Irrungen im post Postzeitalter
Für ein derart hoch anspruchsvolles Blog wie TwitKrit ist es natürlich ganz normal, dem Leser vorraussetzungsreiche Artikel vor den Latz zu knallen. Bei diesem hier hatte ich allerdings meine Bedenken. Denn für das Verstehen dieser Besprechung ist so viel historisches Spezialwissen unabdingbar, dass es nicht mal bei unserer Leserschaft vorausgesetzt werden kann. Deswegen eine kurze Einführung in das Thema:
Lange bevor Direct Messages, ja, bevor überhaupt Twitter erfunden war, bekritzelte man dünne weiße Flächen, faltete sie und ließ sie von mehr oder minder bezahlten Menschen zu ihren Empfängern bringen. Diese so genannten “Briefe” (oder ihre kleine Variante, die “Postkarte”) dauerten meist mehr als einen Tag bis zu ihrer Zustellung und waren meist nicht mal “push”. Der Witz war, dass die Leute für diesen grottenschlechten Service sogar Geld bezahlten. Pro Zustellung. Noch heute gibt es eine kleine aber auf der ganzen Welt verteilte Sekte, die sich über dieses Medium Informationen hin und her schickt.
Da diese Sekte aber immer kleiner wird, verkauft auch kein Mensch mehr die so genannten “Briefmarken”. Über deren Erwerb konnte man die Zustellung einerseits bezahlen und andererseits ihre Abgeltung durch das Aufkleben auf den abzusendenden Brief beweisen. Heute fühlen sich dagegen vor allem gelbe Automaten, die allenthalben in der Gegend rumstehen, genötigt, diese Briefmarken zu verkaufen. Der durchschnittliche Automat, wiederum, sieht es aber nicht ein, passendes Kleingeld zurückzugeben, wenn man zum Beispiel eine 48 Centmarke mit einem 50 Centstück bezahlt, sondern er gibt es eben in form von 2 Cent-Briefmarken zurück.
So viel zum Backround des folgenden Tweets:

[Link]
Aber was will uns @kumullus jetzt damit sagen? Will sie uns auf die Sorgen und Nöte der oben angesprochenen Sekte aufmerksam machen, deren Mitglied sie zu sein scheint? Oder die Absurdität ihres eigenen Glaubensbekenntnisses darlegen? Oder geht das gar tiefer? Dass nämlich nicht immer das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sein muss. Dass die Teile: Karte, Schrift, Briefmarken in ihrer Summe das Ganze, die Postkarte, weit weit übersteigen können? Ja, sogar derart übersteigen, dass das so genannte “Ganze” ad absurdum geführt wird?
Man könnte an dieser Stelle sicherlich tiefer in die Materie einsteigen. Da wir als die Kritiker von morgen aber den Anachronismen von gestern gegenüber recht intolerant eingestellt sind, belassen wir es bei einem Hinweis an die Autorin:
Versuch es doch mal mit Fax.
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Das sagen die Anderen:
Warum wirft man aber in die ominösen gelben Automaten Zahlungsmittel so unpassend ein, dass 2 Cent Briefmarken als “Rückgeld” herauskommen?
Gepostet von dschulian am 11. Juli 2008 um 14:46.Wer so weit geht, dieses Kommunikationsmedium überhaupt zu nutzen, ist gegen jegliche Form des Rationalismus immun.
Gepostet von mspro am 11. Juli 2008 um 14:51.(vgl. auch http://dn.fqdn.org/01-vorderseite.jpg und http://dn.fqdn.org/02-rueckseite.jpg ..)
Gepostet von frank am 11. Juli 2008 um 20:28.wieviele briefmarken passen denn auf einen brief? wäre der brief nicht zu schwer mit den ganzen 2cent-briefmarken + spucke ?
Gepostet von kehrseite am 14. Juli 2008 um 20:04.Ich möchte mit aller gebotenen Dezenz dann aber doch verweisen auf diesen Riesenmaschine-Artikel: http://riesenmaschine.de/index.html?nr=20051104154859&kommentare=anzeigen
Gepostet von Sascha Lobo am 14. Juli 2008 um 21:38.