Texte serieller und repetitiver Art sind eine beliebte Spielart des Literatur- und Kulturschaffens. Seien es Fortsetzungsromane, TV-Serien, Running Gags in der Comedy oder eben in dieser hippen Zeit des Webzwonull: Serien-Tweets. Eine dieser wunderbaren Zwitscher-Serien ist seit einigen Monaten im Twitterstrom von @isabo zu bewundern. Des nachts verabschiedet sie sich von ihren Followern mit einem meist liebevollen, manchmal auch spöttischen «Gute Nacht, Ihr …» (zum Beispiel) «…Schnuffis»:

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Die Kontinuität der Serie liegt im strukturgebenden «Gute Nacht, Ihr …», das bis auf wenige Ausnahmen auch den Anfang der Gute-Nacht-Tweets bildet. In ganz, ganz seltenen Fällen weicht isabo_ von der strengen Form ab und stellt dem Nachtgruß noch eine Botschaft voran, wie etwa in diesem Tweet:

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Betrachten wir uns die gewählten Kosenamen mit denen isabo_ ihre Followerschaft in die Nacht entlässt, lassen sich – jenseits der scheinbar wahllos ersonnenen Bezeichnungen – gewisse Beobachtungen anstellen. Sehen wir uns dazu zunächst einmal an, welches die Night-Tweets der vergangenen Nächte waren. Da gab es etwa zu lesen:

  • Gute Nacht, Ihr Brötchen!
  • Gute Nacht, Ihr Spechte!
  • Gute Nacht, Ihr Spielkinder!
  • Gute Nacht, Ihr Lachsäcke!
  • Gute Nacht, Ihr Mäuse! (Morgen wird alles gut. Oder spätestens am Dienstag.)
  • Gute Nacht, Ihr Strategen!
  • Gute Nacht, Ihr Nervensägen!
  • Gute Nacht, Ihr Floristen!
  • Gute Nacht, Ihr Schnuffis. Morgen wird alles anders.
  • Gute Nacht, Ihr Nasen.
  • Gute Nacht, Ihr Mäuse!
  • Gute Nacht, Ihr Landratten!
  • Gute Nacht, Ihr Turteltauben!

Wer die Nachtvariationen isabo_’scher Prägung weiter zurückverfolgen möchte, dem sei die Twittersuche ans Herz gelegt. Es lohnt sich, weil es dort noch so Sonderbares und Erstaunliches wie «Gute Nacht, Ihr Knutscher und Pupser!» zu entdecken gibt.

Auffällig ist das häufige Vorkommen von Tiernamen, das sich jedoch mit der Tatsache erklären lässt, dass Tiere gerne für Kosenamen gewählt werden. Da macht die Serientweet-Autorin keine Ausnahme. Auch surreal Anmutendes ist dabei, hier seien nur die Brötchen genannt. Wir dürfen vermuten, dass die Autorin ihren Assoziationen freien, nächtlichen Lauf lässt. Ohne Kenntnis des jeweiligen Assoziationskontextes werden sich die Gute-Nachts-Tweets gewiss nicht in jedem Fall erschließen lassen. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Lesenswert sind sie allemal. Wem grundsätzlich das Verständnis für diese Art der Serien-Tweets fehlt, sei zum Abschluss noch einmal mit diesem Gute-Nacht-Gruß konfrontiert:

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

giardino

Der Beste fehlt: „Gute Nacht, ihr gottverdammten Dreckshasen!“.

Gepostet von giardino am 15. November 2008 um 01:23.
textundblog

Da gibt es noch Einiges zu entdecken. Sowohl im bisherigen Textfundus, als auch im kommenden. ;-)

Gepostet von textundblog am 15. November 2008 um 01:37.