Twitkrit

Ich bin ein Twitkriter, holt mich hier raus!

Stolz verkünden wir Euch eine Neuerung bei Twitkrit, die wir natürlich von langer Hand geplant hatten und nun Wirklichkeit werden soll. Wir werden nämlich ab nun viel entspannter und lockerer auftreten, denn wir bekommen Verstärkung: Und zwar Euch!

Ja, es ist wahr. Unser Gastautorenprogramm soll ab nächster Woche starten. Also schultert Eure Wurfschaufel und schreibt dem Twitkriter Eures Vertrauens eine Direct Message, eine E-Mail oder schreibt uns: kritiker | ät | twitkrit.de. Aber nur, wenn Ihr geilen Stoff habt, eine sexy Idee oder einfach nach Aufmerksamkeit und/oder Ruhm hechelt.

Wenn Ihr einen von uns begeistern könnt, wird sich derjenige als Euer Herausgeber betätigen und mit Euch zusammen den Twitkrit in die Weltöffentlichkeit pusten. In einer großen Parade werden dann in weißen Gewändern gekleidete Jungfrauen Blumen auf die Straßen streuen, die Ihr auf Euren mit Girlanden geschmückten Umzugswagen plattfahren werdet, während tausende Menschen um Euch herum tanzend Euren Namen schreien. Außerdem werden neuentdeckte Marsgesteinsarten nach Euch benannt. Dazu winken Vorzugsbehandlungen bei den Auswahlprozessen für das Jungelcamp und Nur die Liebe zählt.

Wir behalten es uns natürlich vor, den einen oder anderen von Euch direkt anzusprechen, unser Gastautor zu werden. Aber keine Angst: Unser interner Ethikkodex hält jeden von uns dazu an, die Anwendung unverhältnismäßiger physischer oder psychischer Gewalt möglichst zu vermeiden.

Wir werden erstmal nur einen Gastbeitrag pro Woche veröffentlichen, damit wir mit unseren strengen Vereins-Standarten nicht durcheinander kommen. Es kann also ein wenig dauern, bis Ihr online geht. Ach ja, trotz unserer bereits legendär gewordenen Faulheit können wir auch nicht dafür garantieren, dass wir wirklich jeden Schrott online stellen alle eingereichten Texte veröffentlichen. Der Rechtsweg ist unter drakonischen Strafen ausgeschlossen.

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Was machst Du gerade?


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“What are you doing?” ist die Frage, die über allem steht. Nur in den seltensten Fällen kann diese auch beantwortet werden, denn der Mensch ist kein Computer. Moderne Rechner sind multitaskingfähig, d. h. sie können mehrere Aufgaben parallel bewältigen. Der Homo sapiens indes ist hierzu in den allermeisten Fällen nicht in der Lage. So bleibt es ihm oft verwehrt, eine Tätigkeit auszuführen und gleichzeitig der Welt via Twitter mitzuteilen, welche Tätigkeit er gerade in diesem Moment verrichtet.

@zoee gelingt es mit spielerischer Leichtigkeit, uns diese menschliche Unzulänglichkeit anhand eines ernsten Themas nahezubringen. Hätte sie geschrieben “entsorge leiche”, so ginge diesem Tweet der Realismus ab; keiner Twitteratin ist schließlich zuzutrauen, noch während des Entsorgungsvorganges zu berichten. Verscharrungen und Gezwitscher vertragen sich nicht – zumindest auf den ersten Blick. Erst der Blick auf das Vergangene (“leiche entsorgt.”) lässt diesen Tweet realistisch wirken und regt auf diese Weise kunstvoll die Phantasie des Rezipienten an. Ob es sich bei dem entsorgten Leichnam um ein Katzenbaby oder gar den Ehemann der Autorin handelt, bleibt allein der Phantasie des Lesers überlassen – möglicherweise wurde auch der seit vielen Jahren zur Familie gehörende Goldhamster mit militärischen Ehren begraben.

Gegebenenfalls ist jemand von uns gegangen, möglicherweise aber auch nicht. Die Autorin lässt uns hierüber im Unklaren. Nur sie allein weiß um ihr Geheimnis, der Leser bleibt ratlos zurück und arbeitet sich an diesem Tweet ab. Der twitterarische Wert dieses Beitrages besteht darin, dass es der Autorin in nur sechzehn Zeichen gelingt, den Leser zu fesseln und die geistige Auseinandersetzung mit den geschriebenen Worte geradezu zu erzwingen. Der Rezipient verharrt in seinem Kreisdenken und es ist ihm unmöglich, die rätselhafte Botschaft zu entschlüsseln – und irgendwann heißt es wieder von Neuem: “What are you doing?”

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Balsam

nervbjoerkt
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Kunst ist nicht zwingenderweise möglichst sperrig, nervig und schwer rezipierbar. Leider wird das allzu oft anders gesehen und deshalb Krampf auf den Hochaltar der Kultur gehievt.
Wahre Kunst zeichnet sich hingegen aus durch eine dem Werk innewohnende Harmonie. Diese muss nicht immer sofort und für jeden erkennbar sein, besonders nicht, seitdem Kunst experimentell sein darf, seit dem wir durch die Schule der Dekonstruktion gegangen sind.

Wahre Kunst zerlegt ihr Material in seine Bestandteile und schafft daraus etwas Neues, Erhabenes, etwas Gültiges.
So kann aus dem profanen Satz “Björk nervt.” ein spielerischer Slogan werden. Durch die Verdrehung der Wortformen, die Verbalisierung des Nomens und die Nominalisierung des Verbums, wird eine subjektive Behauptung zum guten schönen Wahren. Die Einsilber tauschen die Valenz und nun ist es an uns, den Rezipienten, zu entscheiden, was hier wohl gemeint ist.

Was mag “björken” bedeuten?
Im schlechten Sinne atonales, konzeptualistisch-disharmonisches Rumquengeln? Dann wäre ein björkender Nerv ein sehr schmerzender. Oder haben wir es bei dieser Dekonstruktion mit einer kompakten Persiflage der zerissenen Songstrukturen der Isländerin zu tun? Nerv björkt, weil Björk nervt? Nerv björkt, weil Björk nervt.

Sicher, Björk fällt hier der eigenen Einsilbigkeit zum Opfer. “Nerv jamiroquait” klingt nicht halb so schön, obwohl es mindestens so wahr ist. Die Kürze der zwei Silben zwingt zur Betonung beider Satzteile, was für einen treffenden Slogan unabdingbar ist. Es braucht nicht immer 140 Zeichen für einen K.O.-Schlag, mitunter reichen zwölf völlig aus. Doch noch mehr ist es die Onomatopoesie des blökenden “Björkens”, die dieses minimalistische Wortspiel überaus groß macht.
Deshalb muss der Mensch nicht nicht Björkfan sein, um die freche Genialität des Einfachen in diesem Tweet zu lesen, aber der dem Slogan innewohnende Humor ist dem Björkverächter Balsam für die dunkle Seele.

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Essen oder riechen? Deutschlands neuer Moschusochse

Essen oder Riechen? Deutschlands neuer Moschusochse
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Der Riss durch die Followerschaft war tief am Samstagabend. Wer nicht die emotionsgeladenen Tweets der DSDS-Fans über sich ergehen lassen wollte, verabschiedete sich für den Abend oder tweetete mühsam die blutigen Nasen des parallel stattfindenden Boxkampfes in den durchaus grosszügig gesäaten Werbepausen.

Deutschlands neuer Moschusochse, eine Mischung aus Rind und Schaf, heisst Thomas Godoj.

Geflirrt hat bei RTL allerdings weder die Sonnen- noch die Studiohitze, sondern nur die Diskokugel Bohlen, die dann auch zu Recht feststellte: “Die Sonne kann sich einen neuen Job suchen”.

Männliche Moschusochsen geben übrigens zur Paarungszeit eine Substanz in den Urin ab, die moschusähnlich süß riecht, und die die Bezeichnung „Moschus“ begründete.

Passend dazu beichtet Bohlen dem Schmusekönig Fady: “Als ich ein kleiner Junge war, und es war kalt im Winter, da hab ich mir oft in die Hosen gepinkelt, und das war so ein schönes, warmes Gefühl – genauso wie du singst”. Ein Moschusochsen-Finale? Hätte sich die Diskokugel vielleicht lieber mit dem Schmusekönig gepaart?

Festzuhalten bleibt, lieber Prinz Rupi, dass Moschusochsen nicht rennen, sondern in möglichst gradliniger Bewegung maximal 2 km am Tag zurücklegen. Also ähnlich langsam und zielstrebig wie die Moderatoren.

Alles weit gefehlt, Thomas ist eine Gauklerblume, die einen “falschen Moschus” ausströmt; schließlich wird Moschus seit 1888 auf synthetischem Weg hergestellt und unsere Superstars seit ein paar Jahren auch.

Aber wenn der, als Diskokugel verkleidete, Moschusochse sagt: “Ich würde sogar ein Kilo Hack in die Charts kriegen”, dann hoffe ich trotzdem, der Sänger eilt nicht zur nächsten Metzgerei. (Ist der Raab nicht Metzger?)

Obwohl: “Ein Kilo Moschusochsen-Hack” – also, ich würd’s mal testen! Oder, Mädels?

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Wir sind Sonne!

Manche sagen, Twitkrit sei typisch deutsch. Andere sagen, etwas “typisch deutsch” zu nennen, sei schon typisch deutsch. Dem gegenüber kann man entgegnen, dass es auf jeden Fall schon mal typisch deutsch ist, sich darüber Gedanken zu machen, was typisch deutsch ist. Da wir aus diesem Dilemma eh nicht mehr herauskommen, kokettieren wir doch damit und versuchen die Deutschheit als Fackelzug vor unserem inneren Auge aufmarschieren zu lassen. Was wir da nicht alles zu sehen bekommen: Spießigkeit, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Besserwisserei, Verbindlichkeit, Dichter, Denker, Fichte, Schenker und Goethe natürlich. Dazu der deutsche Wald, verschiedenfettige Wurstvariationen, Schützenvereine und grottenschlechte Fußballweltmeister. Und… was hinkt da noch hinterher… die Sonne?!?
codepolizei_sonne
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Klar, wäre die EU die USA, dann wäre Deutschland sicher nicht der Sunshinestate. Aber darum soll es nicht gehen. Denn wenn den Amis schon der Mond gehört, dann können wir ja schließlich Anspruch auf die Sonne erheben. Mindestens. Denn – so die @codepolizei – die Sonne ist zumindest ihrem Wesen nach deutsch. Es sind ja nicht nur die besagten Waschmaschinenladungen, die sie pflichtschuldiger und effektiver hintereinander wegtrocknet, als Eva Herman es fordern könnte. Auch die “German Angst” ist ihr nicht fern, versteckt sie sich doch gerne und oft hinter den miesepetrigsten Wolkenfestungen. Spätestens aber zur WM 2006 weiß man, dass sie auch ein echter Schland-Fan ist. So kam sie extra aus ihrer Trübseligkeit heraus, um den grölenden Fahnenschwenkern pflichtbewusst ihre vollgesoffenen Köppe zu frittieren.

Ein ganz klarer Fall also: Wir sind Sonne! Wir ganz alleine! Und nur typisch deutsche Nörgler denken an Deutschland auch bei Nacht und würden an dieser Stelle typisch deutsche Großmannssucht wittern.

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Das Twittern der Dinge


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Der rasante Aufstieg des Internetdienstes Twitter ist nicht aufzuhalten. Bis hin zum lieben Gott twittert heute schon ein jeder. Doch auch in die Niederungen des Alltags ist die moderne Kommunikationsform eingezogen:

Wer wünscht es sich nicht, dass sein @bett ihm vor dem Schlafengehen Gute-Nacht-Wünsche zuzwitschert? Für den aufmerksamen Beobachter der Szene ist dies jedoch keine überraschende Entwicklung. Da bereits die ersten Haustiere mit eigenem Twitter-Account gesichtet wurden (@josefine), ist das Twittern der Dinge nur ein konsequenter Fortschritt. In naher Zukunft wird es für uns selbstverständlich sein, dass ein jedes wohlgeformte Nudelholz aus dem Manufactum-Katalog uns via Direct Message viel Spaß beim Nudeln wünscht. Jeder neue Kochtopf von Silit wird uns via Twitter guten Appetit wünschen und das Billy-Regal wird uns an die Lektüre von Büchern, die wir immer schon mal lesen wollten, erinnern, während uns das neue Staubtuch von Vileda daran erinnert, ebendiese zu entstauben.

Alle Dinge werden irgendwann unentwegt wild durcheinander zwitschern. Schöne neue Twitter-Welt, werden wir dann denken, diesen zusätzlichen Kommunikationskanal verfluchen und ein bißchen Ruhe im Schlaf suchen. Spätestens aber, wenn jetzt unser @bett beginnt, uns über seinen Nachrichtenticker von seiner langweiligen Ehe mit dem Tisch, dem aufregenden Seitensprung mit dem Stuhl, dem andauernden Konflikt mit dem Schrank und seiner langjährigen innigen Freundschaft mit dem Regal zu berichten, werden wir uns daran erinnern, dass mit einem wohlgemeinten Gute-Nacht-Gruß das ganze Übel begann – und uns ein Twitterverbot für Dinge wünschen.

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