Fortsetzungstweet
Das interessanteste an 140 Zeichen kann meist nur das sein, was eben nicht darin steht. 140 Zeichen reichen oft nur für einen Stups in eine assoziative Richtung. Aber dieser Stups reicht ja meistens für einen ganzen Roman, der sich dann aber nicht mehr bei Twitter, sondern im Kopf abspielt. Die Kunst des Twitterns lässt deswegen auch so beschreiben: Man bereite in 140 Zeichen ein Setting, stelle Parameter ein, erstelle die Rahmenhandlung dessen, was sich im Kopf des Lesers abspielen soll. Wobei das angepeilte Feuerwerkt der Synapsen nicht Drehbuchartig durchchoreographiert werden kann, sondern viel mehr einem nur wenig kontrollierbarem, wissenschaftlichem Versuchsaufbau gleicht.
Ja, gute Twitterer sind experimentierfreudige Wissenschaftler, die in ihren Tweets neuronale Substanzen an ihren Probanden (Follower) testen. Ein Tweet kann in Folge dessen den einzelnen für sich erfreuen (fav), zur Antwort provozieren (reply), oder gar in ein allgemeines Mem auswachsen, dass die halbe Twittosphäre mit sich reißt. Meist wird man selber überrascht, was man mit seinem Versuchsaufbau angerichtet hat.
Aber auch wenn die Freude über ein geglücktes Experiment immer wieder groß ist – zugeben, dass es eines war, würde man doch nicht. Gar nicht mal aus Unlauterheit, vielmehr weil es den Zauber der Inszenierung verblassen ließe.
Es sei denn, man geht die Dinge von vorn herein so offensiv an, wie es @booldog hier zeigt:

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