Einmal die Woche haben wir uns vorgenommen, statt eines Tweets gleich einen ganzen Twitterer zu besprechen. Damit wollen nun wir auch unser Blog beginnen. Ab morgen werden dann Tweets besprochen. Versprochen.

kosmar_96

Er hat viele Namen. Aufsichtsrat, Mr. Web2.0, Gott oder einfach Internetheini. Er selbst nennt sich bescheiden @Kosmar. Wortschöpfungen wie “kosmarpolitisch” lassen seinen Wirkungsgrad nur erahnen.
Aber warum beginnen wir unsere Twitterkritik hier? Am Anfang? Machen wir den üblichen Fehler einer glücklosen Suche nach dem verlorenen Ursprung?
Sicher, mittlerweile sind die Gerüchte aus der Welt, Kosmar habe Twitter erfunden. Aber er war dennoch eine der ganz wichtigen Figuren, die es zu dem gemacht haben, was es heute ist.
Ja, auf eine gewisse Weise hat er uns alle geschaffen. Er war zwar nicht der erste deutschsprachige Twitterer, aber er war der erste in jeder Friendslist. Seine Begeisterung ist und war Ansteckend und sie zog uns alle in seinen Bann. Und so folgten wir ihm. Zu Twitter und dann natürlich auf Twitter. Es ist schon komisch, aber Twitter und Kosmar bilden eine assoziative Einheit. Das eine ist ohne das Andere nicht zu denken.
Es gibt eben kaum einen Twitterer, dessen Nutzwert (die besten Links, topaktuell und immer klickenswert) als auch der sprachlich-attitüdische Wert sich auf so hohem Niveau bewegt. Den “kosmaresken” Qualitätsgrad eines Tweets zu erreichen, gilt als Lebensziel hunderter Twitterer. Sollte es jemals eine Favoritenauswertung geben, wäre Kosmars Dominanz um so ehrfurchteinflößender.
Doch was macht das Faszinosum Kosmar eigentlich so mächtig? Woher bezieht er seinen Einfluss, der sich nicht nur über seine dichterischen Fähigkeiten erklären lässt, sondern ebenso über seine sympatische Attitüde. Schauen wir uns ein paar Tweets genauer an.
Da wäre zunächst seine Zeitgenossenschaft. Man ist mit ihm, mit seinen Problemen, mit seiner Welterfahrung im Hier und Jetzt. Er ist einer von von uns, ein Kind unserer Zeit. Aber im Gegensatz zu den meisten von uns bringt er mit seinem naiv-entrückten Gestus, immer wieder auch die Tücken dieses digitalen Alltags, der uns alle bestimmt, auf den Punkt:
kligelton
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Mithilfe seines sprachspielerischen Wortwitzes schafft es der Autor immer wieder, einerseits die vertrackten Situationen eines Onlinelebens auf die Bühne unserer Timelines zu zerren, als auch deren pragmatische Lösungsansätze unterhaltsam zur Diskussion zu stellen:

pseudonym

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Überhaupt ist Kosmar vor allem ein serviceorientierter Qualitätstwitterer. Man würde aber sein Wirken unterschätzen, behauptete man, dass sich seine unbedingte Pragmatik nur im Bereich des digitalen Rauschens anwenden ließe. Nützliche Tipps bekommen seine Follower nämlich auch und regelmäßig für die analogsten aller Probleme serviert:

potit

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Seine eigenen Tätigkeiten dagegen beschreibt er zuweilen mit einer philosophischen Tiefe, die selbst Heidegger ehrfürchtig zusammenzucken ließe. Kosmar sein, heißt außer sich sein. Die Sprache, das Haus des Seins, wird bei Kosmar zum Exil:

raus

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Diese Kombination aus praktischer Lebenshilfe, lakonischer Tiefsinnigkeit sowie sein Wissen um ästhetische Strategien, gepaart mit seinen wiederkehrenden Reflektionen der Online-Offline-Grenzen, die seine Twitterei allgemein bestimmen, werden ganz sicher auch zu diesem Tweet geführt haben:

randomart

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Wir jedenfalls sind restlos überzeugt, dass nur ein schlechter Mensch es fertigbrächte, Kosmar trotz eigenem Twitteraccount nicht zu followen. Kosmar ist in jeder Friendslist ein absoluter Musthave.
Doch nun sind wir am Ende, mit unserer Besprechung. Obwohl: es gäb noch so unendlich viel mehr zu sagen. Doch allzuoft spotten seine Tweets jeder Beschreibung, denn sie verschlagen einem zuweilen die Sprache. Oder um es mit den Worten des Meisters zu sagen:

tweetlos
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Mit freundlicher Unterstützung von @PickiHH und @Bosch.

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Also ich finde:

Das sagen die Anderen:

Kai

wenn ich @kosmar wäre, müsste ich mir jetzt pippi aus den augen wischen.

Gepostet von Kai am 27. April 2008 um 14:57.
TiH

sehr schön.
glückwunsch zum ersten post!
freu mich schon, auf weitere twitteratiz und freunde der modernen kommunikationswelt,
die hier zu helden stilisiert werden.
und natürlich die hailight-tweets des twitteralltags :)

Gepostet von TiH am 27. April 2008 um 15:21.
KMTO

Ich frage mich seit drei Wochen, warum @kosmar auf Platz 2 der Google- Suche nach “Twitter” ist. Jetzt weiss ich es. Und auch wenn ich nicht @kosmar bin, musste ich mir etwas “pippi aus den augen wischen”. Der Test ist noch schöner, als die Frühlingssonne da draussen.

Gepostet von KMTO am 27. April 2008 um 15:43.
Samuel Mauer

Größtartigstste Geschichte. Ja genau, die lakonische Art kosmar´schen Ausdrucks macht sehr gute Laune. Auch wenn ich recht spät auf @kosmar aufmerksam wurde, ist mir blitzartig klar geworden, dass dort jemand am Werk ist, der Werk ist. Geht ab!

Gepostet von Samuel Mauer am 27. April 2008 um 18:34.
mc_o

großartig geschrieben

Gepostet von mc_o am 27. April 2008 um 19:07.
Alexander Broy

Toller Beitrag, schön dass ihr mit @Kosmar angefangen habt, ein würdiger Beginn der Kolumne. Ich freue mich schon auf die Nächsten.

Gepostet von Alexander Broy am 28. April 2008 um 09:07.
kosmar

ö_Ö

Gepostet von kosmar am 28. April 2008 um 09:45.