Twitkrit

Anale Innenarchitektur

feng shui
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Wie soll ich mir das denn wieder vorstellen?

Wind und Wasser mein Popo. Statt charmin’ Danke die Rosette mit dem Kärcher putzen?

Oder ist das Gesäß eine Wohnung, die so gestaltet werden soll, dass der Drache fliegen kann (keine Flatulenzwitze jetzt)? Mal den Arsch so einrichten, dass das Qi frei fließt? Ob da ein Dammschnitt förderlich ist? Wie verhält sich die Leere nach dem Einlauf zur Fünf-Elemente-Lehre?
Sind Hämorriden die Yucca-Palmen des Hinterteils?

Wahrscheinlich habe ich wieder überinterpretiert. Wahrscheinlich soll dieser Tweet die Enttäuschung über Feng Shui ausdrücken. Vielleicht, weil es in Liebesdingen nicht funktioniert hat. Dabei sollte das eigentlich ganz einfach sein. Denn, wer seine Pfirsichblüte kennt, kann dank Feng Shui die Liebe stärken. Das geht ganz einfach: Man muss nur das Pfirsichblütentier aktivieren, indem man Blumen in die Himmelsrichtung des Viehs stellt. Noch wichtig: Die Türe sollte danach offen bleiben. Aber:
Die Blumen gehören in eine Vase, nicht in die Pofalte.

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Die Faltung der CSU

Was für ein Wochenende. Ich warte auf einen Artikel, in dem Verschwörungsparanoide wissen wollen, daß sich der Teilchenbeschleuniger in der Hand radikaler Grüner befindet, die ein schwarzes Loch erzeugt haben, in dem die CSU, der FC Bayern und der Kapitalismus verschwunden sind.

Doch wir wollen uns heute mit einer anderen Art der Analyse des Wochenendes beschäftigen. @kaltmamsell, soweit ich mich erinnern kann, selbst ein Geschöpf Bayerns, liefert uns eine Vorlage, die wir naturwissenschaftlich untersuchen wollen – in der Hoffnung Antworten zu finden.

kaltmamsell
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Also. Unser aller Wikipedia sagt uns: “Die Alpen sind ein Deckengebirge mit starken Faltungszonen.” Aha, die Alpen wurden also tatsächlich zusammengefaltet. Genauso wie die CSU. Aber können wir aus den gefalteten Alpen noch mehr zum Wahlergebnis lesen? Schaun’ mer mal.

Vernachlässigt man, daß die Zugspitze als höchster deutscher Berg der Alpen mit 2.962 m lediglich ein Wahlergebnis von 29,6 % versprechen würde (da hatte es sich die CSU wohl in der Vergangenheit sowieso lieber in den französischen und italienischen Alpen gemütlich gemacht) – haben wir durch unsere naturwissenschaftlichen Nachforschungen herausgefunden, daß ein Gipfel in den Alpen laut UIAA-Definition erst ab einer Schartenhöhe von 30 m als eigenständig gilt. Und an diesem Punkt kommen wir der Sache langsam näher:

Um nämlich einen Gipfel als eigenständigen Berg zu klassifizieren (welcher die CSU wohl gerne sein will), werden Mindest-Schartenhöhen von 100 m oder (nach anderen Quellen) von 300 m vorgegeben. Doch was genau ist eine Schartenhöhe? Unter der Schartenhöhe (auch als Prominenz!!!!!!! oder Schartentiefe bezeichnet) versteht man in der Geographie die Höhendifferenz zwischen einem Berggipfel und der höchstgelegenen Einschartung, bis zu der man mindestens absteigen muss, um einen höheren Gipfel zu erreichen. AHA!!

Und die Zugspitze, liebe Leser, hat eine Schartenhöhe – oder auch Prominenz(falltiefe) – von: 1746m – was dem Verlust von 17, 3 Prozentpunkten erstaunlich nahe kommt.

Was also ist am Wochenende passiert? Die CSU ist klammheimlich aus ihren selbstgefalteten Alpen vom französischen Gipfel vertrieben worden (zu Recht) und dann auf dem lederhosenbesetzten Hintern die Prominenz der Zugspitze runtergerutscht. Das tut weh – und zwar in jeder Falte.

Um also irgendwann wieder einen höheren Gipfel erklimmen zu können, der als eigenständiger Berg gilt, braucht es diese Prominenz. Schade, liebe CSU. Die Zugspitze ist bereits der höchste deutsche Berg. Es scheint, die Alpen sind ein Koalitionsgebirge – mit vielen grünen Tälern, einer stechend gelben Sonne am Himmel und üppigen roten Klatschmohnwiesen. Falsch gefaltet – oder sind über die Zeit nur zu viele Eselsohren entstanden?

Immer wieder erstaunlich, was die Natur alles an Erklärungen zu bieten hat.

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Der westliche Warenfetischismus

Diese Tweetkritik, über die wir gestern in der Redaktion so heftig diskutierten, dass wir gar nicht dazukamen, selbst eine Kritik zu verfassen, ist der zweite Gastbeitrag von @baranek, der nach eigenen Angaben “das Web vollmacht”, sich mit so disparaten Themen wie Gastronomie, Spanien und Lokaljournalismus beschäftigt und als Nicht-Schwabe in Stuttgart lebt. Offensichtlich beschäftigt ihn auch die Sexualität.

Der Sexualisierung von Objekten des täglichen Bedarfs begegnet man in Twitterwelt ja allerorten. Egal ob Apple-Adepten oder Google-Geile: sehr viele sind damit beschäftigt, ihr iPhone zu lieben oder mit Chrome auf dem Schirm sehr hart zu werden. Ein besonderes Beispiel für diese Art der Ersatzbefriedigung lieferte jüngst Katharina Borchert, der sich ja eigentlich als Chefin der Nachrichtenschleuder Der Westen genug Möglichkeiten bieten, sich im realen Leben auszutoben. Ein paar knackige und obendrein schlaue Jungs sind doch in der Redaktion bestimmt dabei. Nun schrieb Frau Borchert allerdings folgendes

blackberry
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Sehen nur wir Altersgeile hier eine ganze Flut unerfüllter erotischer Wünsche durchscheinen oder ist sich Frau Borchert des innewohnenden Sinns nicht klar? Vermutlich doch. Zum einen ist sie sicher eine intelligente Frau und zum anderen ist das ironisierende Emoticon am Ende des Tweet mehr als deutlich. Die Frau weiß also, was sie sagt.

Umso erhellender daher der Inhalt, der zunächst vom technischen Versagen eines Telekommunikationapparates berichtet. Dieser habe eines Nachts den Geist aufgegeben. Daran ist an sich noch nichts bemerkenswertes feststellbar – Scheiße passiert halt. Allerdings lässt die Wertung dieses harmlosen Vorgangs als “Terror” schon einige Besorgnis erregende Rückschlüsse auf die tiefenpsychologische Konstitution zu. Es wird eine gewisse Abhängigkeit von der Maschine deutlich…

Auch die zweite Information ist an sich völlig neutral: Frau Borchert hätte gerne einen “Bold”, also das neueste Modell aus dem Hause Blackberry, der ja als DAS Gegenstück zum regelmäßig Verzückungen hervorrufenden Konkurrenzprodukt aus dem Hause Apple gilt. Zur Info: Dieses Gerät kommt in schwarzem Design daher. Warum bezeichnet Frau Borchert das jetzt aber als stark? Der letzte Satz löst das Rätsel: Das macht Frauen glücklich!

Jetzt allerdings liegt ein ganzer Berg von Zweideutigkeiten, verwinkelten Konnotationen, absichtlich angetippten und sehr verwerflichen Vorurteilen – “Schwarze haben einen längeren Schwanz und ficken deshalb besser!” – sowie brach liegender Frustrationen vor dem subtextsensiblen Leser. Eigentlich haben wir keine Lust, diesen Haufen gefährlichen Materials vollständig abzutragen und in seine Bestandteile zu zerlegen. Dieses schöne Beispiel für den westlichen Warenfetischismus spricht einfach für sich. Glückwunsch, Frau Borchert!

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“Wer hat die denn eingeladen?”

In gewisser Hinsicht ist man ja gerne auf Partys. Aber nicht auf allen. Manchmal sind die auch öde, z.B. weil man niemanden kennt, oder nur Langweiler da sind. Man steht dann meist in der Küche rum, weil es immer einen Grund gibt, in der Küche zu sein. Fast alle heißen “Bier”.

Neu ist, dass man auf solchen Partys gar nicht mehr rumsteht, ja nicht mal mehr irgendwie anders präsent ist. (Ja, ich weiß, das ging mit Alkohol auch immer ganz gut, aber mal ehrlich, das ist doch sowas von Millenium) Heute kann man sich ja mit seinen Buddys per Twitter unterhalten. Zu Partys kommt man also nie mehr allein, sondern bringt ne ganze Horde Freunde mit, was ein großer Vorteil sein kann. Man kann dann nämlich per Twitter über den einen oder anderen Patrygast ablästern, seine Abscheu gegenüber der Bowle formulieren und bekommt im besten Fall sogar Zuspruch und fühlt sich nicht ganz so verloren.

Anstatt in Twitter oder Alkohol kann man natürlich auch ganz altmodisch in seinen Phantasien versinken. Dort passieren eh die kaputtesten Sachen. Und erst dann, nach dem Tagträumen, Twitter bemühen. So wie @343max:

max
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Die Bank und der Bulle

In Antonio Tabucchis “Erklärt Pereira” muss der Feuilletonist Pereira bitter erfahren, dass sich Kultur nicht abgekoppelt vom Weltgeschehen abspielt. Twitkrit verzichtet auf diese Erfahrung und schaut über den Tellerrand der Hochkultur und beschäftigt sich heute aus gegebenem Anlass mit dem Wetter:

herbst
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War nur Spaß.
In Wahrheit gibt es Wichtigeres als Wetter:

bank1
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Kursverluste, Pleiten, Konjunkturdellen, das Wetten auf fallende Kurse wird verboten, der Goldpreis schießt in die Höhe. Während noch gar nicht auszumachen ist, was all das für den kleinen Mann und seine Frau bedeutet, stellt sich jetzt schon die Frage des “Was wirst Du tun?” für abertausende Börsianer. Kann ich auf einen neuen Job spekulieren? Wenn ja, um welchen wird es sich handeln? Wie holen wir wieder Rendite? In China investieren? Energiekonzern-Aktien kaufen? Die Kohle in die Pharmaindustrie pumpen? Halt! Welche Kohle? Ist doch alles verbrannt in den vergangenen Tagen, oder?
Aber nein! Der clevere Kapitalist weiß:

bank2
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Und “anderswo” besinnt man sich auf die Geschichte. Nicht unbedingt auf die allererste Aktie, auch nicht auf die Tulpenkrise. Nein, Investitionen lohnen sich in krisenfesten Märkten, auf denen die Akteure eine langjährige Erfahrung im Absichern der eigenen Profite haben. Ich sage nur: Fleisch isst mein Gemüse. Und wünsche @sympatexter viel Erfolg bei ihren Geschäften:

fonds
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Karussellfahren

e_Leni
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Als ich den Tweet das erste Mal las, dachte ich, der armen @e_leni ist jetzt ganz schlecht vom ganzen Karusell fahren. Aber. Es ist ja so, das nur ihren Erwartungen schwindelig ist, nicht @e_leni. Warum? Offensichtlich hat sie sich, längst bevor ihre Erwartungen in den Zustand schwindelerregenden Schraubens gerieten, von ihnen getrennt. Dann ist es naürlich völlig unerheblich, ob sie sich hoch- oder runterschrauben. Ein tragischer Zustand.

Eine Twitterin, die ihre Erwartungen von aussen betrachtet, wie etwas Losgelöstes, als ob die Erwartungen in einem Karussell sitzen, welches sich im Laufe der Zeit nach oben oder unten bewegt. Sie selbst sitzt nur davor und wartet mit einer Kotztüte in der Hand, denn Karussellschwindel erzeugt des Öfteren Übelkeit gröberen Ausmaßes. Wenn die runtergeschraubten schwindeligen Erwartungen nun, möglicherweise auch noch unerfüllt, vom Karussell taumeln, bleibt @e_leni nur eine warme, volle und wahrscheinlich übelriechende Tüte.

Doch was passiert, wenn hochgeschraubte Erwartungen erfüllt, glücklich und vom Schwindel positiv berauscht vom Karussell hüpfen? Wäre es dann nicht doch schöner, selbst auf dem Karussell zu sitzen? Erwartungen-gemäß kommt es schließlich immer auf den Zeitpunkt des richtigen Absprungs an.

PS:
Wenn Dir das jetzt viel zu altklug war, dann mach einfach den Rechner aus und kauf Dir was Schönes.

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