Joschaefers
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Es gibt Tweets, die schillern. Sie lassen uns erinnern an die “Sturm und Drang” Zeit der Aufklärung, als das Theater oft das einzige Medium war, durch das die Könige und Despoten von der „Wahrheit“ erreicht wurden: „Hier nur hören die Großen der Welt, was sie nie oder selten hören – Wahrheit; was sie nie oder selten sehen, sehen sie hier – den Menschen.

@JoSchaefers ist kein Bilanzbuchhalter, kein Controller aus Leidenschaft – dennoch hat er es auf sich genommen, aus einer Software, die eigentlich dem User zu Dienste sein sollte – es aber aus verschiedenen Gründen oft nicht ist – zu entlocken, was der Auftrag war. Faszinierend ist, Software als einen Feind zu begreifen, den es zu besiegen gilt.

Wohin strebt die digitale Welt? Wir betrachten uns längst als aufgeklärte Menschen – doch wer sind die Schillers der Gegenwart, die Rebellen, die das Denken mit den Mitteln der Vernunft von althergebrachten, starren und überholten Softwaresystemen und Lizenzmodellen befreien und Akzeptanz für Open Source und Kollaboration schaffen?

Die Bühne der digitalen Welt ist das Internet, auf der, frei nach Schiller, die scheinbare Möglichkeit einer Verständigung zwischen den absolutistischen Monarchen wie Bill Gates und den Vorkämpfern der Freiheit, ausgetragen wird. Es geht um die Zukunft der Wirtschaft bei Enterprise 2.0, um Interdisziplinarität in Forschung und Lehre an den Universitäten, um die Open Source Bewegung – die nicht mehr versucht zu beherrschen was nicht zu beherrschen ist. Die Tools, die uns dabei zu Dienste sind, sind nicht Excel-Sheets, Word oder Powerpoint – es sind Wikis, Blogs, Twitter, Barcamps, Open Spaces und Open Source Produkte.

Würde man Don Carlos ins Heute übertragen, würde Schiller den Monopolisten Bill Gates nicht nur als den kaltherzigen Alleinherrscher zeigen, den @JoSchaefers vielleicht in ihm sieht und der er auch ist; er wirkt zumindest in vergleichbarem Maße auch als Opfer der in ihren Konventionen erstarrten Softwareindustrie, die Überkommenes um jeden Preis und allein um der Macht willen zu erhalten sucht.

Bill Gates:

JoSchaefers? – Schaefers? – Schaefers? Kann
Ich dieses Menschen mich doch kaum besinnen!
Und zweifach getaggt – ein Beweis,
Daß ich zu großen Zwecken ihn bestimmte!
Und, war es möglich? dieser Mensch entzog
Sich meiner Gegenwart bis jetzt? vermied
Die Augen seines königlichen Schuldners?
Bei Gott, im ganzen Umkreis meiner Software
Der einz’ge Mensch, der meiner nicht bedarf!
Besäß’ er Habsucht oder Ehrbegierde,
Er wäre längst in Redmond erschienen.
Wag’ ich’s mit diesem Sonderling? Wer mich
Entbehren kann, wird Wahrheit für mich haben.

Jo Schaefers:

Wie komm’ ich aber hieher? – Eigensinn
Des launenhaften Cookie wär’ es nur,
Was mir mein Bild in diesen Spiegeln zeigt?
Aus einer Million gerade mich,
Den Unwahrscheinlichsten, ergriff und im
Gedächtnisse von Gates auferweckte?
Ein Zufall nur? Vielleicht auch mehr – und was
Ist ein Cookie anders, als der rohe Stein,
Der Leben annimmt unter Coders Hand?
Den Cookie gibt das Targeting – zum Zwecke
Muß ihn der Mensch gestalten – Was Gates
Mit mir auch wollen mag, gleichviel! – Ich weiß,
Was ich – ich mit Gates soll – und wär’s
Auch eine Feuerglocke Wahrheit nur,
In des Despoten Seele kühn geworfen -
Wie fruchtbar in der Vorsicht Hand! So könnte,
Was erst so grillenhaft mir schien, sehr zweckvoll
Und sehr besonnen sein. Sein oder nicht
Gleichviel! In diesem Glauben will ich handeln.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

miss sophie

applaus applaus!!!

Gepostet von miss sophie am 04. August 2008 um 11:51.
mspro

Grandios!

Gepostet von mspro am 04. August 2008 um 12:03.
miss_z

sehr gelacht. Thumbs up! :-D

Gepostet von miss_z am 04. August 2008 um 13:03.
Markus

Großes Welttheater. Wieder mal ein schöner Twitkrit-Text.

Gepostet von Markus am 04. August 2008 um 14:11.
PickiHH

@miss_sophie @mspro @miss_z @Markus
vielen lieben Dank! Aber was wäre Twitkrit ohne die Twitterer mit ihren ganzen wundervollen Tweets!

Gepostet von PickiHH am 04. August 2008 um 14:23.