Wir haben bisher ja kaum Twitpics besprochen. Das liegt natürlich auch daran, dass bei uns kein geübter Bildwissenschaftler angestellt ist ausgebeutet wird. Ich kann also wenig über Bildkomposition oder Ikonographie von Twitpics erzählen. Was ich mir noch zutraue, ist Bild-Text-Scheren zu interpretieren. So etwa die, die @hightatras hier gefunden hat:

hightras
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Nehmen wir also die erste Text-Bild-Schere: Desirée Nick, sich verführerisch im Negliegé auf dem Bett räkelnd, scheint den guten alten Marx zu paraphrasieren. Der Kapitalismus, der sich am Ende selber auffrisst, ist schließlich die Quintessenz jedes ernst zu nehmenden Vulgärmarxismus. Nun wäre es ungerecht zu unterstellen, Desirée Nick wüsste gar nicht wovon sie rede. Zumindest mit Eschatologien sollte sie sich als studierte Theologin auskennen. Und dass sie dumm sei, kann nicht mal der blasierteste Beobachter behaupten ohne rot zu werden.
Sicher, dem klassischen Bild des Intellektuellen entspricht sie weniger und die Tatsache, dass sie bereits 5 Bücher veröffentlicht hat, ist in Zeiten der Bohlenbestseller und Buschido-Autobiographien auch kein Denker-Ausweis mehr. Die offensichtliche Text-Bild-Schere scheint aber dennoch nicht so einfach zu sein, wie man zunächst angenommen hat. @Hightatras hingegen weiß mehr und kommentiert das TwitPic wie folgt:

hightatras
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Spielt er auf Nicks wenig bis gar nicht vorhandenen Berührungsängste mit dem Kommerz an? So dass sie gar Dschungelkönigin wurde? Dass sie sich die kapitalistischen Verwertungssysteme gefügig macht, wie kaum jemand anderes? Ein Profiteur des Systems und jemand, der es verstanden zu haben scheint?

Wie kann, so könnte @Hightatras hier also fragen, das gesellschaftliche Sein der Nick – Glamour, eigene Kosmetik-Serie, Vermarktungslogik des Unterschichtenfernsehens – wie kann ein solches Sein ein marxistisches Bewusstsein befördern?

Vielleicht, aber, ist es ja auch gar nicht so, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt. Vielleicht hat der alte Hegel ja doch recht. Vielleicht befördert gerade das marxistische Bewußtsein der Nick die von ihr betriebene Eskalation des Kommerziellen – als das Sein? Vielleicht hat sie sich bereits von Eschatologien aller Art insgeheim verabschiedet und arbeitet mithilfe der Überbietung des Kapitalismus direkt an seinem Untergang. Mit postmarxistischer Konsequenz ebenso, wie mit ihrer postfeministischer Koketterie, könnte sie immer schon an dem hehren Projekt der Dekonstruktion des Kapitalismus beigetragen haben.

So ist das nun mal, verloren im Deutungsfeld heutiger Medienprofis: Die Nick, die Nick, die hat immer recht!


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Also ich finde: