Das wirklich Wahre, Gute und Schöne zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass es über die Zeiten beständig bleibt, sich gleichzeitig aber mit der Zeit wandeln kann.
Wer hätte zum Beispiel damals, als der Herr Goethe mit einem Bleistift eine Hüttenwand vollkritzelte, gedacht, dass Graffitti einmal ernstgenommene Kunst werden können?

Nun, es ist immer wieder der Herr Geheimrat, der Spiritus rector der Dichter und Denker in diesem unserem Lande, der uns darauf hinweist, dass der geniale Weltgeist allzeit aktuell bleibt.
Die eingangs erwähnte Schmiererei im öffentlichen Raum des in jungen Jahren so ungestümen Stürmers und Drängers nämlich wurde alsbald schon zu einem Klassiker der Weimarer Klassik, zu einem der, wenn nicht dem Gedicht der deutschen Sprache.

“Ein Gleiches” nannte der Meister es, weniger inspirierte Geister lösten diesen rätselhaft unkonkreten Namen später auf, erklärten uns den intertextuellen Verweis auf ein früheres Poem des Hessen in thüringischem Dienst dahinter und deshalb kennen wir “Ein Gleiches” eben auch als “Wandrers Nachtlied II”.

Und nun dies: “Ein Gleiches”, seit Generationen von jedem Germanistik-Grundlagenseminar bis ins letzte semantische Partikel analysiert, ist nicht nur Beispiel des erst in der Postmoderne so recht populär gewordenen palimpsestartigen Struktur der Literatur (also die edle Version des Hegemmannens) und der Streetart, nein:

folgendertweet
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eingleiches
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Gut, streng genommen ist “Ein Gleiches” nur deshalb ein exakter 140-Zeichen-Tweet, weil @tristessedeluxe es in Anführungszeichen setzt.

ABER:
Zum einen weist es der Twitterer so als Zitat eines anderen aus, entgeht damit dem aktuell pirmasens permanent dräuenden Vorwurf des Plagiats und hebt gleichzeitig das intertextuelle Spiel des Bezugnehmens, das diesem Gedicht eigen ist, munter eine Ebene weiter.
Zum anderen aktualisert er einen irgendwie doch verstaubten Text und bringt ihn in die vergleichsweise junge Form des Tweets, womit er, zum dritten, beweist:

Große Kunst passte schon immer und auch auf deutsch ins Twitter-Format!

Weltfrauentag auf Twitter. Eigentlich eine dieser Sachen, über die ich keinen Satz zu viel verlieren möchte (allein die Tatsache, dass es so einen Tag gibt, und wir so etwas brauchen…) Genderthemen sind ja meine heimliche Leidenschaft, uns verbindet da so eine Hassliebe, die nie zu Ende gehen wird. Trotzdem war es gestern das dominanteste Thema in der Timeline, und am Ende ist das dann doch relevant.


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Oft werde ich ja gefragt:

“Du, Onkel @mspro, Du schreibst ja immer so altkluges Zeugs über Tweets und Internet, aber wir hier auf den Barrikaden, heldenhaft in märtyrerpose kämpfend gegen das System, die politische Ökonomie und den Raubtierkapitalismus, wir kämpfen ja gar nicht für dich, du Lattemacciato-Linker, du bürgerlichste Ausgeburt der Bohème, die sich heute Honig ums Handgelenk schmiert und morgen einen auf Salonrevoluzzer macht! Nein! Wir kämpfen für die Armen und unterdrückten, denen, die nicht auf der schöngeistigen Sonnenseite des Lebens, fröhliche Wortspielereien in die Tastatur ihres Apple Macbooks hacken, sondern wir kämpfen für die, denen es wirklich dreckig geht im Leben und die jeden Tag um ihr kümmerliches Dasein fürchten müssen. Hast Du die etwa vergessen, in deiner verqueren Rechnung, zwischen Aufmerksamkeitsökonomie und esoterischen Exoskeletten?”

Nein“, antworte ich dann. “Nein, vergessen habe ich die nicht. Ich praktiziere täglich die Übungen des Herrn @Haekelschwein“:

Bildschirmfoto am 2010-03-07 um 18.21.00
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Sprachübergreifendes findet wenig Anwendung auf Twitkrit. Zu Unrecht eigentlich, denn nirgendwo kann man besser über den sprachlichen Tellerrand der unterschiedlichen Nationen schauen, als in diesem international genutzten Microbloggingdienst. Gelebte Interkulturalität in genuiner Selbstbegrenzung auf 140 Zeichen. Wenn sich diese linguistische Mauerschau dann auch noch metakritisch mit Twitter selbst beschäftigt, ist die vorliegende Rezension geradezu eine Pflichtübung der länderübergreifenden Twitteraturkritik. Genug Geschwurbel, jetzt zur Twitkrit:

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Früher bestimmten die Eltern, was der Junge werden musste, und wen das Mädchen heiratete.
Er malochte dann die Kohle ran, um die Wohnung für sich, die Frau und die sechs Gören und die Kartoffeln, das Bier, samstags die Fußballkarte und sonntags den Braten zu bezahlen. Sie hielt die Wohnung in Schuss, kochte, putzte und ging alle drei Jahre auf Kosten des Müttergenesungswerks ihren Nervenzusammenbruch auskurieren.
Dann merkten die Leute, dass Fremdbestimmung blöd ist und mittlerweile genug Grundwohlstand da ist, um auch mal was auszuprobieren. Stichwort “Selbstverwirklichung”.

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Gestern war es wieder so weit. Irgendein Fußballspiel wurde im Fernsehen übertragen. Meistens ist ja so, dass 90 Minuten lang so gut wie gar nichts passiert. Während andere Twitterer sich bei der Berichterstattung über dieses Nichts oft in unnötigen Details über Spielzüge von Vereinen wie FC St. Pauli, Preußen Münster oder gar der Deutschen Nationalmannschaft verlieren, dampft @HotzPots die Sportmeldungen vom Fußballplatz auf das Wesentliche ein:
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Die Twitterse

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