Wird das Erwachsenwerden junger Männer in Reclamheftchen thematisiert, dann immer eher problemorientiert. Der junge Werther hatte nicht nur bescheuerte Klamotten in einer unglaublich fdp-esken Farbkombi an, nein, er litt auch so dermaßen an der Welt, der Liebe und seinem Narzissmus, dass er geliehene Pistolen derart gegen sich richtete, dass es lethal wirkte. Holden Caulfield quengelt und flucht sich durch New York und die Vorweihnachtszeit, weil er ein dämlicher Schulversager ist und die anderen Jungs mit den Mädchen pennen, die er gern hätte.
Pubertät ist schwierig, das sei unbestritten, aber muss sie immer tragisch sein? Nun, es geht auch anders.

Die neue literarische Form des Tweets hat uns einen neuen Adoleszenz-Fortsetzungsroman beschert: frankamato.
Dröselt man den Namen des Titelhelden auseinader zeigt sich schon, dass hier ein neuer Typ jugendlicher Held installiert wird. Frank, was soviel bedeutet wie der Freie hat das wunderschöne italienische Partizip II Amato zum Nachnamen, der Geliebte. Derart positiv markiert verwundert auch der Untertitel, der sich als Figurenrede des Titelhelden verstehen lässt, kaum noch: I’m freaking awesome.

Und so zeigen sich in frankamatos Tweets die Freuden, die das Jungmann-Leben so bietet. Er steht auf gute Musik:

frankmaiden
[Link]

Natürlich auch darauf:

franksex
[Link]

Aber selbst das bei anderen Altersgenossen so verhasste Thema Bildung ruft bei ihm nur positive Gefühle hervor:

frankgermanclass
[Link]

Diese Bezugnahme auf das Deutsche in der amerikanischen Jünglings-Geschichte ist eine Art Running-Gag und lohnt sicher noch eingehendere Betrachtungen, wie auch folgender Tweet beweist:

frankbuddy
[Link]

Es ist sofort eingängig, dass hier das englische Wort “Buddy” (Kumpel) ortographisch verballhornt wurde, doch ebenso fällt auf, dass es somit in die Nähe des Titels des großen deutschen Familiendramas von Thomas Mann gebracht wird, der während der Nazi-Zeit im amerikanischen Exil lebte. Hier tut sich ein Bezugsfeld mitten im Pubertätsroman auf, das auf weit Höheres zu verweisen scheint.

Natürlich ist die Geschichte des frankamato nicht so platt, als dass eine perfekte Welt vorgegaukelt würde. Bei aller positiven Grundeinstellung zum Leben bleiben die Höhen und Tiefen der Pubertät im Blick und werden auch hier wieder intertextuell eingeleitet:

frankshake
[Link]

Spontane Gefühlswallungen werden ins fremde Idiom übersetzt, um damit auch die Verwirrung des Helden zu zeigen:

frankhang
[Link]

Allerdings verbirgt sich selbst in dieser extremen Ablehnung eine für Jungmänner der Weltliteratur eher unbekannte Konstante. frankamato ist liiert:

franklover
[Link]

Und wir erfahren viel über seine Beziehung:

franklang
[Link]

frankfang
[Link]

Diese Geschichte ist so erfolgreich, dass sie zu einem Spin-Off geführt hat. Angelas Leben wird ebenfalls in 140 Zeichen literarisiert.

Besonders modern zeigt sich die Geschichte des frankamato trotz dieser heterosexuellen Beziehung in der Frage der eigenen Identitätsfindung auf dem Gebiet der sexuellen Orientierung. Der Leser wird mit plötzlichen Volten konfrontiert:

frankgay
[Link]

Um dann in der Offenheit des Textes zurückgelassen zu werden. Denn er muss sich fragen, ob die verspielte Rücknahme dieser Behauptung durch den Helden nun die Angst vor der eigenen Courage war oder den Tatsachen der erzählten Welt entspricht:

frankgayang
[Link]

War es wirklich Ang oder kommt bald ein Coming Out? Warum lernt frankamato deutsch? Bleibt er ein so gefestigter grundpositiver Mensch oder beginnt er mit Bowling? Vor allem aber: Bekommt er sein iPhone?
Ich bin gespannt, wie es mit frankamatos Erwachsenwerden weitergeht!

Kommentieren

Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

mspro

Was für eine großartige Kritik. Frühlingserwachen war gestern! Heute ist the real shit!

Gepostet von mspro am 20. Juli 2008 um 14:52.