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Während unser eigener Vorzeigeliteraturwissenschaftler und Großautor Björn Grau nur im Urlaub weilt, haben andere Autoren lebensbedrohlichere Probleme. Vielleicht sind das aber alles nur Ausreden, um sich vor der eigenen Verantwortung zu drücken. Unsere Gastautorin @ms_sophie reflektiert hierzu am eigenen Objekt, äh Leib, äh?
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ms_sophie
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Sososo. Da klaut sich die kleine miss – ihres Zeichens Studentin der Literaturwissenschaft und derzeit an diversen Hausarbeiten sitzend – da klaut sie sich also bloß(!) die Stichwörter aus’m Netz zusammen. Die Stichwörter. Ja nee, is klar… Weiß doch jeder, dass die beiden Reizwörter “Student” und “Internet” in Verbindung mit “klauen” nichts gutes verheißen können. Ganze Agenturen entstehen, um diesem faulen Studentenpack zu Leibe zu rücken und ihnen ihre bequemliche copy&paste-Attitüde höhnisch lachend unter die Nase zu reiben. Professoren verbringen mittlerweile mehr Zeit mit der Lektüre der Google-Ergebnisse anstatt sich um die Hausarbeit selbst zu kümmern. Man kann fast sagen, dass der gemeine Professor hier einer neuen Form der Kollationierung, dem Vergleich eines Textes mit seinen Vorlagen, anheimfällt, ja sogar anheimfallen muss. Und das alles nur, weil diese Jugend von heute nur Schabernack im Sinn hat. Das bisschen Anstand, das ihnen ihre Eltern vor der Pubertät noch schnell beibringen konnten, wurde beim Abiball mit dem letzten Vodka runtergespült und mit diesem falsch verstandenen, modernen Spaß-Hedonismus-Verständnis ersetzt.

Stichwörter… Merkt ihr das rhetorische Geschick, mit dem die kleine miss uns hier hinters Licht führen will? “Stichwörter” klingt so harmlos, irgendwie niedlich. Nach ein bisschen Inspiration, mehr nicht. “Den Rest schreib ich dann schon selbst. Großes Indianerehrenwort!” Mmhmmm. Wer’s glaubt… Sprecht das mal 3x hintereinander laut aus, geehrte Twitkrit-Leser. Martialisch wird es. Es piekst und bohrt. Mit der Klinge in den Text rein. Sie sticht noch ein bisschen tiefer und dann dreht sie die Klinge und rührt wild drin herum. Bis das Gewebe der Sätze nur noch aus losen Fetzen besteht. Bis viele lose Fetzen – ihres Ursprungs scheinbar beraubt – vor ihr liegen. Dann kommt sie mit dem Wissen des Nähunterrichts aus der 4. Klasse daher. Es klappern Nadel und Faden. Ein anderer Text entsteht, von dem wir alle (und der Professor vorneweg) glauben sollen, er sei neu. Nur weil auf den ersten Blick nicht mehr erkennbar ist, wo diese vielen, kleinen Fetzen herkommen. Pah!

Aber sie ist clever, diese kleine miss. Sie ahnt, dass man ihr auf die Schliche kommen könnte. Dass es – und das ist es nunmal!!! – “verwerflich” genannt werden könnte, was sie da treibt. Sie versucht sich (beim Klauen) abzusichern. Verweist auf diesen postmodernen Scheiß und krönt die Äußerung mit dem rhetorischen Kniff par excellence: “#ausreden”. Nachsicht sollen wir üben. Sie weiß ja selbst und sowieso und überhaupt… Immer dieses Geheische um Mitleid. Und dazu noch dieses billige Verstecken hinter irgendwelchen poststrukturalistischen Literaturtheorien. Der Tod des Autors kann dir jetzt auch nicht mehr helfen! Nur weil ein paar “sogenannte Intellektuelle” in den 1960ern die Welt damit verwirren konnten, dass sie alles und jedem, der’s nicht hören wollte, erzählt haben, dass das Subjekt tot sei und alles schonmal dagewesen sei und diese Sache mit dem Genie, dem genialen Ursprung, auch nur Selbstbetrug unserer humanistisch-aufgeklärten Gesellschaft sei und dass der “Schreiber” (wie sie den Autor herablassend betitelt haben) nur ein Knotenpunkt im Gewebe der Zeichen sei. Individuell – ja schon irgendwie (man will ja nicht alles kaputt machen). Aber originell – never ever! So hieß es damalsTM. Und das klingt toll, nicht wahr? Lässt sich so schön instrumentalisieren, wenn’s darum geht, selber ein paar Zeilen zusammenzuschustern.

Aber der Hashtag “#ausreden” trifft es voll ins Schwarze, meine liebe, kleine miss. Eine Ausrede ist es! An dieser Gewebe-Netz-Spuren-Diachronie-These mag ja was dran sein, aber mich kannst du damit nicht täuschen. Und dein Twitter-Publikum erst recht nicht! Stichwörter… Mir fehlen gleich die Worte. Aber noch nicht jetzt: Das ist Faulheit! Pure Faulheit!!!


 
 
 

2 Kommentare zu “Selbstgespräch eines Knotenpunkts im Zeichengewebe”

  1. schuehsch
    29. Juli 2008 um 21:10

    Hach ja, die Postmoderne. Literwaturwissenschaftler haben es aber auch nicht leicht in den Zeiten des Internets.

  2. Oink
    6. Juli 2009 um 17:39

    Ich befürchte fast dieser Text ist ernst gemeint! Natürlich ist es nicht akzeptabel, wieviel Geistesarbeit heutzutage durch billigen Gedankenraub ersetzt wird, doch wegen dieser kurzen Notiz ein solches Geschrei zu veranstalten und auf solch harsche Weise über die Zitierte zu Philosophieren ist unangebracht.
    Zu viel Unterstellung zu wenig wirkliche Analyse, wenn man seinen Blick von den Wolken der Empörung befreit, kann man erkennen, dass unsere Gesellschaft den gut getarnten Raub von Wissen subventioniert.
    Das scheinheilige Auftreten der Zitierten mag lächerlich sein, diese Form von Empörung ist es auch.

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