Das Twittern der Dinge
Der rasante Aufstieg des Internetdienstes Twitter ist nicht aufzuhalten. Bis hin zum lieben Gott twittert heute schon ein jeder. Doch auch in die Niederungen des Alltags ist die moderne Kommunikationsform eingezogen:
Wer wünscht es sich nicht, dass sein @bett ihm vor dem Schlafengehen Gute-Nacht-Wünsche zuzwitschert? Für den aufmerksamen Beobachter der Szene ist dies jedoch keine überraschende Entwicklung. Da bereits die ersten Haustiere mit eigenem Twitter-Account gesichtet wurden (@josefine), ist das Twittern der Dinge nur ein konsequenter Fortschritt. In naher Zukunft wird es für uns selbstverständlich sein, dass ein jedes wohlgeformte Nudelholz aus dem Manufactum-Katalog uns via Direct Message viel Spaß beim Nudeln wünscht. Jeder neue Kochtopf von Silit wird uns via Twitter guten Appetit wünschen und das Billy-Regal wird uns an die Lektüre von Büchern, die wir immer schon mal lesen wollten, erinnern, während uns das neue Staubtuch von Vileda daran erinnert, ebendiese zu entstauben.
Alle Dinge werden irgendwann unentwegt wild durcheinander zwitschern. Schöne neue Twitter-Welt, werden wir dann denken, diesen zusätzlichen Kommunikationskanal verfluchen und ein bißchen Ruhe im Schlaf suchen. Spätestens aber, wenn jetzt unser @bett beginnt, uns über seinen Nachrichtenticker von seiner langweiligen Ehe mit dem Tisch, dem aufregenden Seitensprung mit dem Stuhl, dem andauernden Konflikt mit dem Schrank und seiner langjährigen innigen Freundschaft mit dem Regal zu berichten, werden wir uns daran erinnern, dass mit einem wohlgemeinten Gute-Nacht-Gruß das ganze Übel begann – und uns ein Twitterverbot für Dinge wünschen.

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