Wir müssen reden. Alle reden davon.

Gott ist tot (schon ein Weilchen). Ideologien sind gescheitert (angeblich). Die Geschichte ist an ihrem Ende angelangt (oder?). Haben wir damit alle Übermacht abgeworfen? Nein.
Selbst wenn wir unser Schicksal endlich in die eigene Hand nähmen und alle Despoten und Raubtierkapitalisten und andere Unterdrücker entmachteten, es gäbe eine Macht, der wir hilflos ausgeliefert blieben.
Eine Macht, deren Weg ins Museum das ARD-Kulturmagazin ttt dazu verleitet hat, sie in ebenjene oben verwendete Nähe zu Gott, den politischen Wahrheiten und der Geschichte zu bringen: Das Wetter.

Einfach unbezähmbar. Selbst für kleine Prinzen.

Zwar werden die Vorhersagen für die kurze Frist von morgen statistisch gesehen eher präziser (behaupten Meteorologen) und die globalen Langzeitwandlungen sind wohl auch so unangenehm wie eindeutig, aber ansonsten gilt: nichts genaues weiß man nicht. Was hilft denn das Vorabwissen um nasskaltes Regenwetter morgen im grauen Deutschland oder um eine jahrelange Dauerdürre mit verheerenden Waldbränden in Kalifornien? Wird davon die Laune besser? Eben nicht.

So wird folgendes Plädoyer wohl immer ein utopisches bleiben:

wetterdemokratie
[Link]

Wobei die Vorstellung, wir dürften übers Wetter abstimmen, eine grandiose ist.
Bauern gegen Beachvolleyballer, Walker contra Winzer, Förster versus Freibadbetreiber. Oder einigen die sich? Gäbe es freies und gleiches Wahlrecht oder ein Verhältniswahlrecht, dass den wetterabhängigen aber gesellschaftsrelevanten Berufsständen mehr Stimmen einräumt?
Wie sähe eine Koalition aus einem Hochdruckgebiet und einer Kaltfront aus? Gäbe es eine Fünfprozenthürde für Scheißwetter? Welche Rechte hätte die Opposition im meteorlogischen Parlament? Bräuchte es eine Zweidrittelmehrheit zur Umsetzung einer Bauernregel? Wer kontrolliert die dann?
Vor allem aber: Würden wir ewigen Nörgler als Wetterwähler echt besser dastehen? Ich habe da meine Zweifel, liebe Miesepeter.

Genauso wie bei dieser Drohung:

wettervertrag
[Link]

Petrus kündigen mag ja in Zeiten religiöser Liberalität noch angehen. Aber welchen Lieferanten dann wählen? Und ob die liefern, was ich mir wünsche? Ich fürchte, das Wetter hält sich nicht an Vertragsrecht. Hat es gar nicht nötig. Es ist stärker als wir.
Wir könnten uns klein fühlen und es anbeten. Buße tun und geknickt durch Pfützen latschen, wenn es schifft, Opfer in Form von Sonnenbränden bringen, wenn der Planet sticht. Und wenn der Wettermix die Kornkammern füllt, damit nicht schon wieder die Lebensmittelpreise hochgehen, machen wir ein Erntedankfest.

Ach, das gibt’s alles schon und hat nichts geholfen?
Wetter, Du bist ein Arsch.


 
 
 

3 Kommentare zu “O tempora, o tempestas!”

  1. enypsilon
    22. Juli 2008 um 09:47

    Volle Zustimmung!
    Dazu hatte ich mich übrigens auch schon geäußert: http://twitter.com/enypsilon/statuses/864461595
    wobei die Beschwerde ins Leere lief, denn ein Account http://twitter.com/wettergott ist noch nicht vorhanden, da sieht man, wie feige das Wetter ist!
    Und wenn es auf dem bürokratischen Weg (Beschwerde, Abmahnung, Kündigung) nicht läuft, dann hilft nur noch eins fürs Wetter: teeren und federn!

  2. The Exit
    22. Juli 2008 um 10:01

    Dazu fällt mir nur ein sehr schönes Posting ein, das ich bei Daniel Richel gelesen habe:

    Der Sommer ist in den Sommerferien.

  3. XiongShui
    22. Juli 2008 um 10:27

    Möglicherweise steht ja irgendwo im All ein riesengroßer Rechner, in den all die Wetterwünsche eingehen, was dann herauskommt, ist dieser Widersinn.

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