Twitkrit

die Grammathe des Fussballs

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Genau!
Wir halten es heute lieber mit dem Komparativ, denn wir wissen seit gestern abend:

“der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers”
(Lehmann, Torhüter des Vize-Europameisters)

Und deshalb gilt:

Ballack ist viel schöner als Erster.

Dritter ist viel kleiner als Lahm.

Und nach dem Gesetz der Mathematik ist damit Lahm grösser als Berlin und Ballack ist so schön, daß er auch als Spanier durchgeht. Was hätten wir mehr wollen können als das?

congratulación España!!!

PS: Erster ist viel schöner in Kapstadt!

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Die Allgemeine Vernationierung

Ein Fest der Nationen hat man uns versprochen. Feste Nationen sind ausgebrochen. Außer beim Zoll spielt die Nationalität nie eine solch große Rolle wie zu Zeiten der Fußballgroßereignisse. @Holgi setzt diesen Irrsinn gekonnt in Szene.

holgi
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Nun bin ich kein Österreicher. Dabei ist es derzeit nicht das unangenehmste Österreicher zu sein. Konzentriert sich doch die ganze Aufmerksamkeit auf dem kleinen Land. Und während die einen “Tor” und andere “Bachmann” schreien, kann man sich genüsslich aufregen. Denn das gehört bekanntlich zum Schmäh, also zum Lebensgefühl dazu, wie das Nörgeln zu den Deutschen.

Und der Österreicher hat derzeit bekanntlich genug zu beschmähen. Nicht nur, dass Michael Ballack die eigene Mannschaft aus dem Rennen raktete. Nein, während die Deutschen die Italiener erfolgreich nach Hause nörgeln konnten, sind die Spanier immer noch im Spiel. Was es aber an einem Spanier nun auszusetzen gibt, weiß wohl nur der Ösi. Also fragen wir ihn doch.

Denn, und das wollte ich darstellen: der ist hier ja versteckt.
Wie unschwer zu erkennen ist, muss man das ganze Profil in Kombination mit diesem Tweet als Gesamtkunstwerk betrachten. @Holgi nimmt hier eindeutig die Position des Österreichers ein.

Was soll uns das sagen? @Holgi mag keine Spanier und projiziert so seine eigenen Aversionen auf die unschuldige Alpenrepublik? @Holgi ist tatsächlich ein heimlicher Österreicher und berichtet aus seinem Insiderwissensschatz?

Egal was es ist. Wir hoffen für unsere lieben Nachbarn (und für @Holgi) inständig, dass dieses Jahr kein Spanier den Bachmannpreis bekommt. (Aber im Zweifel dann doch lieber, als ein Italiener.) Die Chancen stehen allerdings gut, dass das nicht passiert. Das Schlimmste, was passieren könnte, ist, dass der einzige Schweizer abräumt.
Was aber nicht so schlimm wäre, ist doch der Schweizer nur der Österreicher Österreichs.

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Der Splattertweet

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Nur scheinbar freundlich kommt dieser Tweet daher. @stijlroyal erweckt zunächst den Eindruck, einer altmodischen Generation zu entstammen, die guten Freunden ein Küßchen gegeben hat. Doch alsbald soll sich der Leser in ihm täuschen.

Der Ventilator ist, wie der Verfasser schreibt, nicht nur ein guter Freund, sondern angeblich sogar sein bester. Dieser tut dem Autor etwas Gutes und spendet ihm in diesen heißen Tagen etwas frische Luft. Auf den ersten Blick revanchiert sich @stijlroyal für den geleisteten Freundschaftsdienst auch auf dieselbe freundliche Art und Weise, nämlich indem er seinem sogenannten “besten Freund” ein Stück Sahnetorte zukommen lässt. Doch dieses Vorhaben wird jäh in einem perfiden Gemetzel enden.

Der Autor wurde vermutlich schon in seiner frühesten Kindheit mit Gruselmärchen Stephen Kings und der Zeichentrickserie Happy Tree Friends sozialisiert. In dieser zur besten Sendezeit auf einem Musikkanal ausgestrahlten Zeichentrickserie unternehmen niedliche Phantasietierchen meist harmlose Ausflüge und salonfähige Aktivitäten, während im Hintergrund eine liebliche Melodie ertönt. Jedoch endet alles, wie es immer enden muss – in einem äußerst grausamen und blutigen Gemetzel. Genauso ist es auch in diesem Tweet. Wer seit seiner Kindheit so sehr traumatisiert ist, kann – trotz allem guten Willen zur Philanthropie und Technikfreundlichkeit, die wir dem Autor zugute halten wollen – im Prinzip gar nicht anders, als seinem geschätzen Ventilator früher oder später ein Stück Sahnetorte zu verabreichen.

In diesen knapp 140 Zeichen gibt es keine Freude über kalorienreiche Sahnetorte, die noch viele Jahre bis zum ersten Anzeichen einer Herzverfettung die Hüften des Ventilators – sozusagen als Symbol der freundschaftlichen Verbundenheit zwischen Twitterer und Lüfter – dessen Hüften beschweren soll. Hier wird einem, der es immer nur gut gemeint hat, auf das Übelste und Abscheulichste mitgespielt, dass es selbst für den hartgesottensten Follower kaum zu ertragen ist. Eine vergleichbare List und Tücke war seit der Erfindung des trojanischen Pferdes nur noch bei SPD-Vize-Parteivorsitzenden Andrea Nahles auszumachen.

Der Drang zur Tortenschlacht wohnte dem Autor seit Jahren inne und war irgendwann nicht mehr zu bändigen – so wurde uns ganz nebenbei und vermutlich vom Autor nicht bewusst – das Genre des Splattertweets geschenkt. Fassungslos bleiben wir Leser zurück – in einem Raum, in dem das Sahnetortenmassaker unauslöschliche Spuren hinterlässt. Wie immer in solchen Fällen, die seelischen Abgründe der Twitterheit nach außen kehren, fragen wir uns auch dieses Mal: Wieviel von diesem Tweet ist autobiographisch, wieviel ist Twitteratur?

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enthirnt

Welt Kompakt
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Ein Tweet wie eine Autobahn.
140 Zeichen bei 140 km/h auf die digital road geworfen. Wie eine brennende Zigarette willkürlich in den Twitterstream geschnippt.

Das tut weh. Und wo genau es weh tut, sagt uns @weltkompakt auch. Und damit niemand Stammheim und Stammhirn verwechselt, hier zur Erklärung:

Das Stammhirn (Hirnstamm) bilden die tieferen, stammesgeschichtlich ältesten Teile des Gehirns, es umfasst Rauten-, Mittel- und Zwischenhirn sowie die Basalganglien des Endhirns.

Die lange vertretene Vorstellung, dass die Basalganglien ausschließlich für die Steuerung der Willkürmotorik zuständig sind, ist heute nicht mehr haltbar.

Die Willkürmotorik des Endhirns von @weltkompakt kann hier also nichts entschuldigen – und so bleibt als Erklärung lediglich eine scheinbar spontan aufgetretene HirnLOSigkeit, die zu diesem Tweet geführt hat.

Doch zum Kontext:
Der Tweet erschien während einer Talkshow nach dem Viertelfinale Kroatien:Türkei (EM08). Zu Gast war unter anderem Klaus Meine, der mit “Gas geben” unmissverständlich unsere Mannschaft zum Titelgewinn der EM anfeuerte.

Sicherlich würde dieser Tweet nicht in einer gedruckten Ausgabe der WELT KOMPAKT erscheinen, sicher auch nicht auf einer anderen offiziellen Website des Springer-Verlags. Doch was ist Twitter anderes? Der Account von @weltkompakt ist öffentlich. Ist es damit nicht ein WELT KOMPAKT-Microblog? Ja, ist es. Und ich mag die Tweets von @weltkompakt. Bis auf diesen. Auch wenn Twitter (und andere Microbloggingdienste) noch eine Kommunikationsnische bedient, die oftmals 140 Zeichen in völliger Kontextlosigkeit im Raum stehen lässt, entbindet es gerade dann nicht von redaktioneller Verantwortung.

Wobei…
Die Verlinkung auf ein myspace-Profil empfinde ich als merkwürdig, aber ich bin ja auch nicht “die neue Generation”. Am Ende ist @weltkompakt gar nicht “Die WELT KOMPAKT”. Und dann bleibt nichts als ein hirnloser Geisterfahrer auf der digitalen Autobahn übrig; auf dem falschen Sitz und nicht angeschnallt.

Und kotzdem: getwittert ist getwittert – “There is NO undo!”
Ob mit oder ohne Stammhirn – es tut wirklich weh. Aua.

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Jaaaaaaahhh!

Das ist es! Ganz genau das! Das ist das Wort, was der Menschheit gefehlt hat. Das jedenfalls mir jeden Tag aufs neue fehlt! So oft habe ich danach gesucht, meine Zunge zuckte vor verlangen nach diesem einen Wort, das ja noch gar nicht geboren war. Und jetzt – endlich – ist es so weit.

kotzdem
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Wenn der Firefox abschmiert und man einfach mit dem Safari weiter surft. Wenn es unerträglich schwül ist, aber man dennoch schwitzend spazieren geht. Wenn es in Strömen regnet und man sich beim Public Viewing die durchnässte Kaputze nur etwas tiefer ins Gesicht zieht. Wenn das Baguette angebrannt ist und man die schwarzen Stellen abschabt, um es noch zu essen. Wenn man den eben angerichteten Wischwassersee schnell in alle Richtungen verfeudelt. Wenn man in der Kneipe versetzt wurde, sich dann aber doch noch ein Bier bestellt.

Ja. So ist es, das Leben, das räudige. Man könnte jeden Tag über irgendwas kotzen. Aber das Leben stolpert weiter, ob man will oder nicht. Und wo der Ottonormalprolet die Formel “muss ja” vor sich her summt, da werde ich von nun an ein viel treffenderes und eleganteres “Kotzdem!” rausschnautzen.

Danke, @isabo_!

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Die Musik der Worte

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“Was machst Du da?”
“Ich hüpfe.”
“Wie, Du hüpfst?”
“Na ja, ich hüpfe. Mit Grazie halt.”
“Jetzt?”
“Na klar, wann denn sonst?”

@smithymountain ist leidenschaftlicher Hüpfer und hat den obigen, nur beispielhaft dargestellten Dialog, bereits viele Male so oder so ähnlich geführt. Irgendwann aber wird es auch dem leidenschaftlichsten Hüpfer zu viel, sich immer und immer wieder von neuem zu erklären – in einem solchen Moment hat @smithymountain diesen Tweet komponiert.

Grammatikalisch korrekte Satzbildungen wurden mit spielerischer Leichtigkeit beiseite geschoben. Dabei heraus kam ein ganz wunderbares Staccato. Kein gewöhnliches Staccato, kein unnatürlich erscheinendes Ausbremsen, sondern eines mit großer Anmut. Dieser Tweet ist nicht einfach so dahingezwitschert, sondern dieses kleine Meisterstück ist in Wahrheit ein großes Stück Musik: Melodie und Rhythmus in weniger als 140 Zeichen.

Und noch bevor man sie bis zum Ende gelesen hat, sieht man vor seinem inneren Auge den Autor unter Olivenbäumen im Garten der Villa Massimo in Rom hüpfen – und das mit Grazie.

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