„Die Welt ist eine Google“. Ich habe das Zitat zum ersten mal aus der Feder Peter Glasers gelesen. Ich fand den Satz so bestechend einfach, zutreffend und genial, dass ich ihn sofort in mein aktives Sprüchereportoire einsortierte, den Namen „Peter Glaser“ natürlich aber immer als Referenz griffbereit vorhielt.

Als Glaser diesen Satz, der sicher zu dieser Zeit frei durch die Netzwelt geisterte, in einem Artikel las, sich daraufhin wegen der fehlenden Referenz beim Autor beschwerte und den Emailwechsel dann bloggte, gab es einen riesen Aufschrei.

Der Satz sei doch extrem nahe liegend, er liege so zu sagen auf der Hand, wird dort immerwährend angeführt. Zu meinem Erstaunen wurde dies aber nicht als Ausdruck seiner Qualität gewertet, sondern als angeblicher „Beweis“ seiner geringen Schöpfungshöhe. Nach intensivem Suchen wurde der Satz auch schon vor Glasers erster Veröffentlichung ergooglet, als Quasibweis seiner Unoriginalität.

Nun will ich den Streit nicht wieder hochkochen. Aber die Argumentation ist schon erstaunlich. Wenn ich einen Satz, einen Kommentar abgebe, der wie Faust aufs Auge passt, den Nagel auf den Kopf trifft, dann muss der Satz nahe liegen. Dann muss er all das ausdrücken, was den anderen auf der Zunge lag. Dann muss er den Punkt landen, den wir anderen nur umkreisen. Das ist die große Kunst.

Die andere ist es, diesen Satz als genau das zu erkennen. Den in diesem Satz aufgespießten Sachverhalt in Stellung zu bringen, ihn zu wiederholen und ihm eine Prominenz im eigenen Geschriebenen zu sichern, auf das er sich verbreite, sich festsetze, um überall verfügbar zu sein.

Das tat Peter Glaser als einziger, unabhängig davon, wer er sonst noch auf die gleiche Idee kam. Und er tat es gut. Ich persönlich glaube deswegen zwingend, dass die weite Verbreitung des Satzes im Netz vor allem, ja beinahe ausschließlich, auf seine Kreation zurückgeht und ich halte seine Mail an Marco Dettweiler genau deswegen für berechtigt. Etwas kleinlich, etwas eitel, aber berechtigt.

Nun twittert Peter Glaser leider nicht, was m.E. schade für uns alle ist. Aber, und hier ist der Schwenk: Twitter ist genau das Medium für solch treffende und im besten Sinne nahe liegenden Äußerungen. Die Konzentration auf Prägnanz durch die 140-Zeichenbeschränkung hat uns schon viele solche Beispiele beschert und am Montag war es wieder so weit:

sixtus
[Link]

Das ist nicht irgendein Tweet zu den Vorgängen in der SPD. Davon gab es so viele, davon gab es auch witzige. Das hier aber ist der Tweet. Und ich war sicher nicht der einzige, der vor seiner Timeline saß, die Augen tränten noch vom Lachen, und sich fragte: „Warum – verdammt noch mal! – bin ich da nicht drauf gekommen?“ Ja. Warum nicht? Es liegt auf der Hand. Es liegt in der Luft. Es war so klar. Der Tweet war so klar und ersichtlich, so zwingend. Er hing auf der Zunge, aber er wollte nicht raus. Nur bei einem hat es geklappt und mir, wie den anderen fiel es wie Schuppen von den Augen. Und sie/ich favten, was sie/ich selber nicht twittern konnten. Favrd zählt 14 Favs! Das dürfte absoluter Rekord bei einem deutschsprachigen Tweet sein.
favrd

Und deswegen haben wir das @sixtus anzuerkennen und auch zuzurechnen. Gerade weil es auf der Hand lag, aber er es war, der es gebracht hat.


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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Dentaku

Es sind sogar (mindestens) 15, weil auch ich vorgestern den kleinen gelben Stern gedrückt habe, von Favrd aber nicht gefunden werde (Skandal!).

Gepostet von Dentaku am 10. September 2008 um 16:51.
mspro

@Dentaku Du musst dich bei Favrd anmelden, damit deine Favs ausgewertet werden.

@absonderland Chapeau! Leider machst Du meine Argumentation kaputt. Aber es sei Dir gegönnt. ;)

Gepostet von mspro am 10. September 2008 um 17:12.
Huck

Und die Frage ist ja, warum hat es damals, als die Geschichte mit dem Wiesbadener Punk aktuell war, keiner gebracht. Da hätte der Maximo Lider aus Bergzabern aber blöd aus der Wäsche gekukkt.

Gepostet von Huck am 10. September 2008 um 17:58.
siggi

Entzückend! Als gelerntem Philosophen oder so ist Dir dieses ungewollte Experiment aus dem Aufmerksamkeitsökonomielabor bestimmt mehr wert als ein Upsi, ja?

Gepostet von siggi am 10. September 2008 um 23:06.
mspro

Siggi, Du hast mich durchschaut! (hihi)

Gepostet von mspro am 11. September 2008 um 12:59.
siggi

Püühh… da bin ich ja beruhigt. ;-) Iss aber auch zu verlockend, gelle? Bleibt nur zu beobachten ob die Personalunion aus Versuchsleiter und Versuchsperson nicht zu irgendwelchen Rationalisierungen führt. Ich hol schon mal die soziologischen Paprikachips raus. ;-)

Gepostet von siggi am 11. September 2008 um 14:08.
Dagger

Und wo bin ich? hab ihn auch gefaved!

Gepostet von Dagger am 11. September 2008 um 20:40.