Twitkrit

Talkin‘ bout teh kittiehs

pompom
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Liebe Tiervermittlung,

ich habe einige Wochen damit geliebäugelt, mich hier über die Sprache Eurer Tweets lustig zu machen. Aber andererseits ist das ja ein edles Anliegen, dass Ihr da verfolgt, die armen Tiere an hoffentlich gutmeinende Menschen zu vermitteln. Deshalb ganz im Ernst: Bin ich der perverse Geist, dass mir zu solchen Tweets vor allem Blödsinn einfällt?

sita
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victoria
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Vielleicht ist das ja so eine Art Soziolekt unter Tierfreunden, vielleicht kann über Tiere mit schwerer Kindheit nur so geschrieben werden. In Foren für Eltern ist ja auch alles dutzidutzi und süß und rosahellblau. Wenn es um Schutzbedürftige geht, braucht es wohl eine Sprache, deren möglicherweise peinliche Zweideutigkeit und intelligenzbeleidigende Verniedlichung von den Sprechern komplett ausgeblendet wird. Wenn dem so ist, dann ist es mein Problem. dass ich die Wortwahl Eurer Tweets so schräg finde.
Schwierig wird es für mich desweiteren auch, wenn Viecher außerhalb von Trickfilmen, Comics, Fabeln, Märchen und so weiter zu menschlich werden, wie es im ersten Tweet mit Plomlompom Pompom passiert. Das übertrage ich dann wieder gleich auf alle Meldungen und vergesse schnell, dass Ihr ja über Tiere schreibt, was im folgenden Falle auch eher zur Verwirrung führt:

shasha
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Ich ganz persönlich ziehe es deshalb vor, mich mehr so von einer nüchternen Sprache leiten zu lassen. Da stören dann auch schräge Sprachbilder kaum noch:

familienhund
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Vielleicht hilft aber auch die die Kraft der Bilder beim Vermitteln der herrenlosen Herden:

cat

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Surreale Inkontinenz

mathiasrichel
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Wie es aussieht, wenn die profane Fernsehrealität ins Surreale kippt, konnte man gestern bei der Fernsehpreisverweigerung von Marcel Reich-Ranicki sehen. Der alte Mann und das Fernsehen, frei nach Hemmingway – verweigert die Annahme einer Auszeichnung, was für ihn ansonsten einer Kapitulation vor dem stinkenden Fisch gleichgekommen wäre.

Wie es aussieht, wenn profane Börsenrealität ins Surreale kippt, konnte man die letzten zwei Wochen am „gefühlt drohenden Sozialismus“, beim Schmelzen einer Geysirgrossmacht und dem „ich-sitz-in-der-ersten-Reihe-Streber-hallo-Herr-Lehrer-ich meld-mich-sehen-Sie-das-nicht“ stetig gleichen Satz „FTD.de dokumentiert die Ereignisse der Finanzkrise“ spüren. Gott sei Dank, sind wir seit heute morgen wieder alle gewohnt grün hinter den Ohren.

Nun muss die Bundeskanzlerin zum Frauenarzt. Wieso, frage ich mich, ist das ausgerechnet jetzt einen Tweet wert? Hat unsere Bundeskanzlerin nicht bereits etliche Male vor dutzenden Kameras betont „Die Einlagen sind sicher!!“? Es ist also bereits davon auszugehen, daß kein Tropfen daneben geht. Und zur Vorsorgeuntersuchung sollte man allemal regelmäßig gehen, so wie es heutzutage um die Rente bestellt ist.

Da ist doch nun wirklich nix Surreales dran, @mathiasrichel, oder wollen Sie unserer Kanzlerin Inkontinenz unterstellen?

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Anregend

***** Aktionswoche “Ein Tweet für alle” *****

Ei- rbw
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„fuck wir haben kein ei“ schreibt @rbw – ohne Punkt und Komma. Doch was soll das bedeuten? Lassen Sie es mich Ihnen gleich verraten: Ich weiß es auch nicht.

„Fuck“ bedeutet im Deutschen so viel wie „kopulieren“ oder beschreibt umgangssprachlich einen suboptimalen Zustand. Ein Ei wiederum, so verrät uns ein bekanntes Online-Lexikon, ist ein „frühes Stadium der selbstständigen Fortentwicklung (Ontogenie) eines Tieres“.

Somit ist das Ei also eine Folge der Kopulation. Bleibt gewünschte Entstehung der „schützenden Keimzelle in einer schützenden Schale“ nach einer solchen aus, so könnte man dies durchaus als eine Fehlentwicklung bezeichnen: Fuck!

Freilich sind dies lediglich Mutmaßungen, denn die Autorin überlässt die Interpretation vollständig dem Leser. Die Verwendung eines Schlagwortes, in Tweets überlicherweise durch eine vorangestelltes Rautenzeichen (#) angekündigt, hätte hier Klarheit schaffen können. Präzision in diesem Falle hätte allerdings auch Langeweile bedeutet, was jedoch weder von der Autorin noch vom Leser gewollt sein kann. Schließlich geht es hier um Kunst, ja, um ein Stück bedeutende Twitteratur. Die Reduktion auf das reine Wort, unter Verzicht auf Groß- und Kleinschreibung, Satzzeichen und Schlagworten, wird ganz bewusst als Stilmittel eingesetzt und trägt maßgeblich zur Ästhetik und Mystifizierung dieses Tweets bei, der schlicht und elegant daher kommt.

Wie auch bei anderen, nicht unumstrittenen großen Kunstwerken wie der Fettecke von Joseph Beuys oder der Poème symphonique für 100 Metronome von Györgi Ligeti wird der Rezipient herausgefordert, sich mit dem Werk intensiv auseinanderzusetzen, und sich sein eigenes Bild zu machen. Selten zuvor regten in der Twitteraturgeschichte nur 22 Zeichen die Phantasie so sehr an wie bei diesem Werk. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Twitteraturchefs aller bedeutenden Feuilletons weit auseinandergehende Interpretationen lieferten: vom Fluch über ein unvollkommenes Sonntagsfrühstück über den beklagenswerten Zustand Langeweile, in dem man das in diesen Fällen überlicherweise zu schaukelnde Etwas kläglich vermisst, bis hin zur Ratlosigkeit über die legeunwillige Wollmilchsau und gähnende Leere in des Mutlosen Hose.

Dieser Tweet regt die Phantasie an, und gerade das macht ihn so reizvoll. Künftige Twittergenerationen werden ihn sicher noch in Jahrzehnten immer wieder gern aus ihren Favoritenlisten hervorziehen und sich an ihm erfreuen – genau wie an einer Schallplatte, die mit jedem Hören interessanter wird; ein gelungenes Bild, das einem bei jeder Betrachtung neue Aspekte zeigt oder ein guter Wein, der von Jahr zur Jahr besser wird. Und wenn es irgendwann einen Twitteraturnobelpreis geben wird, so ist dieser Tweet ein ganz heißer Kandidat. Bekanntlich jedoch gehen die heißesten Kandidaten stets leer aus – ein Ei drauf backen können wir ins in diesem Falle jedoch leider nicht.

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Klingelingeling, klingelingeling …

***** Aktionswoche “Ein Tweet für alle” *****

Ei- rbw
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Es sind nicht immer die eloquentesten Sprüche, die sich meme-gleich erfolgreich durch die verschalteten Hirne unserer Informationsgesellschaft bewegen. Es sind oft einfach nur Sprüche mit Ei. Ob „Was war zu erst da…“ oder Olli Kahns berühmtes „Wir brauchen Eier!„, immer war das Ei vor der Henne da und nach ihr sowieso. Dabei ist es doch vielmehr leicht verderblich, aber auch diese Tatsache vermag seinen Ewigkeitsgestus nicht zu beschädigen. Im Gegenteil! Gerade dieses fragiles Sein verschiebt seinen Wert von einer reinen Ontologie hin zu einem stetigen Werden. Die Ewigkeit ist nicht, sie wird. Das Ei ist sein – immer schon – vorübergehender Zeuge.

Das Ei, als Trope der Fruchtbarkeit und des Übergangs ist genau deswegen so wertvoll. So wertvoll und so fragil wie, naja, wie ein rohes Ei eben. Sie bildet somit den allgemeinen Topos, in dem dieser Tweet gelesen werden muss. Vorsichtig, gaaanz vorsichtig und der Zukunft zugewand auf die Hoffnung bezogen.

„Fuck“ dröhnt es deswegen um so lauter in unseren Ohren. Der „Reproductive Act“ als Aufschrei der Verzweiflung, lässt die Timelines erzittern. Uns graust was wir lesen müssen: „wir haben kein ei“! Das meint: „Wir haben keine Zukuft“ und genau deswegen müssen wir ficken!

Wenn ich recherchieren würde, würde ich an dieser Stelle Statistiken verlinken, die zeigen, wie umgekehrt proportional die Häufigkeit von Sex mit positiven Zukuftsaussichten korreliert. Stattdessen werde ich beruhigend auf @rbw einreden: Ei ist nicht. Ei hat man deswegen auch nicht. Ei wird! Und – am Ende – wird Ei gewesen sein! Was wir nicht haben, wird werden und was wird, bleibt Ei!

Und zur Not haben viele Supermärkte heutzutage bis 22:00 Uhr auf.

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Fuck means Poetry

***** Aktionswoche “Ein Tweet für alle” *****

Ei- rbw
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Wenn aus einem beliebigen Text Lyrik wird, dann liegt dies an der Form des Textes. Von gebundener Rede könnte man sprechen, selbst beim freien Vers irgendwie. Zumindest aber verhält es sich so, das Lyrik ist, wo Form den Inhalt trägt.

Das der vorliegende Tweet selbst der Lyrik zugeschrieben werden muss, erschließt sich schon aus dem gekonnt gesetzten Parallelismus zweier Assonanzen, die sich aber erst im Lesen zeigen: fAck wir hAben kEIn EI. a-a und ei-ei.
Lyrik, eigentlich das carmen lyricum, also das gesungene zur Leier vorgetragene Lied, hat einen stark oralen Charakter. Wird dies mit dem dankbaren Helferlein namens englischer Orthographie im Schriftbild versteckt, tritt es aber in der Performanz des Leseaktes umso deutlicher hervor.

Es wird klar, „fuck“ ist der Schlüssel zum Gedicht, was am zweiten Beispiel deutlicher werden soll:

Kümmern wir uns nicht um die Frage nach dem Wesen des Eis im Tweet und in der Welt (ich bin für die Henne), beschränken wir uns auf die klare Feststellung, kein Ei haben ist scheiße. Sonst wäre ja auch das englische Wörtchen „fuck“ der Aussage nicht vorangesetzt.
Diese satzeinleitende Interjektion klärt nicht nur auf der semantischen Ebene darüber auf, wie das im kollektiven „wir“ aufgehende Sprecher-Ich das mangelnde Ei bewertet. Durch die Position vor der Aussage verändert sich auch die Metrik derselben. „wir haben kein ei“ lässt sich in seiner natürlichen Betonungsfolge schwerlich in lyrisches Versmaß bringen. Das Satzsubjekt „wir“ will in seiner Einsilbigkeit betont sein, auch der Stamm des Verbs (hier: „hab“) wird im Deutschen betont. Sicher unbetont bleibt die Flektionsendung des Verbs („-en“). Bei „kein“ und „ei“ tendieren wir zur Betonung des Eis, hier aber kommt es auf den Aussagewert des Satzes an, ob wir uns nicht doch fürs „kein“ entscheiden oder gar beide betonen. Damit ist das Ende einigermaßen frei zu gestalten, während sich der Satzbeginn der Poesie sperrt. Hier hilft das „fuck“. Als expressives Empfindugswort ist es betont zu lesen und drängt so das „wir“ etwas in den Hintergrund, womit „haben“ in seiner natürlichen Betonung gelesen werden kann und der vollständige Tweet mit leichter Anstrengung als dreihebiger Trochäus interpretiert werden kann:
FUCK wir HABen KEIN ei“ legt die Betonung nicht nur aufs schöne Schimpfwort sondern erst recht auf das Nichthaben, auf den Mangel auf den das „fuck“ abzielt.

Eine Ironie der Etymologie übrigens. Denn „fuck“ kommt bekanntlich vom lateinischen „facere“, was nichts allgemeineres als „machen“ bedeutet. Aufs Nichthaben mit Machen reagieren, wenn es um Eier geht, entspricht unserem Wesen als Homo Faber, macht aber eigentlich auch nur im Hühnerstall Sinn.

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Eiertanz

***** Aktionswoche “Ein Tweet für alle” *****

Ei- rbw
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Das Ei. Gemeinhin Symbol des Lebens und doch so vielschichtig in seiner Bedeutung. Eine sehr enge Tweetauslegung deutet hier ebenfalls auf einen Geschlechtsakt hin, welcher in diesem speziellen Fall mangels Ei nicht zu einer Schwangerschaft führen würde. Daher bleibt zunächst festzuhalten, daß im Hause @rbw am 22. September 2008 um 19:20 Uhr kein Leben entstanden ist.

Doch nicht nur das. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch sonst nichts mit Eibeteiligung entstanden ist, ist sehr groß, handelt es sich doch hier um einen eierlosen Haushalt – nicht mal ein Weichei ist anwesend.

Ach du dickes Ei, wie konnte das passieren? Von den ca. 13.000.000.000 Eiern, die in Deutschland jedes Jahr rumeiern, hat an diesem Tag kein einziges seinen Weg zu @rbw gefunden. Dabei muss man keine eierlegende Wollmilchsau sein, um einfach mal dem Eiermann jemandem ordentlich in die Eier zu treten, ihm ein paar Eier in die Hand zu drücken, damit er dann (leider) wie auf Eiern in den Supermarkt gehen kann, um für einen Appel und ein Ei dieses harmlose Hühnerprodukt zu kaufen. Was für ein Eiertanz!

Für die Emanzipation der Frau vom Weichei Eiermann: Mach dich unabhängig! Verwende pro Ei stattdessen 1 EL Sojamehl, vermengt mit 1-2 EL Wasser!

Und jetzt bin ich gespannt auf den Eiertanz der lieben Twitkrit-Kollegen!

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