von Tiernamen, das sich jedoch mit der Tatsache erklären lässt, dass Tiere gerne für Kosenamen gewählt werden. Da macht die Serientweet-Autorin keine Ausnahme. Auch surreal Anmutendes ist dabei, hier seien nur die Brötchen genannt. Wir dürfen vermuten, dass die Autorin ihren Assoziationen freien, nächtlichen Lauf lässt. Ohne Kenntnis des jeweiligen Assoziationskontextes werden sich die Gute-Nachts-Tweets gewiss nicht in jedem Fall erschließen lassen. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Lesenswert sind sie allemal. Wem grundsätzlich das Verständnis für diese Art der Serien-Tweets fehlt, sei zum Abschluss noch einmal mit diesem Gute-Nacht-Gruß konfrontiert:

isabo_3

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Die Magnum-Tweets

Das wirklich wahre Leben findet nicht im Internet, sondern auf der Straße statt. Dies war bereits lange vor der Erfindung des weltweiten Netzes der Fall. Im Jahre 1947 schlossen sich die berühmten Photographen Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David „Chim“ Seymour und George Rodger bei einer großen Flasche Champagner zur Agentur Magnum Photo zusammen. Die Kooperative humanistisch gesinnter Photographen zeigte in ihren Bildern die Welt, so wie sie war – und das bereits sechzig Jahre vor der Erfindung von Twitter. Sie konnten „Bilder über alles und jeden machen, und die Magazine rissen sich darum“.

Heute haben 140-Zeichen-lange Textnachrichten die grobgekörnten Schwarzweißbilder längst abgelöst – einzig mit dem Unterschied, dass statt Champagner nun Bier aus der Flasche gereicht wird, und die legendären Leicas durch iPhones ersetzt wurden. In Zeiten der Medienkrise reißt sich auch kein Magazin um Tweets, aber Ruhm und Ehre – welche kostenlos und nahezu unbegrenzt verfügbar sind – gibt es für gezwitscherte Reportagen von der Straße natürlich auch.

So ließ uns gestern @holadiho an seiner ereignisreichen U-Bahn-Fahrt teilhaben. Trotz aller gebotenen Neutralität, ist es schön, wenn sich Journalisten einer Sache nicht nur mit professionellem Interesse, sondern mit begeisterter Neugier annehmen:

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Wie es sich für einen richtigen Twitter-Reporter gehört, wird das nähere Umfeld genau beobachtet. Selbstverständlich spielt dabei auch der wertende Kommentar eine Rolle. Dass Worte eine Waffe sind, wusste nicht nur Kollege Kurt Tucholsky:

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@holadiho ist sich natürlich der Bedeutung seines Weges gewiss. Zielstrebigkeit zeichnet den Reporter aus:

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Totes Holz ist zwar längst überholt, aber man muss mit den Kollegen aus den alten Medien schonend umgehen. Sie haben es heutzutage schwer genug, außerdem sieht man sich immer zweimal im Leben. Dass selbst die Zeitung von heute die Neuigkeiten von gestern bringt, braucht da gar nicht gesondert betont zu werden:

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Aber als engagierter Reporter muss man auch Opfer bringen. So sind Rückschläge bei der Recherche unausweichlich:

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Einen Fehler zu machen, ist nicht so schlimm. Wichtig ist, dass er rechtzeitig erkannt und behoben wird:

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Eindrucksvolle Bilder vom Ort des Geschehens ergänzen das geschriebene Wort perfekt:

[Link zum Original-twitpic], das Bild wurde von der Redaktion leicht nachbearbeitet und dem Magnum-Stil nachempfunden.

@holadiho lässt sich von kleineren Widrigkeiten nicht abschrecken und steigt tiefer in die Recherche ein. Was für Günter Wallraff die Bild, das Stahlwerk oder das Call-Center waren, sind für ihn die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Keine Mühen scheut unser Mann an der Front, um die Machenschaften der gewissenlosen Fahrkartenkontrolleure schonungslos aufzudecken.

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Wer sich hinter Herrn 89108 verbirgt konnte bislang noch nicht abschließend geklärt werden. Nachdem @holadiho aber in der Vergangenheit bereits die Identitäten der hinter den Decknamen IM Notar und Paolo Pinkel stehenden Personen zweifelsfrei ans Tageslicht gebracht hat, dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch das Rätsel um Herrn 89108 gelöst wird.

Schonungslos enttarnt der verdeckte Reporter, wie die BVG verirrte und hilflose Menschen nicht nur auf kaltblütigste Art und Weise finanziell ausnimmt, sondern sie auch noch psychisch erniedrigt:

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Von derart aufopferungsvoller Racheretätigkeit erholt, wird @holadiho demnächst den Henri-Nannen-Preis, den Thedor-Wolff-Preis, den Wächterpreis der deutschen Tagespresse, den Pulitzer-Preis und den Journalistenpreis Bahnhof in Empfang nehmen dürfen. Twitkrit meint: das hat er sich verdient.

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