Das angenehme Schweigen

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Im Gegensatz zu dem besprochenen Twitterer @tristessedeluxe ist mein Filmwissen eher ein gefährliches, weil halbes Wissen. Dennoch glaube behaupte ich, dass die Szene des Schweigens in Pulp Fiction ein Novum der Filmgeschichte ist. Nicht, dass das erste mal in einem Film geschwiegen wurde, sondern, dass das “unangenehme Schweigen” filmerisch als solches thematisiert wurde.
Wir erinnern uns: Während sich im Hintergrund die Musik dramatisch steigert, sitzen sich Vincent Vega und Mia Wallace gegenüber – und schweigen. Ein unangenehmes Schweigen, ein Schweigen, das wir alle kennen aus diesen Situationen, in denen wir innerlich verzweifelt nach Gesprächsthemen suchen. Ein Schweigen, in dem man am liebsten vom Tisch aufstehen möchte, um zu gehen, nein, um zu fliehen. Denn der Druck erhöht sich mit jeder Sekunde, die Kommunikation fortzusetzen. Aber wie?
Kommunikation muss anschlussfähig sein. Einer der Schlüsselsätze der Systemtheorie ist in solchen Momenten greifbar. Kommunikation giert nach dem Anschluss an neue Kommunikation und dennoch ist es möglich, in kommunikative Sackgassen zu geraten. Ein Thema wurde beendet, ohne dass das nächste sich schon daraus ergab und schon steht man da, in mitten des Nichts und muss von neuem anfangen.
Das unangenehme Schweigen aber gibt es beim Instant Messaging kaum. Denn anders als bei einer Face-to-Face Unterhaltung gibt es nur eine abgemilderte “Präsenz” des anderen, die einen zwingen würde, die Unterhaltung um jeden Preis fortzuführen. Der grüne Punkt bedeutet nur, dass man erreichbar ist, nicht, dass man sich voll und ganz und ausschließlich der Kommunikation mit dem anderen hingeben wird. Das Onlineicon ist eine unverbindlichere, weniger verpflichtende Präsenz.
Und so kann man prima schweigen, Punkt neben Punkt, jeder vor sich hin und alle gemeinsam. Ohne dass es unangenehm wird, ohne dass sich irgendwer verpflichtet fühlt, etwas zu sagen. Und man hat dennoch das gute Gefühl, jederzeit den anderen vollquatschen zu können. Ihn zum Beispiel fragen, wie es ihm geht und was er so macht, wie ihm das Essen geschmeckt hat und wo er gerade ist.
Allein: Das muss man ja gar nicht mehr. Wozu gibt es Twitter?
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Das sagen die Anderen:
Warst du das nicht auch, der mal sagte, wer twittert, benutzt wesentlich weniger seine/n Instant-Messager? Kann ich nur bestätigen.
Gepostet von searchparty am 01. August 2008 um 19:26.Kann sein. Besonders witzig ist die eigene Verwunderung gegenüber Freunden, die einen anchatten und dann Sachen Fragen, die man längst getwittert hat. “Ach ja, der twittert ja gar nicht…”
Gepostet von mspro am 01. August 2008 um 19:32.