Twitter ist für viele zu einer Art zweitem zu Hause geworden. Der Ort, in dem man, zumindest auch, so nebenbei rumhängt. Zu dem man während der Einöde der U-Bahn ebenso flüchten kann, wie beim stehen in der Supermarktschlange. Ein zu Hause zum Mitnehmen. Wie Praktisch.

Und wir erleben es jeden Tag wie man sich dort einrichtet. Damit meine ich nicht einfach nur das Hintergundbild, die Schriftfarbe oder Avataricon. Nein, mit einrichten meine ich all die Techniken, die man entwickelt, zum Twittern. Die das Twittern angenehmer, einfacher oder einfach besser, das heißt nicht zu letzt effektiver machen. Techniken, die man gar nicht mal bewusst vollzieht, sondern die sich meistens einschleichen. Die den persönlichen Stil schließlich ausmachen können, aber eben auch die den Informationsgehalt steigern können. Wirklich. Vor Twitter hätte ich nie geahnt, was man alles sagen kann, in 140 Zeichen.

Denn wir alle wissen es längst. Das Haus (grich.= oíkos) ist begrenzt (grich. = nomos, Bezirk, aber auch Gesetz.). Auf 140 Zeichen im Fall von Twitter. Und wie jedes Haus, braucht es deswegen eine Öko-nomie. In diesem Fall eine Ökonomie der Zeichen. Wer schon mal versucht hat, einen komplexen Sachverhalt in einem Tweet zu erklären, der weiß wovon ich spreche.

Wir kennen derlei Beispiele viele: „und“ wird zu „&“, voran stehende Artikel werden mit „d.“ abgekürzt. Dazu kommen die schon lange in Chats oder SMS entwickelten und erprobten Abkürzungen: „wtf“, „omg“ und natürlich das @, dass tatsächlich von den Twitter-usern eingeführt wurde und erst nachträglich seinen institutionellen Weg in den Herz des Dienstes fand.

Aber tun wir nicht so, als wäre das alles neu. Die Sprache selber ist immer schon einer Ökomomie unterzogen gewesen. Weil Sprache immer im Raum und/oder der Zeit operierte, war das Haus schon immer begrenzt. Dabei muss man zugestehen, dass die ikonographischen (oder ideogrammatisch) Schriften unserer phonetischen in Sachen Ökomomie seit jeher überlegen sind. Statt eines Begriffes mit vielen Buchstaben, reicht ein einzelnes Zeichen. Schwierig werden aber abstrakte Sachverhalte, weil die sich schwer bildlich erfassen lassen. Das wird wohl der Grund sein, warum die Hieroglyphen nicht überlebt haben. Wohl aber die chinesischen Schriftzeichen. Diese aus ikonographischen Grundelementen zusammengebastelte Schriftart wird bisweilen mit allerlei Strichelchen hier und Strichelchen dort aufgemotzt, und kann ganze Romane auf ein Blatt Papier unterbringen und dabei die abstrakten Sachverhalte ebenso gut bezeichnen wie unser Alphabet.

Aber auch im Westen machte man sich daran, piktogrammatische Schriften zu entwickeln. Otto Neurath, eigentlich Philosoph, hat mit seinem D’œuvre weniger die Philosophie, als vielmehr die (Not-)Ausgangs- und Toilettenschilder, sowie die Piktogramme der Sportarten bei Olypischen Spielen geprägt. Überall wo Informationen in einem Blick erfasst werden müssen und wo sie möglichst Sprachunabhängig funktionieren sollen, kommen diese Icons zum tragen. Nicht zu letzt auf unseren Computerdesktops finden sich Icons zu einer, ich würde sagen, halb künstlich, halb natürlich entstehenden Sprache zusammen, die dereinst vielleicht mit den Hieroglyphen verglichen werden wird.

Seit dem triumphalen Einzug von Unicode in das Web, eröffnen sich die Grenzen des Hauses entlang von bis zu 21 Bit, statt der bisherigen 7 von ASCII. Diese Möglichkeiten sind toll für die Chinesen, die sich nun nicht mehr nur in Pinyin abmühen müssen. Selten aber wird in unseren Kulturkreisen von den neuen Möglichkeiten wirklich gebrauch gemacht. Das Grundstück mag jetzt größer sein. Wir aber verbleiben als Stubenhocker trotzdem aus Bequemlichkeit meist im alten ASCII-Haus.

Das muss doch nicht sein, dachte sich wohl @uvmann und zeigt uns, wie er mit Hilfe dieser Tabelle (auch von uns nochmal danke, @Fraenko), seine Tweetleistung bis ins unermessliche zu steigern vermag.

uvmann
[Link]

Twitkrit als sprachinnovativstes Blog innerhalb des ASCII-Sprachraums begrüßt die neuen Möglichkeiten, und verbleibt: ♥&♕☺.☮!


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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Dentaku

Na 8 Bit haben wir ja auch bisher schon benutzt (äöü anyone?).

Gepostet von Dentaku am 19. September 2008 um 21:04.
mspro

ja, aber das ist dann nicht mehr plain-ascii sondern eine der vielen iso-norm-erweiterungen, die im web immer probleme gemacht hat.

Gepostet von mspro am 20. September 2008 um 15:47.