Twitkrit

Die Lache des Rachmann

rachmann
[Link]

Har Har Har” schallt es in die Tiefe des Vulkans. Die glühende Lava taucht sein zur Fratze verzerrtes Gesicht in ein teuflisches Rot.

Nein, es geht hier nicht um den Unvermeidlichen. Es geht hier nicht um Frank Lachmann alias @frank93. Ich möchte Ihnen jemand ganz anderes vorstellen: Frank Rachmann.

Was viele ja gar nicht wissen: @frank93 führt ein Doppelleben. Rachmann ist quasi der Mr. Hyde des eloquenten und kultivierten Dr. Frank Jekyll Lachmann. Während Lachmann es liebt, sein Umfeld (Follower) mit immer neuer Wortakrobatik zu erheitern, streift Rachmann Nachts durch die Unterwelt des Netzes und tritt als Rächer der unperfekten Lebensumstände auf den Plan. Alle bekommen ihr Fett weg: der Kaffee, die Sesamstraße und überhaupt: das ganze Leben.

Das Problem: Lachmann und Rachmann teilen sich einen Körper Twitteraccount. Deswegen ist es nicht immer leicht, sie auseinander zu halten. Und wer Lachmann followen möchte (also alle), kauft sich den fürchterlichen Rachmann unvermeidlich mit ein. Genießen sie also ruhig weiterhin die Alltagspoesie des Tweetkönigs @frank93, aber nehmen sie sich stets in Acht … vor der Lache des Rachmann.

Weiterlesen

Danke, Björn!

Die Ereignisse in diesem Blog kommen Schlag auf Schlag – heute gibt es an dieser Stelle eine Premiere aus dem Taubenschlag. Unser erster Gastautor @jufjufjufjuf @Vergraemling ist im richtigen Leben Taubenvergrämer aus Leidenschaft. Karl Valentin sagte mit Blick auf ihn: “Taubenvergrämen ist schön, macht aber viel Arbeit.” Die Ergebnisse seiner Taubenvergrämungsbemühungen dokumentiert unser Gast regelmäßig in seinem Weblog benefitz.de.

[Link]

Das Schlimmste an Twitter ist der seelische Druck. An dem kategorischen Imperativ, etwas möglichst Geistreiches, Witziges oder Inspirierendes zu schreiben, zerbrechen viele empfindsame Schreiber. Gepeinigt von Fragen wie „Werden die ganzen coolen digitalen Bohèmes ob meines Tweets nur die Nase rümpfen?“, „Wie viele Follower werden nach meiner peinlichen 140-Zeichen-Message nun wieder abspringen?“ oder „Was soll das hier eigentlich?“ haben schon viele Twitterer kurz vor Aktivierung des „Send“-Buttons die virtuelle Notbremse gezogen. Dadurch sind dem Twitterversum bereits unzählige tolle Sätze und interessante Gedanken verloren gegangen. Optimistische Schätzungen gehen von mindestens 3 bis 4 aus.

@bjoerngrau kennt diese alarmierenden Zahlen auch. Und er hat etwas dagegen getan. Entschlossen setzte er sich vor seinen Computer und ersann in 3 Wochen harter Arbeit einen Tweet, den sich selbstzweifelnde Twitterer als Bildschirmhintergrund laden sollten. Björn Grau war so selbstlos, mit seinem Beitrag die geschmackliche Messlatte für 140 Zeichen ganz tief zu setzen. Ganz, ganz tief. Das ganze dann noch für größtmögliche Aufmerksamkeit in das Kostüm einer Userbefragung gepackt und ab damit.

Konnte der Leser zunächst annehmen, es sei die Lust an der Provokation, die Björn getrieben hat, wich dieser Gedanke schnell der Einsicht: Oh, nein! Björn beabsichtigt vielmehr Twitter einen selbstlosen Dienst erweisen, der dieser Online-Plattform schon bald noch mehr User zuführen wird. Auch der letzte RTL2-Zuschauer wird merken: „Hey, hier kann ja auch ich twittern!“ Björns Botschaft in die weite Welt: „Hey, wir sind’s doch nur! Hier ist nicht alles Arte!“

Viele Fast- und Möchtegern-Twitterer atmen nun erleichtert auf, tippen schmerzbefreit ihre Buchstabenfolgen ein und drücken glücklich den Send-Button. Der Text geht um die Welt. Und zwischen den Zeilen jedes noch so geschmacklosen Beitrags lesen wir: „Danke, Björn!“

Hoffen wir, dass Björns Kampagne zur Demokratisierung von Twitter weitergehen wird. Gerüchten zufolge arbeitet er bereits an weiteren heiklen Fragen. Darunter unter anderem:

Mal ehrlich, wer von Euch putzt mit der Klobürste seine Zähne?
Im Ernst, wer von Euch denkt beim Onanieren an Verwandte?
Hand aufs Herz: Wer versucht in seinen Bremsspuren im Klo Figuren zu sehen?

Danke, Björn!

Weiterlesen

Prolog beim Kfz-Händler

ratentweet
[Link]


Indem ihr Fahrzeugscheine wechselt,
Kann etwas Nützliches geschehn.
Was hilft es, viel von Pferdestärken reden?
Der Zaudernde erlebt sie nie.
Ich will das Gaspedal nun treten,
Denn Motorklänge sind mir Poesie.

Mir ist bekannt, Motorn bedürfen,
Einen starken Schluck Benzin zu schlürfen;
Nun, Tankwart setz den Rüssel unverzüglich an!
Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan,
Und keinen Tag will ich verpassen,
Den Fahrspaß, so ist mein Entschluß
Will ich sogleich beim Schopfe fassen,
Ich will es dann schnell fahren lassen
Und schalte sportlich, weil ich muß.

Einzuordnen unter “Anspielungen unter Bildungsbürgern”!

Weiterlesen

Flasherbresche

Flasherbresche
[Link]

Was will uns @sillium mitteilen? Hat er wirklich bewußt die Analogie zu “Fleisch ist mein Gemüse” gewählt und war sich damit der Interpretationskonsequenzen voll bewusst? Gehen wir davon mal aus, denn @sillium gilt nicht als Flüchtigkeitstwitterer ohne Hintergrund.

Ich denke, @sillium will auf die unzähligen Jugendlichen aufmerksam machen die, analog zu Heinz Strunks trostloser Jugend in der Harburger Provinz, Akne, keinen Sex, einen Job als Saxophonist in einer schlechten Tanzband, ein trostloses Flasherdasein in der Provinz führen, Windows Vista, keinen Mac und einen schlechtbezahlten Nebenjob in einem Start-up haben, und deren grossartige Fähigkeiten noch nicht erkannt wurden.

Damit lässt sich analog zu Strunk ebenfalls feststellen: “Es geht darum, dass Flash-Entwickler mit den angenehmen Seiten des Web 2.0 nichts zu tun haben”.

Also, liebe Start-ups: “Befreit die jugendlichen Flash-Entwickler aus der Provinz! Bezahlt sie gut! Gebt ihnen Macs! Gebt ihnen Clearasil! – und denkt immer daran: aus Heinz Strunk ist auch noch was Anständiges geworden!

Sachwortverzeichnis:
Bresche

Weiterlesen

Das kurze Leben des @grandprix

Das Twitterversum ist ein “Raum des Moments”; des weissen Rauschens. Manche Twitterleben sind so kurz, dass sie sich nicht einmal selbst artikulieren können. Und dennoch hinterlassen sie einen derart intensiven Eindruck, dass man ihnen eine Würdigung ihres Lebenswerkes nicht absprechen verwehren kann.
@grandprix lebte von 09:00pm CEST bis 00:53 CEST ein stummes, aber kommentiertes Leben. Und es war ein gutes Leben. Ein Aufregendes. Ein Einzigartiges. Ein Tweetrausch.

Europas Twitterer versammelten sich, um in einem gewaltigen Tweetfeuerwerk @grandprix zu feiern und in allen emotionalen Höhen und Tiefen zu begleiten.
Picture 35

Es wäre müßig und fast unmöglich, dieses ekstatische Aufbäumen vollständig wiederzugeben
Picture 100

und so sind hier nur die vereinzelten Perlen, die ich aus dem Twitterstrom der @grandprix Lebensphasen retten konnte, als Nachruf vermerkt.
Picture 90

@grandprix und die Tarnidentitäten @esc und @eurovision sind ins Leben getreten, um einen europäischen SingSang-Contest durchzuführen. Die Tatsache, dass sie selbst wenig Tweets zu ihrem Lebenswerk beigesteuert haben, schmälert nicht den Erfolg. Und so zog der Strom der Kommentare durch ganz Europa….

Die Finnen machten sich Sorgen.
Picture 31

selbstverständlich unberechtigt, völlig.
Picture 102

Die Engländer mussten sich schon mehr Sorgen machen, aber das wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Picture 39

Lieber Brian, der Font konnte nichts dazu. Ihr wart großartig, obwohl Ihr Isländer vom Arsch der Welt von soweit weg kommt.
Picture 89

Ich persönlich finde es schade, dass man es den Schwellenländern immer noch so schwer macht.
Picture 36

Ich weiss nicht, bei welchem Atemzug von @grandprix diese Aussagen zustande gekommen sind, aber sie trafen auf verschiedene Lebensabschnitte zu:
Picture 41

Picture 103

In Griechenland angekommen, entpuppte sich unser kleiner Twitterling als grosser, dummer Vogel.
Picture 46

Während in Spanien offensichtlich die Samwer-Brüder ihre Finger im Spiel hatten,
Picture 47

waren die Norweger durchaus begehrenswerter:
Picture 56

Über uns selbst gab es nicht viel zu berichten, außer:
Picture 74

Picture 62

Dafür rockte der Osten alles nieder,
Picture 87

was wir natürlich geflissentlich ignorierten -
Picture 75

trotzdem machten die unbehaarten russischen Männerbrüste das Rennen.
Picture 51

Und so bleibt nach den offensichtlichen Problemen bei der Abstimmung
Picture 58

zum Schluss nichts anderes zu sagen als:
Picture 99

Der @grandprix aka @eurovision aka @esc ist tot, es lebe der @grandprix!!!!!!!!

Danke, dass Du Twitter mit Deinem kurzen Leben beglückt hast.

Weiterlesen

Der symbolische Tweet und der Tod

max
[Link]

Denken wir jetzt nicht an bekannte Twitterati, deren Verlust uns unendlich schmerzen würde. Und schon gar nicht an den Tod eines Twitkriters. Denken wir zunächst überhaupt nicht an Twitter, nicht mal an das Web als solches. Denken wir lieber an Anna Nicole Smith. Oder besser: gedenken wir ihrer. Denn sie selbst wehrt sich gegen ihren Tod. Und etliche Journalisten ebenfalls. Sie wollen sie nicht gehen lassen, sondern beleben sie wieder und wieder in immer neuen Artikeln und Fotos, mit Mutmaßungen über die rätselhaften Umstände ihres Todes. Howard Stern, der nicht gerade für seine feinfühlige Art bekannt ist, geht sogar einen Schritt weiter und lässt eine von ihr besprochene Anrufbeantorteransage nach wie vor geschaltet. Wer will, kann also jederzeit die Grenze zum Jenseits überschreiten und sich seine Anrufe von der geisterhaften Stimme der prominenten Toten beantworten lassen.

Worum geht es also, wenn wir Tote in Medien (nein, nicht tote Medien) aufleben lassen? Worum geht es, wenn wir ihre Namen in Grabsteine ritzen oder aber sie – aus Pietätsgründen – in unserer Followingliste belassen.

Was machen wir also mit all den Artefakten, die wir heute online hinterlassen werden. Wird mein Blog nach meinem Tod eine ähnliche Funktion erfüllen, wie die Pyramiden von Gizeh für den einen oder anderen Pharao? Oder eher wie der Turm in Paris, über den das Gespenst des Herrn Eiffel nach seinem Tod noch tausende Architekten instruierte?

So oder so. Medien sind immer auch Medien des Jenseits. Egal ob es sich um Monumente im realen oder virtuellen Raum handelt. Nur ist uns das virtuelle in dieser Funktion noch unbekannt und die Vorstellung von virtuellen Friedhöfen ungewohnt. Dabei hatte das Virtuelle von Anfang an geisterhafte Züge und wies in seiner itelligiblen Beschaffenheit immer schon auf eine Art “Jenseits”. Aber – Hand aufs Herz – sind wir nicht auch – insgeheim, vielleicht unbewusst – aus diesem Grunde hier? Wegen der Unsterblichkeit? Ist nicht jeder Tweet auch von vornherrein ein Vermächtnis, ein vorzeitiger in den Boden gerammter Grabstein, der uns des ewigen Lebens versichert und mit dem wir, auch nach unserem Tod, mit den Lebenden sprechen werden können?

Deswegen: Nein, lieber @343max, entfollowe die Toten nicht. Vielleicht suchst Du dereinst den Dialog mit der Geisterwelt und findest sie nicht mehr, unter den 35 Millionen Twitteraccounts, die es dann vielleicht schon gibt. Und selbst wenn Dir nicht der Sinn danach stehen wird: Das “Jenseits” ist in Twitter jenseits der Timeline. Geht also auch nicht auf die Nerven und so.

Weiterlesen
« Ältere Einträge