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Auf den ersten Blick mutet es an wie ein klassisches Paradoxon: Die Stadt, die es nicht gibt, twittert, sie sei der Beweis für ihre eigene Existenz.
“Halt!”, mögen die gewitzten Leserinnen und Leser da rufen, “wie kommst du den auf die Idee, Bielefeld würde twittern? Hier twittert doch be lefeld!”
Aber wer ist Frau oder Herr Lefeld? Wer ist hier die Autorin oder der Autor? Wir wissen es nicht und machen uns doch eine Vorstellung von ihr oder ihm. Wir können auch gar nicht anders. Denn irgendwer muss doch diesen Tweet verfasst haben. Diese Vermutung befüllen wir mit unseren Vorstellungen, wie be lefeld wohl sein mag. Und so entstehen unsere Autoren, die mit den realen Personen umso weniger gemein haben können, umso weniger wir von ihnen wissen. Vielleicht denken Sie bei be lefeld ja an einen Verwandten von Herrn von Bödefeld, weil die Namen so ähnlich klingen. Ich halte es für eine gelungene Tarnung der Stadt selbst, denn ich glaube, was eine jurisitische Person sein kann, kann auch Autor werden. Dies ist mein be lefeld. Denken Sie doch mal drüber nach, wie Ihr be lefeld aussieht. Vielleicht wie der Kreativdirektor einer Stadtmarketingagentur? Und dann schauen sie dochmal, was der Profilname von Lefeld bei twitter ist. Na? Eben. bielefeld.
So wie wir alle uns unsere Autoren ausdenken mithilfe der Informationen, die wir schon über sie haben und vor allen aufgrund der Informationen, die wir nicht über sie haben, so denken wir uns auch Texte zuende aus. Jeder Text beschreibt etwas, liefert uns Informationen über etwas. Im konkreten Fall eine Information über die Stadt, die es nicht gibt. Die Informationen aber sind nicht vollständig. Das können sie bei keinem Text sein, sonst wäre er selbst so groß wie ein Universum. Die fehlenden Informationen basteln wir anhand unserer Erfahrungen und Ideen hinzu.
So entsteht in jedem von uns eine mögliche Welt, wie es der große Semiotiker und Verschwörungsfan Umberto Eco (von dem manche sagen, er sei eine Kunstfigur, die uns von drei Kumpels vorgespielt werden würde) nennen würde. Dank dieses Verfahrens, mit dem wir und unsere Phantasie aus Texten mögliche Welten schöpfen, kann es auch sein, dass die Stadt, die es nicht gibt, dafür sorgt, dass sie in uns existiert. Einfach, weil wir von ihr lesen und dann anfangen, uns eine Vorstellung von ihr zu machen.
Ein Bielefeld gibt es nicht. Es gibt viele. Mein Bielefeld, Dein Bielefeld, Ihr Bielefeld, sein Bielefeld. Bielefeld liegt auch nicht in Ostwestfalen (was ein echtes Paradoxon ist), es liegt jeweils in unseren Köpfen.
Bielefeld ist möglich. Nicht mehr und nicht weniger. Und mit bis zu 140 Zeichen lassen sich Städte bauen. Toll.







29. April 2008 um 01:32
Das assoziative Hintergrundrauschen als die Kraft der 140 Zeichen. Super! Ich würde am liebsten eine Besprechung dieser Besprechung machen.
29. April 2008 um 01:58
Wirklich ein super Text! Es lebe der metaphorische Städtebau in und um Bielefeld.
29. April 2008 um 02:48
Ich habe Tränen gelacht. Scheint so als wäre das Thema immer noch hochaktuell ;)
29. April 2008 um 08:00
BÄMM!
29. April 2008 um 10:33
[...] Hier bei Twitkrit gibt es jedoch mal einen neuen und wirklich lustigen Text zu der Problematik. in der Schublade: Shocking Shorts Tags: Bielefeld, Mythos [...]
29. April 2008 um 10:52
Glück hatte Sary, der gestern mit beim Bowling war. Er ist vor Jahren von Bielefeld nach Hamburg umgesiedelt. Moment! Wo kam er wirklich her? Ich werde der Sache auf den Grund gehen,
29. April 2008 um 13:01
[...] Hier und weg Merkt man eigentlich, daß ich gar nicht da bin? [...]
29. April 2008 um 15:41
Ich denke es gibt nichts was es nicht gibt! …oder wie?
1. Mai 2008 um 11:45
Ich danke Euch für den erheiternden Eintrag!
3. Juni 2008 um 12:15
[...] zugleich am eigenen Leib erlebt, wie Textverständnis funktioniert: Ein jeder Text (ich wiederhole mich) liefert uns Informationen, aber eben allermeist zu wenige, um ihn aus sich heraus zu [...]