Twitkrit

Misunderstandings

Saschalobo
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Es mag merkwürdig erscheinen, am Montag einen wochenendbezogenen Tweet zu twitkritten, doch im Hinblick auf den Besuch von Barack Obama am Donnerstag in Berlin bietet @saschalobo damit all Denjenigen, die sich nicht Obamas “YES, WE CAN” Wahlkampagnenspruch anschliessen möchten, eine gelungene, donnerstagstaugliche, politikfreie Alternative.

Ordentlich genuschelt in die Menge geschrieen wird niemand den Unterschied merken, vorausgesetzt ihr lasst ein “stummes D” im Hals verrecken.

Falls das nicht klappt, auch nicht schlimm. Ein emotional untermauertes, rausgeschleudertes “YES, WE CAN’T” wird insbesondere die, von @Saschalobo prognostizierten, 500.000 Korrespondenten von Spiegel Online freuen, schließlich ist es genau die Aussage die sie, zumindest den deutschen Bloggern, suggerieren wollen. Aber halt, Sascha spricht von Autosuggestion aus Ausweg. Wir sollten alle genau hinhören, was die SpON-Korrespondenten selbst rufen.

Ach egal, am Donnerstag kann man durchaus schon das Weekend herbeirufen und/oder ein herzergreifendes “YES, WE CAN” der Siegessäule entgegenschallern.

Und, liebe Studenten: die kleine Schildchen auf denen dieser Spruch dann steht, bitte in Rot statt Blau. Soviel Copycat muss sein, oder habt ihr etwa nix gelernt von StudiVZ? Dann gibt’s auch bestimmt Pommes satt von McCain.

Ist es nicht herrlich, so unpolitisch zu sein?

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Adoleszenztwittern

Wird das Erwachsenwerden junger Männer in Reclamheftchen thematisiert, dann immer eher problemorientiert. Der junge Werther hatte nicht nur bescheuerte Klamotten in einer unglaublich fdp-esken Farbkombi an, nein, er litt auch so dermaßen an der Welt, der Liebe und seinem Narzissmus, dass er geliehene Pistolen derart gegen sich richtete, dass es lethal wirkte. Holden Caulfield quengelt und flucht sich durch New York und die Vorweihnachtszeit, weil er ein dämlicher Schulversager ist und die anderen Jungs mit den Mädchen pennen, die er gern hätte.
Pubertät ist schwierig, das sei unbestritten, aber muss sie immer tragisch sein? Nun, es geht auch anders.

Die neue literarische Form des Tweets hat uns einen neuen Adoleszenz-Fortsetzungsroman beschert: frankamato.
Dröselt man den Namen des Titelhelden auseinader zeigt sich schon, dass hier ein neuer Typ jugendlicher Held installiert wird. Frank, was soviel bedeutet wie der Freie hat das wunderschöne italienische Partizip II Amato zum Nachnamen, der Geliebte. Derart positiv markiert verwundert auch der Untertitel, der sich als Figurenrede des Titelhelden verstehen lässt, kaum noch: I’m freaking awesome.

Und so zeigen sich in frankamatos Tweets die Freuden, die das Jungmann-Leben so bietet. Er steht auf gute Musik:

frankmaiden
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Natürlich auch darauf:

franksex
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Aber selbst das bei anderen Altersgenossen so verhasste Thema Bildung ruft bei ihm nur positive Gefühle hervor:

frankgermanclass
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Diese Bezugnahme auf das Deutsche in der amerikanischen Jünglings-Geschichte ist eine Art Running-Gag und lohnt sicher noch eingehendere Betrachtungen, wie auch folgender Tweet beweist:

frankbuddy
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Es ist sofort eingängig, dass hier das englische Wort “Buddy” (Kumpel) ortographisch verballhornt wurde, doch ebenso fällt auf, dass es somit in die Nähe des Titels des großen deutschen Familiendramas von Thomas Mann gebracht wird, der während der Nazi-Zeit im amerikanischen Exil lebte. Hier tut sich ein Bezugsfeld mitten im Pubertätsroman auf, das auf weit Höheres zu verweisen scheint.

Natürlich ist die Geschichte des frankamato nicht so platt, als dass eine perfekte Welt vorgegaukelt würde. Bei aller positiven Grundeinstellung zum Leben bleiben die Höhen und Tiefen der Pubertät im Blick und werden auch hier wieder intertextuell eingeleitet:

frankshake
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Spontane Gefühlswallungen werden ins fremde Idiom übersetzt, um damit auch die Verwirrung des Helden zu zeigen:

frankhang
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Allerdings verbirgt sich selbst in dieser extremen Ablehnung eine für Jungmänner der Weltliteratur eher unbekannte Konstante. frankamato ist liiert:

franklover
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Und wir erfahren viel über seine Beziehung:

franklang
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frankfang
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Diese Geschichte ist so erfolgreich, dass sie zu einem Spin-Off geführt hat. Angelas Leben wird ebenfalls in 140 Zeichen literarisiert.

Besonders modern zeigt sich die Geschichte des frankamato trotz dieser heterosexuellen Beziehung in der Frage der eigenen Identitätsfindung auf dem Gebiet der sexuellen Orientierung. Der Leser wird mit plötzlichen Volten konfrontiert:

frankgay
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Um dann in der Offenheit des Textes zurückgelassen zu werden. Denn er muss sich fragen, ob die verspielte Rücknahme dieser Behauptung durch den Helden nun die Angst vor der eigenen Courage war oder den Tatsachen der erzählten Welt entspricht:

frankgayang
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War es wirklich Ang oder kommt bald ein Coming Out? Warum lernt frankamato deutsch? Bleibt er ein so gefestigter grundpositiver Mensch oder beginnt er mit Bowling? Vor allem aber: Bekommt er sein iPhone?
Ich bin gespannt, wie es mit frankamatos Erwachsenwerden weitergeht!

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Fucking Immatrialität!

freval
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Ich denke, wir kennen es alle, das Gefühl, das @freval hier beschreibt. Das heißt, ich kenne es. Und wahrscheinlich kennt es zumindest jeder von Euch Nerds. Eine gewisse Ergriffenheit, die einen überfällt, manchmal bei den banalsten Internetaktivitäten.

Man hält inne und denkt: Wow. Das geht? Ich hatte das letztens bei einer schlichten Googlesuche. Frage – Zack -> Antwort. Wie krass ist das eigentlich? Haben wir das überhaupt begriffen, was für ein Menschheitstraum sich dort materialisiert hat?

Meist überfällt einen dieses Gefühl allerdings bei den wahnwitzigen Neuerungen. Bei der ersten Skype Videokonferenz, der Einführung von Google Streetview oder Mogulus. Tim Pritlove hat das mal mit dem Lichtstrahl verglichen, der aus dem Himmel auf den Highlander fällt, sobald er einen seines gleichen ins Jenseits befördert hat.

Dann gibt es aber auch die stillen Momente. Wenn die Diskussion in den Kommentaren eines Blogposts zu einer kleinen aber gemütlichen Eckkneipe wird. Wenn auf Twitter der eine oder andere Tweet zum schmunzeln zwingt, oder man sich gerade einfach wohlfühlt in seiner Timeline.

Warum also nicht ehrlich sein? Warum nicht mal Gefühle zeigen, einem tollen Medium gegenüber, das noch so viel mehr sein wird, als wir es uns heute vorstellen können.
Warum also nicht das Internet in den Arm nehmen?

Hach. Weil es nicht geht. Verdammt!

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Schwerter zu Pflugscharen

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Als ich den obigen Tweet das erste Mal las, winkte ich ihn ohne Bedenken einfach durch. Armer Allergiker, dachte ich noch bei mir. Doch halt, Moment mal! Hier stimmt doch irgendetwas nicht.

Bibelzitierende Friedensaktivisten machen doch “Schwerter zu Pflugscharen” – also aus etwas Schlechtem etwas Gutes. Aus einer tödlichen Hiebwaffe soll ein hilfreiches Erntegerät gemacht werden, das hat Sinn.  Aber was stattdessen macht @davidhug in seinem Tweet? Er fordert, aus holzigen Pflanzen, die nicht nur positive optische Effekte auf unser Landschaftsbild haben, sondern uns zudem Schatten und Sauerstoff spenden, die Lebensraum für unsere zwitschernden Federfreunde sind und uns Äpfel, Birnen und Kokosnüsse schenken, einfach ein Zuhause für Kohlenstoffdioxidschleudern machen. “Bäume zu Parkhäusern” – abgesehen von statischen Unwägbarkeiten, die dieses Umbauvorhaben mit sich brächte: Wo bleibt die Verantwortung für kommende Generationen, wo doch schon heute Großstadtkinder kaum in der Lage sind, Hochgaragen von Birken, Eschen und Eiben zu unterscheiden?

Bei allem Mitgefühl für den vom Niesen, Jucken und Tränen geplagten Autor – mit seinem Tweet hat er  den Bogen überspannt. Allenfalls könnte man als geneigter Leser Verständnis für den heuschnupfengeplagten @davidhug aufbringen, forderte er die Transformation von für ihn unerträglichen Pollenstreuern in Ruderboote, Wandergitarren oder Laubsägearbeiten. Mehr Stauraum für luftverschmutzende Fortbewegungsmittel – darauf hätte bei gründlicher Überlegung auch unser Autor kommen können – konterkariert sogar das von ihm ursrpünglich angestrebte Ziel der Luftverbesserung. Mehr Parkhäuser werden nur gebaut, wenn es mehr Autos gibt. Und mehr Autos bedeuten mehr Luftverschmutzung und in letzter Konsequenz mehr Asthmaanfälle, die unser Autor doch eigentlich mit dem Rückbau der Botanik zu vermeiden versuchte. Bleibt also abschließend die alles entscheidende Frage: Was bitteschön sind ein paar fröhlich fliegende Pollen gegen dichten, über der Stadt hängenden Smog?

In der Schule hieße es vermutlich: Thema verfehlt, Note sechs, setzen. Wir sagen: Dieser Autor hat ein großes Potential. Leider gelang es ihm in dem besprochenen Tweet noch nicht, dieses auch vollständig zur Entfaltung zu bringen.

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Bekanntmachung: die Twitterlesung

Ohne Titel

Wir haben es auch nicht leicht. Als wir auf die Idee zu Twitkrit kamen, dachten wir lange, den Gipfel der Beklopptheit erklommen zu haben. Von uns selbst als solche definierte 140-Zeichen-Literatur in nicht enden wollenden pseudointellektuellen Texten zu besprechen, wie bekloppt kann man sein? Zu unser aller Überraschung funktioniert das Konzept aber dennoch. Wir finden sogar: gut.

Nur, was dann? Was kann da noch kommen?

Da steht man also, am Rande des Wahnsinns und denkt darüber nach, wie man diesen noch weiter ausfransen kann. Hilflos liest man also in psychiatrischen Gutachten, geht Wahnvorstellung für Wahnvorstellung durch, um sich inspirieren zu lassen. Allein: es half alles nichts.

Gott sei Dank kommt in solchen Momenten ein roter Iro geflogen, der uns vom rechten Weg abbringt: Ja, es war Sascha Lobos Idee, eine Lesung zu veranstalten. Verdammt nochmal: Eine Twitterlesung!

Um es unumwunden zuzugeben: wir waren schockiert. Sascha aber bekniete uns und versicherte, er habe ein “Konzept“. Nach stundenlangem Kopfgeschüttel und etlichen Bieren brachten wir schließlich die schrillenden Alarmglocken gewaltsam zum Verstummen. Wir waren überzeugt.

Und so schuften wir bereits seit ein paar Wochen still und leise im Hintergrund und sehen bereits jetzt am Horizont einen Silberstreifen der Samstagabendunterhaltung vor sich hinglitzern. Ja, es wird funktionieren.

Und:

Hurra! Es gibt eine Twitterlesung!

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the man formerly known as

prinzenrolle
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Ohoh, das klingt aber nach Frust infolge der Emanzipation, nach dem Rumgejammer des Möchtegernalphatiers, dem jefrau die Prinzenrolle abgeschnippelt hat (Entschuldigung, aber ich konnte nicht anders, ist ja nur bildlich gemeint).
Oder?

Jungs, mal ganz ehrlich, wer (der kein Frosch ist) will die Prinzenrolle im Lebenstheater? Weil, was hat mann schon vom ewigen Prinzessinnen vor Drachen retten und aus den Dornen des hundertjährigen Schlafes befreien? Eine blöde Zicke, die wegen einer kleinen Erbse nicht schlafen kann. Ganz großes Herrentennis.

Als Prinz ist mann Teil adeliger Heiratspolitik, mann muss irgendwelche Ischen aus fremden Ländern ehelichen, die die Berater von Papa für geostrategisch empfehlenswert erachten. Klar, es gibt die vielen Mätressen für den Spaß, aber wer nicht gerade seine eigene Kirche gründen und die Exfrauen köpfen lassen will, der hat eben doch die lästige Pflicht der Zwangsheirat auszuhalten. Und alle zerreissen sich das Maul darüber, ob denn alles in Ordnung ist mit der Prinzenrolle, wenn es nicht flugs mit dem Nachwuchs klappt.

Selbst heute, wo Prinzen manchmal Töchter niedrigeren Standes ehelichen dürfen, hat es ein Prinz schwer. Wenn Monaco nicht an diese fiesen Republikaner aus Paris fallen soll, muss der Albert langsam mal ein legitimes Kind an den Start bringen, sonst war er der letzte Prinz vom Steuerparadies. Es ist anstrengend unromantisch, mit diesem Wissen im Hinterkopf auf Brautsuche zu gehen, sag ich euch. Was da für ein psychologischer Druck aufgebaut wird, das ist schier unaushaltbar!
Als Prinz ist mann schnell gefangen im goldenen Käfig. Mann darf keine witzigen Naziuniformen tragen, mann darf nicht im Irak die Freiheit verteidigen, selbst im Vorgarten der Freundin vorbeifliegen ist nicht so gern gesehen. Kurzum, alles was junge Männer heutzutage so machen, ist gestrichen für Prinzen.

Der moderne Mann darf so viele tolle Sachen: Er darf beispielsweise schwul sein, er darf Hausmann sein, er darf den Kriegsdienst verweigern, er darf sich von selbstbewussten Frauen erobern lassen, ohne dass dabei Königreiche zugrunde gehen.
Beim zweiten Hinschauen ist obiger Tweet also Ausdruck immenser Erleichterung darüber, dass sich die möglichen Rollen des Mannes in den vergangenen 40 Jahren so immens vervielfacht haben. Wir können alles sein, Jungs! Hammergeil! Also, locker machen und Wunschrolle annehmen.
Wenn es sein muss, meinetwegen auch die des Prinzen.
Aber dann nennt euch Charles.

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