prinzenrolle
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Ohoh, das klingt aber nach Frust infolge der Emanzipation, nach dem Rumgejammer des Möchtegernalphatiers, dem jefrau die Prinzenrolle abgeschnippelt hat (Entschuldigung, aber ich konnte nicht anders, ist ja nur bildlich gemeint).
Oder?

Jungs, mal ganz ehrlich, wer (der kein Frosch ist) will die Prinzenrolle im Lebenstheater? Weil, was hat mann schon vom ewigen Prinzessinnen vor Drachen retten und aus den Dornen des hundertjährigen Schlafes befreien? Eine blöde Zicke, die wegen einer kleinen Erbse nicht schlafen kann. Ganz großes Herrentennis.

Als Prinz ist mann Teil adeliger Heiratspolitik, mann muss irgendwelche Ischen aus fremden Ländern ehelichen, die die Berater von Papa für geostrategisch empfehlenswert erachten. Klar, es gibt die vielen Mätressen für den Spaß, aber wer nicht gerade seine eigene Kirche gründen und die Exfrauen köpfen lassen will, der hat eben doch die lästige Pflicht der Zwangsheirat auszuhalten. Und alle zerreissen sich das Maul darüber, ob denn alles in Ordnung ist mit der Prinzenrolle, wenn es nicht flugs mit dem Nachwuchs klappt.

Selbst heute, wo Prinzen manchmal Töchter niedrigeren Standes ehelichen dürfen, hat es ein Prinz schwer. Wenn Monaco nicht an diese fiesen Republikaner aus Paris fallen soll, muss der Albert langsam mal ein legitimes Kind an den Start bringen, sonst war er der letzte Prinz vom Steuerparadies. Es ist anstrengend unromantisch, mit diesem Wissen im Hinterkopf auf Brautsuche zu gehen, sag ich euch. Was da für ein psychologischer Druck aufgebaut wird, das ist schier unaushaltbar!
Als Prinz ist mann schnell gefangen im goldenen Käfig. Mann darf keine witzigen Naziuniformen tragen, mann darf nicht im Irak die Freiheit verteidigen, selbst im Vorgarten der Freundin vorbeifliegen ist nicht so gern gesehen. Kurzum, alles was junge Männer heutzutage so machen, ist gestrichen für Prinzen.

Der moderne Mann darf so viele tolle Sachen: Er darf beispielsweise schwul sein, er darf Hausmann sein, er darf den Kriegsdienst verweigern, er darf sich von selbstbewussten Frauen erobern lassen, ohne dass dabei Königreiche zugrunde gehen.
Beim zweiten Hinschauen ist obiger Tweet also Ausdruck immenser Erleichterung darüber, dass sich die möglichen Rollen des Mannes in den vergangenen 40 Jahren so immens vervielfacht haben. Wir können alles sein, Jungs! Hammergeil! Also, locker machen und Wunschrolle annehmen.
Wenn es sein muss, meinetwegen auch die des Prinzen.
Aber dann nennt euch Charles.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Cara

Auf den ersten Blick hätte ich die “Prinzenrolle” mit dem leckeren Keksdoppeldecker assoziiert und geglaubt, Mischa wollte uns sagen, daß das Leben der XY-Genetiker kein Schokoschlecken sei.
Aber Deine Interpretation ist wesenlich gesalzener und deshalb : gekauft.
Priceless!
;)

Gepostet von Cara am 15. Juli 2008 um 09:41.
Regine

Gesalzen mit vielerlei Inhalt, eher ein Wrap vielleicht? Passender Tweet: Der Wrap des modernen Mannes ist kein Rap.

Gepostet von Regine am 15. Juli 2008 um 13:33.
marc

ich habe die Erfahrung gemacht, Frauen, die selbst wie Prinzessinnen behandelt werden wollen, behandeln ihren Mann auch durchaus wie einen Prinzen.
…allerdings bin ich bereit anzuerkennen, dass es neben diesem Szenario noch viele andere mögliche Geschlechterrollen gibt…

@bjoerngrau

du hast das Wort ‘Prinz’ hier natürlich zur besseren Verhöhnung sehr wörtlich genommen. damit assoziiere ich irgendwie nur Guillotine und Inzest… :-)

Zitat: “Der moderne Mann darf so viele tolle Sachen: Er darf beispielsweise schwul sein, er darf Hausmann sein, er darf den Kriegsdienst verweigern, er darf sich von selbstbewussten Frauen erobern lassen, ohne dass dabei Königreiche zugrunde gehen.”

also, davon erscheint mir allein die Verweigerung des Kriegsdienstes attraktiv… und das ist nicht wirklich eine Neuerung, dazu konnten sich freidenkende Männer auch vor 100 Jahren schon durchringen.

Gepostet von marc am 15. Juli 2008 um 17:07.
Huck

Twitter lädt schon zu schönen Missinterpretationen ein. Könnte sein. Die 140 Zeichen, die ewige Ironie, das unüberlegt Dahergeschriebene, die Avatare oft weit ab der Realität. Und jetzt bitte Aufdröseln. Ich mochte Twitkrit deswegen erst nicht, merkte aber dann, dass das so sein muss. Legt Euch recht oder fehlt. Aber mit Leidenschaft Ihr Twitkritteros und Twitkritterinas.

Gepostet von Huck am 15. Juli 2008 um 23:12.
miss sophie

(Das ist mir schon bei so manchem Kommentar hier durch den Kopf gegangen, ist also nicht nur eine Reaktion auf @huck :) )

*Literaturwissenschaftlermodus an*
Eine Interpretation ist erstmal das, was zwischen Text (Tweet) und Leser an Wissen/Information hin- und hergeht. Der eine Leser mag dann den möglichen(!) reellen Kontext überdenken. Der andere Leser lässt sich davon nur bedingt beirren und folgt assoziativ den Spuren, die so ein Tweet legt. Das zusammen ergibt in beiden Fällen eine Interpretation und die kann das Prädikat “sinnvoll”, “angemessen”, “nachvollziehbar” o.ä. erhalten (oder auch nicht).
[Exkurs mit Blick auf das nun Folgende: Interpretation hat mehrere Bedeutungen. Es meint einerseits das bloße Verstehen der Äußerung, wobei das bloße Verstehen passend zum Äußerungskontext sein soll(te). Und dann gibt es die Interpretation, die mehr einen komplexen Sinnzusammenhang darstellt. Letzteres bedingt natürlich ersteres und in ersterem ist letzteres zumindest ansatzweise auch immer mit enthalten. Und da liegt der Begriffsverwirrungshase begraben, aber das führt jetzt vom Thema ab.]
Solche Einschätzungen wie “Missinterpretation” und “falsche” oder “richtige” Interpretation zielen mehr auf das bloße Verstehen eines Textes ab. Was will der Autor uns damit sagen. Mit welcher Absicht, mit welchem Ziel, zu welchem Zweck wurde eine Äußerung getätigt. Aber dann sind wir beim Gebrauch eines Textes. Und darum geht’s bei Twitkrit ja irgendwie nicht so richtig ;).
*Literaturwissenschaftlermodus aus*

Gepostet von miss sophie am 16. Juli 2008 um 08:53.
bjoerngrau

@huck:
ich kann miss sophie nur zustimmen. ich versuche sicher nicht auf Teufel komm raus die Intention des Twitterers hinter seinem Tweet zu suchen. das wäre Psychoanalyse, dafür bin ich nicht ausgebildet.
Ich schreibe Dinge auf, die mir(!) zu einem bestimmtem Tweet einfallen und verbräme diese dann in veränderlichen Gewichtsanteilen mit Klugscheißerei und Dingen, die ich nachdenkenswert oder witzig finde. Manchmal schau ich da auch gar nicht bewusst mit der Ironiebrille drauf. Im vorliegenden Fall bspw. auch nicht. Der Tweet war mir einfach Anlass mal etwas verkürztes und nicht sonderlich theoretisches zum Thema männliches Rollenverständnis zu schreiben. Insofern erkläre ich diesen Tweet weniger, als das ich ihn für meine Anliegen benutze.
Aber wieso schreib ich das alles? Weil ich beim Versuch zu verstehen, auf was Dein Kommentar hinaus sollte, ehrlich gescheitert bin. War das jetzt Lob oder Kritik? Lag ich für Dich recht oder hab ich gefehlt? War das für Dich leidenschaftlich oder nicht? Ist gar nicht so einfach, die Autorintention zu verstehen, wenn nicht gerade (ironiefrei) gelobhudelt oder gepöbelt wird. Ich mein das ernst und ohne jegliche Intention, Dir blöd zu kommen. Wenn Du Dich erklären willst, ich wär neugierig.

Gepostet von bjoerngrau am 16. Juli 2008 um 11:01.
Huck

Lieber Bjoern,
da haben wir den Salat:) Was ich meinte ist ja genau das was Du sagst und ich meinte mit meinen wirren Worten Lob und Freude.
Wenn einer also auf seine Festplatte wartet und nicht mehr (warten) will, dass man das als existenzielle Problematik deuten kann, das birgt ja eben eine gewisse Tragikomik in sich. Und das finde ich gut. Daran sollte man sich aber nicht stören, das ist das Wesen der Twitkrit. Man muss sich vielleicht davon lösen in Twitter die Probleme andere Leute erkennen zu oder lösen zu wollen. Da lese ich in den Twitkritkommentaren hin und wieder eine gewissen Empörung heraus, wenn die Twitkritiker frei interpretieren.
Aber, dass meine freundlichen Versuche meinen treuen Ventilator mit Torte zu füttern als Splatteraction interpretiert wurde, ist natürlich eine Frechheit.) oder auch :) auf jeden Fall *grins* oder so.

Gepostet von Huck am 16. Juli 2008 um 15:14.
Mischa

Alles, was schlau klingt, war vom Autor so beabsichtigt und Intention des Tweets.

Gepostet von Mischa am 18. Juli 2008 um 13:53.
bjoerngrau

@Mischa: :-)

Gepostet von bjoerngrau am 18. Juli 2008 um 18:03.
gg

“…er darf sich von selbstbewussten Frauen erobern lassen…”

Bringt das denen dann auch mal jemand bei endlich?

Gepostet von gg am 20. Juli 2008 um 19:19.