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Der ganz normale Angestellte steht für gewöhnlich nicht vor diesem Problem: Jeden Morgen erscheint er pünktlich um halb neun frisch gebadet und rasiert, akkurat frisiert und mit kunstvoll gebundener Krawatte in seinem Büro.

Der sogenannte digitale Bohèmien muss – wie wir seit dem Erscheinen des Buches “Wir nennen es Arbeit” von @saschalobo und @Holmfriebe wissen – seinen Körper immerhin so weit pflegen, dass er nicht körpergeruchsbedingt aus dem Sankt Oberholz – seinem Internet- und Stromversorger mit angeschlossenem Kaffeeausschank – verbannt wird.

Das vorgenannte Autorenteam benötigte noch fast 300 Seiten, um den Feuilletons der Republik zu erklären, was es mit der bis dahin unbekannten Arbeitsweise jenseits der Festanstellung auf sich hat. @genesis3000 bringt im Gegesatz dazu das entscheidende Merkmal des Heimarbeiters sehr viel prägnanter auf den Punkt. Frei von jeglichem Ballast umreißt er den Kern des Arbeitsstatus, der sich irgendwo in der Mitte zwischen Büroknecht und Freigeist einordnen lässt. Der Homeofficer macht zwar in den meisten Fällen sicher einen guten Job, doch läuft er stets Gefahr, dabei vor sich hin zu stinken und noch vor dem Erreichen des Renteneintrittsalters aufgrund mangelnder Körperpflege bei lebendigem Leibe zu verwesen. Tagein, tagaus sitzt er an seinem Heimarbeitsplatz und zeichnet, textet, komponiert oder entwirft, ohne dabei auch nur einer Menschenseele zu begegnen. Vor lauter Schaffensdrang wird dabei zwangsläufig irgendwann die Körperpflege vernachlässigt – der physische Verfall ist nicht mehr aufzuhalten.

Genau an diesem Punkt werden uns die Grenzen der Twitteratur einmal mehr deutlich aufgezeigt: Einerseits loben wir uns die schonungslose Schärfe, mit der Autor den Ist-Zustand skizziert. Andererseits bleiben wir ratlos zurück, weil der auf maximal 140 Zeichen begrenzte Raum nicht ausreicht, uns die Konsequenzen (soziale Isolation, Jobverlust, Pilzbefall, Verlobung mit Charlotte Roche) oder gar einen Ausweg aus der Körperpflegekrise aufzuzeigen. Möglicherweise war dies aber auch gar nicht die Absicht des Autors. Wie hieß es am Ende einer berühmten Literatursendung im Zweiten Deutschen Fernsehen früher immer so schön? – „Und so sehen wir betroffen/den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

DonDahlmann

Das Problem des morgendlichen “Ziehe ich eine Hose an”, bzw. “Ziehe ich mich überhaupt an” von Homeoffice Menschen gehört auch zu den Dingen, die mal an eine größere Öffentlichkeit gehören.

Gepostet von DonDahlmann am 03. Juli 2008 um 01:00.
marc

“Das Homeoffice ist der Tod der Körperpflege”

…vielleicht bei Computer Nerds ohne Kontakt zu Frauen.
(wobei darüber spekuliert werden kann, ob deren Körperpflege ohne Homeoffice besser wäre)

jedenfalls sehe ich nicht, warum es für Menschen mit einem Minimum an Sozialleben einen Unterschied machen sollte, ob sie zuhause oder im Büro arbeiten…

Gepostet von marc am 03. Juli 2008 um 01:22.
Zuckerhund

Bin heute angezogen. Ist mir wichtig, dass ihr das wisst.

Gepostet von Zuckerhund am 03. Juli 2008 um 09:43.
Picki

ach grossartig bosch!
Auch ich hatte den Tweet direktemente gefavt und sehe ihn fortan als Warnung der stets drohenden Verschlampung.

Er gehört ausgedruckt und über den Badezimmereingang gehängt, als tägliche Erinnerung daran, dass nicht nur der Kunde, sondern auch die Seife nur einen Klick enfernt ist.

Gepostet von Picki am 03. Juli 2008 um 11:31.
huck

Damals 2002 ein Büro gemietet, damit das nicht immer so ist. Außerdem so die Schlafenszeiten von 9:00-15:30 auf 1:30-8:00 Uhr verlegt, was Kundenkontakten im wesentlichen entgegen kommt. Seit dem gelernt, dass es Kontostandsabbildungen auch in schwarzer Farbe gibt.

Gepostet von huck am 03. Juli 2008 um 11:57.
Stefan Ramone

Wie – zuhause rumprokrastinieren und dann noch nicht mal mehr duschen?!

Gepostet von Stefan Ramone am 03. Juli 2008 um 12:45.
mspro

Ja, schlimm. Und die immer gerne bemühte Metapher für Twitter: es sei ein Großraumbüro, hat genau dort ihre Grenzen. Denn so lange man seine Follower nicht anstinken kann, rückt die Dusche in weite Ferne.

Die Cafees sind im übrigen ein toller Ersatz. Besonders wenn hübsche Bedienungen die Körperpflege noch heftiger anregen, als der dicke Tischnachbar im Büro.

Gepostet von mspro am 03. Juli 2008 um 13:55.
Picki

ja, auf die hübschen Bedienungen warte ich auch noch. :(

Gepostet von Picki am 03. Juli 2008 um 17:22.
Körperlichkeiten II at Twitkrit

[...] Es hört nicht auf. Wie auch, bei dem schwülen Wetter? Köperlichteile, egal ob geduscht oder nicht, schwimmen spätestestens ab Mittag im eigenen Sut. Klebgrig-salzige Ablagerungen werden an fortpflanzungswillige Bakterien untervermietet, die ihrerseits das neue Heim in einen stechenden Geruch tauchen. Eben so, wie sie es mögen. Und so Charlotte-Rochet’ es munter weiter in den Tweets. [...]

Gepostet von Körperlichkeiten II at Twitkrit am 03. Juli 2008 um 23:08.